Toller Tag für Liebende oder konsumgeschwängerter Gesllschaftszwang? Über den Valentinstag lässt sich streiten. | Foto: dpa

Pro und Contra

Braucht es den Valentinstag?

Mit dem Valentinstag zieht der Kitsch in die Schaufenster. Es ist der Tag, an dem man dem Partner eine Zuwendung zukommen lassen, der Angebeteten die Liebe gestehen oder die Ehefrau mit Rosen überraschen kann – oder? Während sich der eine über das Datum für Liebesbeweise freut, ärgert sich der andere über die rosarote Reizüberflutung und steigende Blumenpreise. Auch unsere Redaktionsmitglieder Tassilo Pfitzenmeier und Carolin Freytag sind unterschiedlicher Meinung.

Pro: „Perfektes Barometer“

365 Tage, an denen man so viel falsch machen, von einem Beziehungsfettnäpfchen ins nächste stolpern kann – für uns Männer kommt der Tag der Liebenden doch gerade recht! Blumen, Süßigkeiten, Liebesbriefe oder ein Candle-Light-Dinner: Das mag zwar alles abgeschmackt oder antiquiert nach einem staubbedeckten Jane-Austen-Roman klingen, doch kommt der Valentinsgruß von Herzen, trifft er in der Regel auch mitten ins Herz der oder des Angebeteten.

Tassilo Pfitzenmeier verteidigt den Valentinstag.
Tassilo Pfitzenmeier verteidigt den Valentinstag. | Foto: Hora

In meiner Schulzeit gab es am Valentinstag einen vom „Rosen-Komitee“ organisierten Lieferservice. Das war ganz schön knifflig. Tagelang überlegte man, ob man seinem Schwarm vor versammelter Klasse eine rote Rose überbringen lässt – natürlich anonym. Und dann die Frage: Bekommt man selbst eine? Das wäre eigentlich ja ziemlich peinlich. Geht man leer aus, wäre das aber auch irgendwie doof. So oder so: Der Kopf vieler Teenager wurde an jenem Tag vor Verlegenheit hochrot. Der Valentinstag ist auch ein perfektes Barometer. Denn in den 24 Stunden zeigt sich oft, ob ein Paar überhaupt zusammenpasst und ein Partner nicht viel zu hohe Erwartungen an den anderen hat. Zugegeben, für Singles kann der Tag der zur Schau gestellten Pärchenromantik eine Zumutung sein. Die harmonische Zweierbeziehung wird als Idealzustand gepriesen. Selbst wenn man den Tag nicht allzu ernst nimmt, kann man ein lustiges Geschenk machen. Bringt man den Partner zum Lachen, ist das eh’ schon die halbe Miete im Beziehungsalltag. Die Körper werden mit der Zeit vielleicht welk wie die roten Rosen vom Vorjahres-Valentinstag, doch der Humor kann eine Beziehung bis ins hohe Alter frisch halten.

Contra: „Liebesbeweise, die die Welt nicht braucht“

Ganz Deutschland sieht rot. Und ich auch. Flauschige Teddybären mit Herzen in den Pfoten schauen mit ihren Knopfaugen durch romantisch beklebte Schaufenster. Sie wollen an den Mann und schließlich auch an die Frau gebracht werden – gern auch umgekehrt. Und es werden immer mehr. Schließlich ist Valentinstag. Der Tag, an dem die Gesellschaft Paare dazu nötigen darf, gefälligst sich und ihre Liebe zu feiern. Und zwar genau heute! Woher sollten die beiden auch selbst wissen, wann dafür der beste Zeitpunkt ist.

Carolin Freytag hält nichts von Geschenkezwang am 14. Februar.
Carolin Freytag hält nichts von Geschenkezwang am 14. Februar. | Foto: Hora

Damit die Feierei gelingt, bekommen Verliebte kräftig Unterstützung, vor allem von denen, für die der heutige Tag eine Party in der Kasse ist. Herzen machen sich ja auf so ziemlich allem gut: Luftballons, Toastbrot, Badebomben. Ein Video im Internet erklärt, wie Gemüse und Würstchen in Herzform gebracht werden. Ein Schokolinsen-Hersteller wirbt damit, das Gesicht des oder der Liebsten auf die kleinen Süßigkeiten zu drucken. Liebesbeweise, die die Welt nicht braucht. Wer aber bis heute nicht mindestens eine kitschige Kleinigkeit gekauft hat, sollte sicher sein, dass seine bessere Hälfte den Valentinstag ebenso unnötig findet, wie er selbst. Enttäuschte Erwartungen sind schließlich nicht förderlich für die – hoffentlich noch glückliche – Beziehung. Der heutige Tag bietet dafür allerdings eine gute Gelegenheit – gleich nach dem vergessenen Hochzeitstag. Und da wäre noch etwas: Auch Singles dürfen sich an diesem Tag natürlich amüsieren, aber dann doch lieber zu Hause. Immerhin sind nicht nur die Restaurants verstopft, auch in Kinos und Museen ziehen sie heute oft den Kürzeren. Kreative Sparangebote gibt’s nur als Doppelpack.