Fillbrunn Pforzheim
VON DER UCKERMARK NACH PFORZHEIM? Frank Fillbrunn will Sozialbürgermeister werden. Verwaltungserfahrung hat er nicht nur in der Uckermark, sondern unter anderem auch in Afghanistan gesammelt. | Foto: pr

Sozialdezernat in Pforzheim

Bürgermeister-Bewerber mit Verwaltungserfahrung in Afghanistan

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Von der „Toskana des Nordens“ in den Nordschwarzwald? Ein weiterer Bewerber um das Amt des Sozial-Bürgermeisters in Pforzheim hat sein Interesse publik gemacht: Frank Fillbrunn, derzeit Beigeordneter im Landkreis Uckermark, ist unter den drei bislang bekannten Bürgermeister-Kandidaten bereits der zweite Jurist mit FDP-Mitgliedschaft. Ein Alleinstellungsmerkmal ist seine Verwaltungserfahrung in Afghanistan.

Das Bewerbungsschreiben von Frank Fillbrunn hat bislang den weitesten Postweg aller Bewerber um die Müller-Nachfolge in Pforzheim. Denn der 58-jährige Jurist stammt zwar aus Heidelberg, ist aber seit rund acht Jahren im nördlichen Brandenburg als Beigeordneter beim Landkreis Uckermark beschäftigt, der wegen seiner ruralen Idylle zuweilen als „Toskana des Nordens“ bezeichnet wird.

Erfahrung in Führungspositionen

Im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier betont Fillbrunn seine langjährige Erfahrung in Führungspositionen der Kommunalverwaltung. Als Sozialdezernent und Beigeordneter des Landkreises Uckermark sei er 2010 in den strukturschwachen Landkreis gekommen, der mit einer Arbeitslosenquote von fast 17 Prozent das bundesweite Schlusslicht gebildet habe. Fillbrunn: „Heute hat die Uckermark die rote Laterne längst abgegeben.“  Noch dieses Jahr sein mit einer einstelligen Quote zu rechnen. Dazu habe „eine grundlegende Neuorganisation der Arbeit im Jobcenter, einer ämter- und dezernatsübergreifenden Kooperation zwischen Jobcenter, Bildungs- und Jugendamt sowie dem Amt für Kreisentwicklung und durch flankierende politische Beschlüsse des Kreistages“ beigetragen. Die Arbeit des uckermärkischen Jobcenters unter seiner Führung werde „heute durch das Potsdamer Sozialministerium als vorbildlich herausgestellt“, so Fillbrunn.

Einsatz in Afghanistan: Faible für strukturschwache Regionen?

Ein gewisses Faible Fillbrunns für strukturschwache Regionen lässt sich womöglich auch daraus ablesen, dass er bereits mehrfach für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Afrika und auch in Afghanistan im Einsatz war, wo er  2006 bis 2007 am Verwaltungsaufbau in der Großstadt Kundus mitwirkte.

Fillbrunn betont, er verfüge „nicht nur über umfassende Expertise im Sozial- und Bildungsbereich“, sondern sei auch „ausgewiesener Finanzexperte“. Demnach war er zwei Jahre Jahre lang Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Borken/Westfalen, wo er außerdem  für Jugend, Familie, Schule, Soziales sowie Sicherheit und Ordnung zuständig war. Zuvor war er sechs Jahre Bürgermeister von Walsrode in Niedersachsen, wo er unter anderem für die Entwicklung neuer Gewerbegebiete gesorgt habe.

Noch ein Jurist mit FDP-Mitgliedschaft

Wie Carl-Gustav Kalbfell aus Leinfelden-Echterdingen, der als erster Kandidat an die Öffentlichkeit ging, ist Fillbrunn Jurist und FDP-Mitglied.  Seine Bewerbung begreife er jedoch ausdrücklich als überparteilich. „Meine Arbeit ist geprägt von Sachlichkeit; in der Uckermark habe ich in den letzten acht Jahren sowohl mit CDU, SPD, Linken, Grünen als auch FDP gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“
Fillbrunn ist evangelisch, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er ist im Rhein-Neckar-Kreis aufgewachsen und begann seine Berufslaufbahn als Rechtsanwalt in Mannheim. Seine Frau stammt aus Bruchsal. „Wir beide kennen Pforzheim als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region. Über einen Umzug nach Pforzheim würden wir uns sehr freuen“, so betont Fillbrunn.

Stadt Pforzheim: Zwei offizielle Bewerber

Neben Fillbrunn und Kalbfell (40), derzeit Sozialbürgermeister in Leinfelden-Echterdingen, hat die Erste Beigeordnete der Stadt Göppingen Almut Cobet (44), ihre Kandidatur öffentlich angekündigt. Weitere potenzielle Kandidaten führen nach Kurier-Informationen Gespräche mit den Pforzheimer Parteien. Die Bewerbungsfrist endet am 11. Mai. Danach will die SPD von ihrem in der Gemeindeordnung nach Parteienproporz begründeten Vorschlagsrecht Gebrauch machen und ihren Favoriten nennen. Gewählt wird der neue Beigeordnete am 19. Juni von den Mitgliedern des Gemeinderat für eine Amtszeit von acht Jahren.
Einem Sprecher der Pforzheimer Stadtverwaltung zufolge lagen am Mittwochnachmittag offiziell zwei Bewerbungen vor. Ergänzung: Seit dem späten Nachmittag sind es inzwischen fünf Bewerber. Zur ihrer Identität macht die Verwaltung grundsätzlich keine Angaben.