Wer gewinnt die Bürgermeisterwahl in Königsbach am 5. Juli?: Die drei Bewerber Dieter Zentner (von links), Amtsinhaber Heiko Genthner und Rolf Engelmann stehen zur Wahl. | Foto: Herbert Ehmann

100 Besucher in der Festhalle

Bürgermeisterwahl in Königsbach-Stein: Kandidaten stellen sich vor

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Unter strengen Auflagen haben sich am Freitagabend die drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl vor 100 maskierten Besuchern in der Festhalle in Königsbach vorgestellt. Anschließend fühlten die Zuhörer den Kandidaten mit vielen Fragen auf den Zahn.

„Gemeinsam“ war das Wort, das in der zehnminütigen Vorstellungsrede von Amtsinhaber Heiko Genthner immer wiederkehrte. Der 55-Jährige stellte Projekte seiner ersten Amtszeit heraus – etwa das Gemeindeentwicklungskonzept, das er für ein Beispiel gelungener Bürgerbeteiligung hält.

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Heiko Genthner will mindestens zehn Ladesäulen aufstellen

In den kommenden Jahren will sich der Bürgermeister für viele Dinge einsetzen: Beispielsweise die Vereinsförderung, die er verdoppeln möchte. Oder die umfassende Altenhilfeplanung und verbesserte Pendlerverbindungen. Elektromobilität will Genthner ebenfalls zum Thema machen und in den nächsten fünf Jahren mindestens zehn Ladesäulen aufstellen.

Elektromobiliät und Digitalisierung Zukunfthemen Nummer eins

Bürgermeister Heiko Genthner

„Neben Elektromobilität ist die Digitalisierung das Zukunftsthema Nummer eins“, betonte Genthner. Die Förderung von Familien bezeichnete der Rathauschef als „Schwerpunkt seine kommunalpolitischen Handelns“. Darüber hinaus ist dem CDU-Kreisrat, der bei der Bürgermeisterwahl am 5. Juli als parteiloser Kandidat antritt, ein gemeinde- und landkreisübergreifendes Radverkehrskonzept wichtig. Und der Hochwasserschutz, für den dem Land ein Gesamtkonzept vorgelegt werden soll.

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Rolf Engelmann will neue Wege für die Gemeinde

„Neue Wege für die Gemeinde“ war das Motto in der Rede von Herausforderer Rolf Engelmann, der viel Applaus von den 100 Zuhörern erhielt. Königsbach-Stein müsse sich Zukunftsziele setzen – der Rathausspitze fehle es an Ideen dafür, bemängelte der Vorsitzende der Grünen Gemeinderatsfraktion, der bei der Wahl ebenfalls als parteiloser Kandidat antritt.

Rathausspitze für Mangel an Ideen kritisiert

Mit einer Zukunftswerkstatt könnten Bürger Ziele in Bereichen wie Klima, Energie und Barrierefreiheit festlegen. Dringenden Bedarf sieht Engelmann auch bei Wohn- und Pflegeplätzen für Ältere. Außerdem will sich der 54-Jährige Königsbacher dafür einsetzen, dass die Verwaltung Grundstücke für soziale Zwecke anbietet – etwa in der Steiner Straße. „Lange wurde der soziale Wohnungsbau sträflich vernachlässigt“, kritisierte Engelmann. Das gemeindeeigene Grundstück in der Brühlstraße würde sich dafür eignen.

Lange wurde der soziale Wohnungsbau sträflich vernachlässigt

Herausforderer Rolf Engelmann

Wichtig ist Engelmann auch die Jugendarbeit, für die seine Fraktion schon ein Konzept erarbeitet habe. Auch die Schulsozialarbeit müsse ausgebaut werden, fordert der Bewerber. Bürokratieabbau und kurze Wege zur Verwaltung will der Diplom-Betriebswirt mit digitalen Rathausdienstleistungen erreichen.

Ich bin ein normaler Bürger wie ihr

Dritter Kandidat Dieter Zentner

„Ich bin ein normaler Bürger wie ihr“, stellte sich Dieter Zentner vor, der wie berichtet kurz vor Ende der Bewerbungsfrist seinen Hut in den Ring geworfen hat. Warum der Rentner das getan hat? „Ich kann es nicht mehr mit angucken, was passiert. Geld werde zum Fenster rausgeblasen“, sagte er in seiner dreiminütigen Ansprache. Für was brauche die Gemeinde einen Dorfpolizist? Man müsse mehr für die alten Leute tun und nirgends könne man sparen, kritisierte Zentner.

Zuhörer fühlen Kandidaten bei Fragerunde auf den Zahn

Maskierte Besucher hakten nach: Viele der 100 Zuhörer stellten den Kandidaten Fragen – die meisten gingen an Rolf Engelmann.
Maskierte Besucher hakten nach: Viele der 100 Zuhörer stellten den Kandidaten Fragen – die meisten gingen an Rolf Engelmann. | Foto: Ehmann

Die Fragen der Besucher, die großteils an Rolf Engelmann gingen, drehten sich unter anderem um das umstrittene Gewerbegebiet „Laier“. Engelmann würde das „unsinnige Projekt stoppen“. Heiko Genthner würde nach dem Motto „so geringe Eingriffe wie nötig und so viel Wirtschaft wie möglich“ verfahren. Einig waren sich beide Bewerber, dass beim Thema Baulandentwicklung Baulücken innerorts geschlossen werden sollen. Bei der Vereinsförderung wollte Engelmann nicht zu viel versprechen – mit Blick auf die Haushaltslage.

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Die Fragerunde nutzen einige Besucher, um ihren Unmut kundzutun: etwa über die Verkehrssituation im Ort und den „Stillstand bei der Digitalisierung“. „Sie lügen“ warf ein Besucher Bürgermeister Genthner an den Kopf, der darauf hingewiesen hatte, dass er für die Sanierung der Landesstraße von Stein nach Eisingen nicht zuständig sei.

Termin
Weitere Vorstellungsrunden finden am Samstag, 20. Juni, ab 19 Uhr in der Festhalle in Königsbach und am Freitag, 26. Juni, ab 19 Uhr in der Turn- und Festhalle in Stein statt.