Junge-Liste-Stadtrat und CDU-Funktionär: Philipp Dörflinger im Ratsaal in Pforzheim | Foto: str

Wirbel um „Wahlbetrug“

CDU Pforzheim: Dörflinger weist FDP-Vorwürfe zurück und wird von Parteifreund hart kritisiert

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Wahlbetrug? Stadtrat Philipp Dörflinger (CDU) aus Pforzheim hat schwere Vorwürfe aus der FDP im Zusammenhang mit einem möglichen Wechsel von der Jungen Liste zur CDU-Fraktion zurückgewiesen. Unterdessen wird der CDU-Funktionär auch aus seiner eigenen Partei kritisiert. Mitbewerber Sarow geht auf Dörflinger los.

„Einen möglichen Beitritt zur CDU-Fraktion habe ich niemals kategorisch ausgeschlossen“, so der Politiker auf Anfrage dieser Redaktion zu dem Vorwurf. Ob und wann Dörflinger einen Beitritt tatsächlich anstrebt, ließ der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Pforzheim Nord/Ost auf Nachfragen jedoch offen. Das kritisiert CDU-Stadtrat Andreas Sarow mit harten Worten.  Der Unternehmer und Installationskünstler („Schwarze Villa“) ist derzeit Dörflingers einziger Mitbewerber um die parteiinterne Nominierung am 27. März.

Sarow kritisiert Mitbewerber Dörflinger

Sarow wirft Dörflinger in einer aktuellen Stellungnahme überkommene „aalglatte Stellungnahmen und parteipolitisches Taktieren“. Dörflinger solle sich klar bekennen „und nicht wie ein scheues Reh an der CDU-Fraktion schnuppern“, so findet Sarow. Dieser habe viele Monate Zeit gehabt, „aufrecht und unspektakulär eine Aufnahme bei uns zu beantragen“. Den möglichen Beitritt „wie eine Möhre vor uns herzutragen und dies mit der Nominierung zur Landtagskandidatur zu verquicken, entspricht nicht meinem politischen Verständnis“, so Sarow.

Dörflinger war im Zusammenhang mit Überlegungen in der CDU Pforzheim in die Kritik geraten. Wie diese Redaktion öffentlich machte, überlegt man in der Partei, Dörflinger und eventuell auch Constantin Heel, den anderen Stadtrat der „Jungen Liste“ in die CDU-Fraktion einzubinden.

Streit um «Schwarzes Haus» beendet
Landtagsaspirant und Künstler: Andreas Sarow (CDU) vor seiner „Schwarzen Villa“ auf einem Archivbild. | Foto: Uli Deck/Archivbild

CDU Pforzheim will klarer Verhältnisse

Man hätte dann einerseits „klare Verhältnisse“, so ist aus der Partei zu hören. Schließlich ist Dörflinger CDU-Funktionär und bewirbt sich derzeit parteiintern um die CDU-Landtagskandidatur. Heel ist Mitglied der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union, deren Kreisvorsitzender Dörflinger ist. Einen weiterer Vorteil wäre aus CDU-Sicht: Man könnte im Rat an der Sammelfraktion unter Führung von Hans-Ulrich Rülke (FDP) vorbeiziehen.

Die Nachwuchsorgansation der Pforzheimer FDP, die Jungen Liberalen, teilten dazu mit, sie seien „irritiert und erschrocken“ über die Erwägungen. „Philipp Dörflinger hat im Kommunalwahlkampf mehrfach versprochen, dass die Stadträte der Jungen Liste fünf Jahre lang eben nicht unter die Rockschöße einer Partei schlüpfen werden. Nun will er dieses Versprechen nach nicht einmal einem Jahr bereits brechen“, folgerte der Kreisvorsitzende Leon Michel.

Junge Liberale sehen Wahlbetrug

Die JuLis werfen Dörflinger vor, „die Stimmen junger Menschen im Kommunalwahlkampf erschlichen“ zu haben, um sie nun der alten CDU zuzuführen. Im Wahlkampf sei die Junge Liste als Alternative für junge Wähler aufgetreten. Nun lasse sie die Maske fallen und oute sich als Hilfstruppe der CDU. „Ein solcher Wortbruch eines Jungpolitikers beschädigt die Glaubwürdigkeit der Politik, so die Julis, die Dörflinger „vor Wahlbetrug“ warnten.

Dörflinger wies den von den Jungen Liberalen erhobenen Vorwurf des versuchten Wahlbetrugs zurück. Anders als behauptet, habe er niemals ausgeschlossen, in dieser Ratsperiode zur CDU zu wechseln, so Dörflinger gegenüber dieser Redaktion.

Der CDU-Landtagsaspirant hatte sich mit einer Reaktion Zeit gelassen. Schriftlich gestellte Fragen dieser Redaktion vom Montag beantwortete Philipp Dörflinger zunächst nicht, meldete sich aber dann am Mittwoch telefonisch, um zitierfähige Aussagen abzustimmen. Ob und wann er aber einen Beitritt tatsächlich anstrebt, ließ Dörflinger offen.