Orientierungslos wirkte Gökhan Gökce, Trainer des 1. CfR Pforzheim, nach dem brutalen Angriff seines eigenen Spielers. Der Coach erhielt viel Zuspruch. | Foto: Arnd Waidelich

Weiterer Vorfall im Sommer

CfR-Trainer Gökce spricht nach Lushtaku-Eklat über den Angriff

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Nach dem Zwischenfall im Holzhofstadion, bei dem CfR-Spieler Kushtrim Lushtaku auf Trainer Gökhan Gökce losgegangen sein soll, hat Trainer Gökce nun Details preisgegeben. Derweil erhebt sein Co-Trainer Fatih Ceylan schwere Vorwürfe gegen den nun entlassenen Mittelfeldmann – und verweist auf einen weiteren Vorfall mit Lushtaku im Sommer.

Lushtaku soll Gökce am Boden liegend getreten haben

Schon im Vorfeld nach dem verschossenen Elfmeter von Lushtaku-Bruder Kreshnik müssen die Fetzen geflogen sein. „Er ist auf mich los, hat mich derb beleidigt und bedroht“, berichtet Gökce. Dabei sollen Sätze wie „du Hurensohn“ und „ich brech’ dir den Kiefer“ gefallen sein. Der Coach habe versucht, die Situation zu beruhigen, doch das ging schief. Als dann Lushtaku – gegen die klare Anordnung Gökces, wie dieser sagt – versucht habe, in die Mannschaftskabine einzudringen, sei es körperlich geworden, Gökce erlitt am Boden liegend einen Tritt und eine schwere Rippenprellung, bekam zwischenzeitlich keine Luft mehr.

Lushtaku erzählt eine andere Version

Lushtaku streitet eine Eskalation nicht ab, wohl aber den Tritt. „Ich habe auf niemanden eingeprügelt“, teilte er via Facebook mit. Am Montag räumte er gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten zwar eine Beleidigung ein, „bedroht habe ich ihn aber nicht“. Zudem nannte er Gökce einen „Schauspieler“, der sich nach Lushtakus Schubser auf den Boden geworfen habe und einen Tritt simuliert habe. Woher die Rippenprellung stamme, könne er nicht sagen, „von mir 100 Prozent nicht“. Gökce habe ihn loswerden wollen. „Ich weiß nicht, was in seinem Kopf los ist.“

Gökce-Rückkehr auf CfR-Trainerbank nicht sicher

Der Trainer erhält derweil viel Zuspruch. „Ich habe jetzt so viele Nachrichten bekommen, von so vielen Vereinen. Es ist brutal, wie jetzt alle hinter mir stehen“, berichtet Gökce am Tag danach. Wenngleich die physischen Schmerzen abklingen werden, die seelischen seien noch lange nicht auskuriert. „Ich bin noch immer schockiert“, berichtet Gökce. Einfach zur Tagesordnung übergehen könne er jedenfalls nicht. „Ich weiß nicht, wie es sein wird, wenn ich da wieder auf dem Platz sein sollte.“

Co-Trainer Ceylan rechnet mit Lushtaku ab

Rückendeckung bekommt Gökce von seinem Co-Trainer Fatih Ceylan: „Ich habe schon viele Trainer gesehen und muss sagen: Der Gökhan macht sein Geschäft super. Die Spieler halten auch zu Gökhan. Wir müssen jetzt Ruhe reinbringen und eine Familie sein.“ Für Lushtaku hat er hingegen keine so warmen Worte über: „Es ist ein schwacher Charakter von dem Spieler in dieser Aktion. Jetzt müssen wir die Probleme wegschaffen – und ein Problem ist schon weg.“ Lushtakus Vertrag wurde aufgelöst.

Gökce und Ceylan bestätigen weiteren Vorfall im Sommer

Bereits im Sommer soll es zwischen „Kush“ und Gökce gekriselt haben. „Ich habe damals den Kopf dafür hingehalten, dass er in der Mannschaft bleibt“, berichtet Trainer Gökce. Und Co-Trainer Fatih Ceylan bestätigt: „Damals hat er eine Geldstrafe bekommen – mit der klaren Ansage, dass es die beim nächsten Mal nicht mehr gibt.“ Der mittlerweile 29-jährige Lushtaku, immerhin gerade erst Vater geworden, sei auch mit anderen Spielern aneinander geraten. „Normalerweise sagen mir Spieler, wenn sie meinen, jemand anderes solle auch mal spielen“, sagt Gökce. Für Kushtrim Lushtaku allerdings habe sich niemand eingesetzt.

Lushtaku bestätigt Vorfall

Dass es einen Vorfall gab, bestreitet Lushtaku nicht. In einem Trainingsspiel sei er gefoult worden, habe dies reklamiert. Daraufhin sei es zur verbalen Eskalation gekommen. „Er sagte: ,Du musst lernen, wer hier das Sagen hat.‘ Ich sagte: ,Du sicherlich nicht.'“ Seine Geldstrafe habe darin bestanden, „die Jungs zum Essen einzuladen“.

Zukunft von Lushtaku-Bruder Kreshnik beim CfR unsicher

Unklar bleibt indes, was aus dessen Bruder Kreshnik wird. Denn der gehört dem Kader des CfR weiterhin an, kann die Vorwürfe seines Bruders aber schlecht ignorieren. „Da haben heute viele Dinge im Verein Schaden genommen, das müssen wir erst einmal verdauen“, sagt Sportvorstand Torsten Heinemann. „Ich weiß nicht, was sich in den nächsten Tagen ergibt. Das wird keine ruhige Zeit für uns.“

Heinemann appelliert an Gökces Kampfgeist

Dass Gökce wieder auf die Trainerbank zurückkehrt, steht indes für Heinemann außer Frage: „Vielleicht ist das Gute an diesem Verein, dass hier niemand vor irgendetwas wegläuft. Ich kann mir das auch bei Gökhan nicht vorstellen. Außergewöhnliche Situationen überstehen zu müssen – das gehört fast schon zum CfR dazu.“

Lushtaku: Spieler mit zwei Gesichtern

Kushtrim Lushtakus erster Einsatz war in der Saison 2017/18 im Derby gegen den SV Spielberg. Dort trumpfte der Zauberfuß aus dem Kosovo groß auf, unter anderem mit einem spektakulären Tor aus der Distanz. Auch sein Treffer gegen den späteren Aufsteiger TSG Balingen (1:1) war wichtig für die Moral der Mannschaft im Abstiegskampf war. Über Kushtrim kam auch dessen Bruder Kreshnik im Winter zum CfR. Dann wurde Kushtrim durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, ist seit seiner Genesung Reservist. „Er war sauer, weil er wegen seiner Leistungen nicht so oft zu Einsätzen kam“, sagt Ceylan. „Aber das gibt ihm nicht das Recht, gewalttätig zu werden. Er hat wahrscheinlich gedacht: ,Jetzt gehe ich und geb’ ihm noch eine mit.‘“