Weltreisender für Wellendorff: Das Pforzheimer Unternehmen zählt zu den wenigen Luxusmarken, die es in Deutschland gibt. Christoph Wellendorff reist zu den Partner-Juwelieren und zu den eigenen Boutiquen in dieser Welt. | Foto: Fabry

Der Schmuck-Virtuose

Christoph Wellendorff ist der weit reisende Außenminister der Pforzheimer Schmuck-Dynastie

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Manche Medien haben ihn schon als „Mr. Goldfinger“ tituliert. Das mag sich zwar pfiffig anhören, passt aber nicht zu Christoph Wellendorff. Denn beim echten Mr. Auric Goldfinger aus dem legendären James Bond geht es um viel Bling-Bling – was Christoph Wellendorffs Ding gar nicht ist. Er steht mit seiner Familie für eine leise (Luxus-)Marke. Na ja – und ein Bösewicht wie Bonds Widersacher ist Wellendorff nun auch nicht.

„Schmuck-Botschafter“ wäre ein passender Titel. Denn Christoph Wellendorff ist in dem Pforzheimer Familienclan für alles verantwortlich, was mit dem Kunden zu tun hat. In normalen Zeiten jettet der 56-Jährige rund um die Welt zu Juwelieren und und zu den 15 Wellendorff-Boutiquen. Immer mit kleinem Köfferchen. „Ich habe ein Mal im Leben in Amerika einen Koffer verloren, seitdem reise ich nur noch mit Handgepäck“, sagt Wellendorff.

Wellendorffs Mission: „Wahre Werte“ in der Welt verbreiten

Er selbst bezeichnet sich gerne als „Außenminister“ des Unternehmens. Seine Mission: „Wahre Werte“ unter den Liebhabern von schmucker Handwerkskunst zu verbreiten. „Wahre Werte“ ist der Claim der Pforzheimer. Schon Urgroßvater und Firmengründer Ernst Alexander Wellendorff schwärmte regelmäßig von der Goldstadt nach Baden-Baden aus, wo der europäische Adel logierte. Selbst der russische Zarenhof und die britische Königsfamilie zählten zu seinen Kunden.

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Heute sind es die kaiserliche Familie von Japan, Top-Manager wie Apple-Vorstand Phil Schiller oder Lang Lang, der Star-Pianist. „Jeder, der Wellendorff trägt, hat das Schmuckstück auch gekauft“, sagt der Unternehmer stolz. Auch das grenzt die Pforzheimer zu anderen Luxusmarken ab, die längst Teil von Weltkonzernen sind.

Lang Lang und Wellendorff – ein Erlebnis am Piano

Christoph Wellendorff ist auch ein Virtuose. Ihm wird nachgesagt, ein Könner am Piano zu sein. Wellendorff hört’s und lacht lauf auf: „Können ist anders.“ Einmal saß er am Piano. Beethoven. Und eben jener Lang Lang war dabei. Der Welt-Star spielt danach das gleiche ganz anders. „Ich hatte Tränen in den Augen, weil er es in einer ganz anderen Qualität gespielt hat.“

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Dann eben: Schmuck-Virtuose. Wie sein drei Jahre jüngerer Bruder Georg, der für die Manufaktur zuständig ist, ist auch Christoph ein Besessener. Es sind Perfektionisten. Detail-Verliebte. Er greift zu einem Armband, öffnet und schließt es. Extra eine Maschine habe man gebaut, um die patentierte Schließe zu testen. 40.000 Mal auf und wieder zu. Damit die Qualität stimmt, kümmern sich die Wellendorffs mit ihren 100 Mitarbeitern um fast alles. „Wir kaufen nur Gold und Diamanten ein. Das war’s.“ Wellendorff spricht’s und hämmert die flache Hand auf den Tisch mit der grünen Natursteinplatte. So, als wollte er auch noch Basta sagen. Keine faulen Kompromisse.

Ein Hingucker: Wellendorff ist eine weltweit bekannte  Luxusmarke aus Pforzheim. | Foto: pr

Neulich habe er sich geärgert. Ein Handy-Halter sei nach sechs Wochen außeinander gebrochen. Auch viele teure Waren gingen heutzutage viel zu schnell kaputt. Die Trends seien: schneller, weiter, höher. Und da grätscht Wellendorff dazwischen. Er sagt, nix da. Es gehe um die Ewigkeit.

Zwei Brüder teilen sich die Aufgaben im Betrieb

Georg und Christoph, die beiden Brüder, verstehen sich gut. Sie gehen morgens nach einem gemeinsamen Spaziergang in die Firma und abends wieder nach Hause zurück. „Ich weiß, dass mein Bruder mein wichtigster Freund in meinem Leben ist“, sagt Christoph Wellendorff. Schon als Kinder waren die Werkstatt und die Büros des elterlichen Betriebs auch ein Revier fürs Fangen-spielen. Nie habe er in Frage gestellt, hier einmal arbeiten zu wollen.

Abitur in Pforzheim, die Lehre als Juwelengoldschmied in Überlingen, Wirtschaftsstudium in Stuttgart sowie Paris und Praktika bei Rolex sowie Daimler – mit diesem Rüstzeug fing Christoph Wellendorff 1991 in der Alexander-Wellendorff-Straße an.

Christoph Wellendorff als Buch-Autor für seine Kinder

Und er schreibt an einem Buch, so wie es auch seine Vorfahren getan haben. Über 200 Seiten seien es mittlerweile schon. Handgeschrieben. Erfahrungen, Lehren, Ängste, Hoffnungen wolle er mit dem Generationenbericht seinen zwei Töchtern und seinem Sohn mitgeben. „Konzerne müssen alle drei Monate abliefern. Wir liefern ein Mal im Leben ab.“

Sein Sohn sitzt neben ihm, weil er wissen will, wie so ein Gespräch mit einem Journalisten abläuft. Was er an seinem Vater bewundere? Er muss nicht prüfend neben sich blicken; die Antwort kommt spontan: „Ich bewundere es, wie er es schafft, Menschen für seine Ideen zu begeistern.“ Und wie er Freundschaften knüpfe. Der Vater schaut zufrieden. „Das hat etwas mit wirklichem Interesse zu tun. Es interessiert mich wirklich, wie es einem geht.“

Dem schlaksigen 1,90-Meter-Mann Wellendorff half diese Einstellung bei Verhandlungen mit toughen Managern wie Karim Azar von der International-Finance-Center-Mall in Hongkong. Und bei Kamphues, Leicht und Nitsch aus der Region sei Freundschaft entstanden.

Der Pforzheimer interessiert sich für Sport, Politik, für Wirtschaft sowieso. Aber Vorbilder gebe es keine; er versuchte, seinen eigenen Weg zu gehen. „Vorbilder – das hat immer etwas mit Vergleichen zu tun. Und ich versuche, für mich so wenig Vergleiche wie möglich zu suchen. Denn ich glaube, das Vergleichen macht am Ende unglücklich.“

Joggen bei Sonnenaufgang über die Golden-Gate-Bridge

Wellendorff gibt über sich selbst nicht arg viel preis. Er ist auch kein Anekdoten-Erzähler. Seine Schwäche? „Ungeduld“. Seine Stärke? „Die Leidenschaft, die Energie.“ Wenn man ihn danach fragt, antwortet er kurz. Er schwärmt vom Ferienhäuschen in der Ortenau, wo er mit seiner Frau – einer Zahnärztin – Kraft tankt. Immer in Bewegung müsse er sein. Tennis, Beachvolleyball, Laufsport nennt er.

Und kommt gleich wieder aufs Berufliche: Wenn er seine Boutique in San Francisco besucht, wie er dann morgens bei Sonnenaufgang über die Golden-Gate-Bridge und durch den Golden-Gate-Park joggt. Oder wie er in Tokio rund um den Kaiserpalast läuft (in dem er, nebenbei erwähnt, auch schon drin war). In Tokio fühle er sich ohnehin sehr wohl, „weil Japan Tiefgang hat. Die Japaner haben einen natürlichen Bezug zu den wahren Werten“.

Da ist er also wieder, der Firmen-Claim. So zurückhaltend sich Wellendorff über Privates äußert, so offen ist er bei Beruflichem. Über (Wellendorff-)Schmuck kann er stundenlang philosophieren. „Schmuck kann sprechen“, sagt er. „Schmuck kann sagen: ,Danke’, ,Ich liebe Dich’, ,Verzeih mir’ oder ,Du bist die tollste Mama.’“

Den ersten Schmuck hat er bei Woolworth gekauft

Schon als kleiner Bub hat Christoph Wellendorff ein goldenes Händchen für den richtigen Schmuck gehabt. Zehn Pfennig Taschengeld habe er als Sechsjähriger bekommen – und damals den ersten Schmuck gekauft, eine Brosche, bei Woolworth, zum Geburtstag seiner Mutter. „Sie hat ihn heute noch. Das ist für sie eines der wertvollsten Schmuckstücke“, sagt Wellendorff. Schmuck könne eben eine ganz besondere Bedeutung haben, die weit über den materiellen Wert hinausgehe