Musik von der Platte läuft auch im Laden von Richard Voigt. Für Kunden hat er einen Schallplattenspieler mit Kopfhörern, damit diese in Ruhe probehören können. Foto: ref | Foto: ref

40.000 Platten im Sortiment

City Music Voigt ist beim Record Store Day in Pforzheim dabei

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An seine erste Platte kann sich Richard Voigt genau erinnern: „Das war die von den Rolling Stones, die Sticky Fingers.“ Und zwar die mit aufgesetztem Reißverschluss, heute eine Rarität. „Das war Anfang der 70er, da wusste ich nicht, ob ich mir die Deep Purple in Rock kaufe oder die Sticky Fingers“, erzählt der Chef von City Music Voigt. Kurze Zeit später hatte er beide Schallplatten.

Die Wahl haben Vinylfans auch an diesem Samstag: Etwa 500 exklusive Veröffentlichungen kommen am internationalen Record Store Day (RSD) raus, gleichzeitig in weltweit über 3.000 teilnehmenden Plattenläden. Der jährliche Aktionstag, den es seit 2008 gibt, soll laut der Website von Record Store Day Germany dazu beitragen, dass Kunden wieder öfter direkt in den Laden gehen, anstatt online zu kaufen. Dort gibt es die eigens für den RSD hergestellten Platten nämlich nicht.

Große Nachfrage

In Pforzheim werden Vinylbegeisterte auf der Suche nach dem „schwarzen Gold“ bei City Music Voigt fündig. Zum vierten Mal macht Richard Voigt beim Aktionstag mit. „Der Tag entwickelt sich jedes Jahr stärker von der Nachfrage her“, sagt er. Anfragen kämen unter anderem aus Reutlingen, Freudenstadt und Ludwigsburg. Was genau Voigt von der umfassenden Liste bestellt, können auch die Kunden beeinflussen – die Liste ist mehrere Wochen im Voraus online für alle einsehbar. „Es sind mehrere 100 Titel, die wir da haben, aber in unterschiedlichen Stückzahlen.“ Viele seien sehr limitiert.

Es ist der Sinn des Record Store Day, dass Kunden in die Läden kommen

„Es gibt viele Highlights“, beurteilt Voigt das Angebot. Zu seinen Top-RSD-Titeln zählt er Platten von den Rolling Stones, Pink Floyd, The Doors und David Bowie. Teilweise sind die Titel bereits erschienen und kommen nun als Picture Disc, also mit Bild, oder mit alternativem Cover raus, so wie die Filmmusik zu Bohemian Rhapsody von Queen. Zurückgelegt wird nichts: „Es ist der Sinn des Record Store Day, dass Kunden in die Läden kommen.“

Vinyl, CDs und DVDs

„Von Abba bis Zappa“, beschreibt Voigt das 40.000 Schallplatten umfassende Sortiment seines Ladens. Vor seiner Selbstständigkeit arbeitete er bis 2001 bei Radio Freytag, an gleicher Stelle in der Jägerpassage. „Und dann haben wir das übernommen“, sagt Voigt und meint damit sich und seine Frau Andrea. Die ersten Jahre verkauften sie noch gar keine Schallplatten. Heute gibt es neben Vinyl und CDs auch DVDs zu kaufen. „Vor zehn oder elf Jahren hat mich eine Dame angerufen, dass sie eine neue Schrankwand bekommt und ihre 1.000 Schallplatten loswerden möchte“, blickt Richard Voigt zurück.

Schallplatten aus zweiter Hand sind gefragt

Mit diesen 1.000 Platten hat dann alles angefangen. „Das war am Anfang nur Second Hand, in den letzten Jahren hat sich die Neupressung von Schallplatten erhöht, weil die Industrie jetzt verstärkt wieder Platten herstellt“, sagt er. Die CD mache aktuell dennoch den größten Anteil beim Verkauf aus. „Das, was bei den CDs rückläufig ist, holen wir mit Schallplatten wieder raus“, beschreibt Richard Voigt die Entwicklung. Vor allem Schallplatten aus zweiter Hand seien gefragt, „der Anteil an gebrauchten ist natürlich auch höher“, gibt er zu. „Es gibt aber auch Kunden, die sagen, sie wollen nicht die Neuware, sondern das Original von 1962 und zahlen dafür auch mehr.“

Der Klang ist wärmer

Warum greifen in Zeiten von Streaming immer noch so viele Menschen zum „schwarzen Gold“? „Es heißt ja, der Klang ist wärmer“, überlegt Voigt. Er kann sich auch vorstellen, dass das Artwork der Hülle etwas ausmacht. Eines ist für ihn klar: „Man hört eine Platte gezielter, als wenn man einfach nur durchzappt.“ Andrea Voigt attestiert den Kunden, die nach Schallplatten stöbern, sogar „eine ganz andere Mentalität. Die sind anders, entspannter.“

Plattenkunden jeden Alters

Das Alter der Plattenkunden sei „querbeet, von 14 bis nach oben keine Grenze“, sagt Richard Voigt. „Aber überraschend ist es schon, dass die junge Generation, die mp3-Generation, jetzt auf die Schallplatten einsteigt.“ Die kaufen neben Platten von AnnenMayKantereit, Greenday und Linkin Park: „Das, was wir früher auch gehört haben. Egal, ob das die Doors, Pink Floyd oder die Stones sind.“ Für Voigt, der bereits 1973 in der Plattenabteilung gearbeitet hat, ist das wie ein Déjà-vu: „Man kennt die ganzen Platten von früher noch.“

Besondere Stücke bleiben daheim im Regal

Zuhause hat Richard Voigt übrigens nicht so viele Platten. „Das hier ist mein Wohnzimmer“, sagt er, weist mit einem Kopfnicken auf seinen Laden, und lacht. Doch manche Stücke sind dann doch nicht für den Verkauf gedacht: „Die eine oder andere Beatles-Platte als Picture Disc – das ist etwas, das man dann einfach im Regal stehen lässt.“