Pforzheim
STREIT UM I-DIPFELE: Das Gebäude sollte eigentlich im März abgerissen werden. Doch der Mieter "Dean & David" will nicht ausziehen. Wackelt in Pforzheim jetzt der Zeitplan für die Innenstadt-Ost? | Foto: str

Streit um Marktplatz-Gastronomie

City-Ost Pforzheim: Bei Vorarbeiten droht Verzögerung, Mieter will nicht ausziehen

Anzeige

Die City-Ost in der Innenstadt von Pforzheim ist notariell besiegelt, doch schon bei den ersten Arbeiten droht eine empfindliche Verzögerung: Das „I-Dipfele“ am Marktplatz kann wohl nicht so schnell abgerissen werden, wie die Stadtverwaltung das vorgesehen hat. Der Grund: Eigentümer und Mieter des Gebäudes sträuben sich. Dabei ist die Rechtslage aus Sicht der Stadt eindeutig.

Nach geltender Vertragslage muss das vor rund 28 Jahren durch die Scheidtweiler-Gruppe errichtete Gebäude bis Ende März abgerissen sein. Schon vorher, am 18. März, sollen unmittelbar daneben in der Fußgängerzone die Leitungsarbeiten für das Bauprojekt Innenstadt-Ost beginnen.

Wolfgang Scheidtweiler ist verärgert

Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler hat im Kurier-Gespräch Mühe, seine Verärgerung darüber zu verbergen: „Mir konnte noch keiner erklären, warum man das Gebäude nicht noch länger stehen lassen kann. Unter dem I-Dipfele liegen gar keine Leitungen.“ Und die eigentliche Innenstadt-Ost-Bebauung stehe in diesem Bereich ohnehin erst in einigen Jahren an.

und Investor Wolfgang Scheidtweiler will die St.-Maur-Halle in ein "Gesamtkunstwerk" einbinden.
ZU GUTMÜTIG? Brauerei-Unternehmer und Investor Wolfgang Scheidtweiler | Foto: BNN-Archiv

Neben der architektonischen Lücke, die ein Abbruch aus Scheidtweilers Sicht reißen würde, sind es auch handfeste Geschäftsinteressen, die ihn umtreiben. Der Abriss würde sein Unternehmen „eine sechsstellige Summe kosten“, schätzt der Brauhaus-Chef. Denn Scheidtweilers Mieter, die Münchner Gastro-Kette Dean & David, pocht auf ihren Mietvertrag, will eine außerordentliche Kündigung zum 28. Februar nicht akzeptieren.

Ich war in diesem Fall wohl zu gutmütig.

Vermieter Wolfgang Scheidtweiler ärgert sich: „Ich war in diesem Fall wohl zu gutmütig.“ Er habe der Stadt eine gute Entwicklung des Areals nicht verwehren wollen. Der Abriss des Gebäudes zum jetzigen Zeitpunkt sei aber für die Innenstadt-Ost völlig unnötig. Ausgerechnet der erfahrene Immobilien-Entwickler sitzt nun in der Zwickmühle zwischen den Ansprüchen der Stadt und seines Mieters.

Dean & David bleibt trotz Kündigung geöffnet

Letzterer will das I-Dipfele bis auf Weiteres normal öffnen. Inzwischen mehren sich zwar die Anzeichen, dass Dean & David tatsächlich in die ehemalige Metzgerei Dietz auf der anderen Seite der Fußgängerzone umziehen wird. (Der Kurier berichtete.) Allerdings dürfte das noch Monate dauern. Neben aufwendigen Umbaumaßnahmen, die den biederen Wurstverkauf in eine Trend-Gastronomie verwandeln sollen, müssen Verwaltungsschritte wie eine Nutzungsänderung erfolgen. Ketten-Gründer David Baumgartner sagte dem Kurier: „Die Verhandlungen laufen, aber entschieden ist noch nichts. Auch mit Herrn Scheidtweiler sind wird noch nicht einig.“ Bevor aber das Ausweichquartier bezugsfähig ist, will Baumgartner das Lokal jedenfalls nicht räumen.

Stadt Pforzheim verweist auf Oechslefest

Bei der Stadt hieß es bislang, der Zeitplan könne höchstens minimal verschoben werden, da in dem Bereich viele Kabel- und Kanalarbeiten anstünden und man ebenfalls vertragliche Verpflichtungen eingegangen sei. „Da greift ein Rädchen ins andere“, so ein Sprecher. Auch Oechsle-Fest und Weihnachtsmarkt müssten berücksichtigt werden.

Insider: Einvernehmliche Lösung angestrebt

Auch wenn die Situation verfahren scheint, streben die Beteiligten immer noch eine einvernehmliche Lösung an. Schließlich sind alle Kontrahenten ansonsten gute Partner. So gehört Dean & David zur Enchilada-Gruppe („Aposto“, Lehner’s“), die mit Scheidtweiler partnerschaftlich verbunden ist. Der Pforzheimer Vorzeigeunternehmer (Parkhotel, Gasometer) wiederum gilt zwar als entschiedener Geschäftsmann, anderseits auch als kreativer Förderer der Stadtentwicklung. Ein Insider zum Kurier: „Die Stadt hat hier sicher kein Interesse an einer Eskalation.“