Voll belegt ist die Tierpension "Bastet" von Isabell (links) und Gabriele Jessel in Brötzingen in den Ferien normalerweise. Für die Osterferien haben die Kunden die Betreuung ihrer Katzen aber storniert. Foto: PK

Abstandsregeln bei Tierärzten

Coronavirus macht Tiersitter und -pensionen überflüssig: Betreiber haben Existenzängste

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Wer nicht verreist, muss sich auch keine Gedanken darüber machen, wer sich um seine Haustiere kümmert. Tiersitter und Tierpensionen haben durch die Auswirkungen des Coronavirus mit Absagen ihrer Kunden zu kämpfen – vor allem in den Oster- und Pfingstferien.

„Wir haben zu“, sagt Gabriele Jessel von der Katzenpension „Bastet“ in Brötzingen. Jeder ihrer Kunden habe abgesagt – und das in den Osterferien. Ob es in den Pfingstferien anders aussieht? Jessel ist skeptisch: „Ich glaube nicht, dass sich die Situation bis dahin grundlegend ändert.“

20 Katzen nehmen Gabriele Jessel und ihre Tochter Isabell in Hauptzeiten bei sich auf. „Das bricht nun alles weg“, bedauert Gabriele Jessel. Und das sei auf kurze Sicht existenzgefährdend: „Das können wir drei Monate durchhalten, aber dann ist es vorbei.“ Die Tierpension versucht nun, staatliche Fördergelder zu beantragen. Katzensitting bei den Kunden zu Hause gebe es in Einzelfällen zwar schon noch, aber das reiche lange nicht, um über die Runden zu kommen.

Das können wir drei Monate durchhalten, aber dann ist es vorbei

Gabriele Jessel, Tierpension „Bastet“

Mit einem Ausfall von 1.000 Euro pro Monat rechnet die Tierpension Scholz in Neuenbürg. Februar und März seien schon ruhig gewesen, aber nach der Reisewarnung seien für die Osterferien Stornierungen eingegangen. In den Ferien haben Stefanie Franzel-Scholz und Thomas Franzel bisher zwölf Katzen sowie sechs bis acht Kaninchen und Meerschweinchen in getrennten Räumen in ihrer Pension betreut. „In den Pfingstferien waren wir sonst zu hundert Prozent voll, aber momentan ist nichts los“, sagt Thomas Franzel.

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Neuenbürger Tierpension zieht wohl aus dem Enzkreis weg

Wie es im Sommer aussieht, sei ungewiss, weil das Paar wohl aus dem Enzkreis wegzieht. Mit dem Alpakagarten in Langfurth im Landkreis Ansbach will sich die Familie einen lang gehegten Traum erfüllen, teilt die Familie auf ihrer Internetseite mit.

Auch das Tierheim Pforzheim nimmt Hunde, Katzen und Kleintiere in Pflege – allerdings ist das Tierheim seit vergangenen Samstag auf nicht absehbare Zeit für die Öffentlichkeit geschlossen. Telefonisch und per E-Mail sind die Mitarbeiter des Tierheims aber weiterhin zu den gewohnten Öffnungszeiten erreichbar.

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Tierarztpraxen haben sich auf das Kontaktverbot eingestellt

Tierarztpraxen haben sich ebenfalls auf das vom Land verhängte Kontaktverbot eingestellt. In der Pforzheimer Tierarztpraxis Nowakowski beispielsweise finden Sprechstunden ausschließlich nach telefonischer Terminvereinbarung statt. Nur eine Person darf das Tier begleiten – und das auch nur, wenn man sich gesund fühlt. Sonst muss das weitere Vorgehen zuvor telefonisch vor der Praxis mit dem Personal abgeklärt werden.

Nach Betreten der Praxis muss sich der Tierhalter mit Seife die Hände waschen und sollte so wenig wie möglich berühren. Türklinken und Oberflächen werden vom Praxisteam gereinigt und desinfiziert. Patienten sollten außerdem den obligatorischen Meter Abstand zu Arzt und Mitarbeitern beachten und sich nicht im vollen Wartezimmer aufhalten, sondern ins Freie gehen und anrufen.

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Patienten dürfen sich gar nicht im Wartezimmer aufhalten

Beim Tierarzt Jan Schraishuhn in Mühlacker-Dürrmenz dürfen sich die Patienten derzeit gar nicht im Wartezimmer aufhalten, sondern müssen im Auto auf dem Parkplatz im Hof warten, bis ein Mitarbeiter sie durch einen Ruf durchs Fenster auffordert, in die Praxis zu kommen.