Eine Person sei in der Nacht zum Donnerstag in die Klinik gekommen mit den für das Virus typischen Symptomen Fieber, Husten und Atemnot. | Foto: Wacker

Patienten haben die Grippe

Drei Coronavirus-Verdachtsfälle in Pforzheim haben sich nicht bestätigt

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Aufatmen in Pforzheim: Nachdem Helios Klinikum und Siloah St. Trudpert am Donnerstagnachmittag drei Verdachtsfälle von Coronavirusinfektionen gemeldet hatten,  kommt am späten Nachmittag die Entwarnung. Negativ: Keiner der drei Patienten hat die gefährliche Lungenerkrankung.

Da ein Patient des Helios aber kürzlich in China war und zwei Patienten des Siloah Kontakt mit Personen aus der chinesischen Stadt Wuhan hatten, wo das Virus vor kurzem ausgebrochen ist, waren die Mediziner alarmiert. Sie wollten auf Nummer Sicher gehen. „Unsere behandelnden Ärzte gehen davon aus, dass  sich der Verdacht nicht bestätigt“, hatte eine Sprecherin am Helios bereits früher am Nachmittag erklärt.

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Ähnlich sah die Lage im Siloah St. Trudpert Klinikum aus. Dort gibt es aktuell zwei Patienten,  eine Frau und ein Mann, die am Mittwoch vom Hausarzt überwiesen worden waren. Die beiden hätten im Ausland Kontakt zu Menschen aus dem chinesischen Wuhan gehabt, erklärte eine Kliniksprecherin.

Diese Information war offenbar ausschlaggebend dafür, dass der behandelnde Arzt sie ins Krankenhaus schickte. „Beide haben Influenza“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage dieser Redaktion. Ein Patient habe sich die Influenza B, der andere A und B eingefangen. Die Symptome Fieber und Schwäche seien jenen des Coronavirus ähnlich.

Gesundheitsamt: Bei keinem Patienten ist „Falldefinition“ erfüllt

Das hiesige Gesundheitsamt bestätigte die drei Fälle und erklärte bereits am frühen Nachmittag:  Bei keinem der Patienten sei die Falldefinition „Verdachtsfall neuartiges Coronavirus“ des Robert-Koch-Instituts erfüllt. Jedoch werde bei allen zur Sicherheit ein Test durchgeführt, um eine Infektion auszuschließen. Dies ist nun offenbar geschehen. Wenngleich das Helios darauf verweist, dass man zur Sicherheit bei dem betroffenen Patienten am Freitag einen weiteren Test durchführen werde.

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Patient kommt mit Atemwegserkrankung in die Notaufnahme

Im Helios war eine Person in der Nacht zum Donnerstag in die Notaufnahme  gekommen mit den für das Virus typischen Symptomen Fieber, Husten und Atemnot.  Man habe sofort alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und  das Gesundheitsamt informiert.

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Die Menschen sind beunruhigt

Ob das Virus nun in der Region angekommen ist, oder nicht: Die Menschen sind beunruhigt. Beim Siloah meldeten sich im Lauf des Donnerstags etliche besorgte Anrufer, um sich über Symptome oder Verlauf der Erkrankung zu informieren.

Das Gesundheitsamt  teilt mit, dass derzeit ein sehr viel höheres Risiko bestehe, sich mit dem Grippevirus angesteckt zu haben, das ähnliche Symptome aufweise. Wer Fragen hat, möge sich beim Gesundheitsamt melden unter  Telefon 07231 308-9732 oder per E-Mail an gesundheitsamt@enzkreis.de

Welche Symptome haben Infizierte?

Gewöhnliche Coronaviren sind im Regelfall harmlos. Sie verursachen meistens lediglich milde Erkältungszeichen mit Husten und Schnupfen. Doch das neuartige Coronavirus 2019-nCoV gilt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts als besonders gefährlich.

Es ist hochansteckend, verbreitet sich rasch von Mensch zu Mensch, kann schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. Die Symptome sind heftiger, quälender Husten, Schüttelfrost, plötzlich auftretendes hohes Fieber sowie eitriger Schleim. Für Risikopatienten, die bereits zuvor an anderen Krankheiten litten, kann die Infektion mit dem Virus zum Tod führen.

Badische Behörden sind auf Coronavirus vorbereitet

In der Region selber sind die Gesundheitsämter in den Landratsämtern Karlsruhe, Rastatt und Enzkreis als staatliche Behörden für den Infektionsschutz zuständig. In allen Behörden existieren detailliert ausgearbeitete Notfallpläne, wie im Falle einer größeren Ausbreitung des Virus oder gar einer Pandemie umgegangen wird. „Diese Pläne stellen eine klare Grundlage dar, um tätig zu werden“, sagte Knut Bühler, der erste Landesbeamte am Landratsamt Karlsruhe und Chef des Dezernats Recht & Ordnung.

Im Falle des Coronavirus gelten zudem die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, so Ulrich Wagner, der für den Infektionsschutz zuständige stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe. Es müsse eindeutig feststehen, dass der Infizierte aus Wuhan komme, zudem müsse eine „ausgeprägte Symptomatik“ vorliegen, die auf eine Lungenentzündung hinweisen.

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Ein Patient aus Shanghai oder Peking würde im Moment nicht als Verdachtsfall eingestuft, wenn er nicht direkten Kontakt zu einem am Coronavirus Erkrankten hatte.

Um zu klären, ob der Betroffene tatsächlich vom Virus infiziert wurde, werde eine Probe an die Berliner Charité zur Diagnostik eingeschickt und der Patient im Regelfall in ein Krankenhaus eingeliefert, wo entsprechende Sicherheitsbestimmungen wie das Tragen von Schutzkleidung und das Einhalten von Schutzmaßnahmen zu beachten sind.

Klinikum Karlsruhe hat Infektionsstation mit 20 Betten

Im Städtischen Klinikum Karlsruhe als Haus der Maximalversorgung  gibt es eine eigene Infektionsstation mit 20 Betten, beispielsweise für Patienten mit Influenza oder Tuberkulose. Sollte diese nicht reichen, könne eine weitere Station geöffnet werden, ohne dass der Krankenhaus-Betrieb gefährdet sei, sagt Eberhard Kniehl, Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene.

Gleichzeitig ist es Aufgabe des Gesundheitsamtes zu klären, mit wem der Infizierte in der knapp zweiwöchigen Inkubationszeit Kontakt hatte, um eine weitere Ausbreitung der Lungenkrankheit zu verhindern. Notfalls erhalten Kontaktpersonen die Auflage, die Öffentlichkeit zu meiden.

„Das ist unser tägliches Geschäft“, sagt Ulrich Wagner, derartige Maßnahmen seien auch bei anderen hochansteckenden Krankheiten üblich. Nach dem Infektionsschutzgesetz hat das Gesundheitsamt dabei sehr weitreichende Befugnisse und kann sogar Eingriffe in die Grundrechte anordnen.

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Keine Zustände wie in China zu befürchten

Zustände wie in China, wo die staatlichen Behörden von einem Tag auf den anderen die komplette Abriegelung einer Millionenstadt anordnen und die Menschen hermetisch von der Außenwelt abriegeln, wird es in Deutschland nicht geben. „Das ist schon von der Verhältnismäßigkeit unmöglich“, sagt Ulrich Wagner, „da müssten wir von einem ganz anderen Gefährdungspotenzial für die Menschen reden“.

Es sei offensichtlich, so Peter Friebel, der Leiter des Karlsruher Gesundheitsamtes, dass in China die ersten Verdachtsfälle „zunächst unter den Teppich gekehrt wurden, bevor man offen eingestehen musste, dass es die Infektion gibt“. Nun würden die chinesischen Behörden der Ausbreitung hinterherrennen. „Wir sehen bei uns die Chance, die Kreise um die Betroffenen möglichst schnell möglichst eng zu ziehen, und damit einer raschen Ausbreitung entgegenwirken zu können.“

Fieberhaft wird außerdem weltweit an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Wissenschaftler hoffen, dass bis zum Sommer ein Impfstoff zur Verfügung steht.