Nach einer bewegten Geschichte freuten sich der Leitende Baudirektor Jürgen Genthner (von links), Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon, Genthners Stellvertreter Ulrich Asal (Sechster von links) und der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz (Siebter von links) mit zahlreichen Darmsbachern über den Fortbestand der „Röhre“. Foto: Zachmann

RP übergibt Provisorium

Darmsbacher „Röhre“ bleibt offen

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Von Julian Zachmann

Nichts hält länger als ein Provisorium. Und tatsächlich:  Nun übergaben der Leitende Baudirektor Jürgen Genthner vom Baureferat Mitte des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP) und sein Stellvertreter Jürgen Asal die Darmsbacher „Röhre“ als eine auch in der Zukunft feste Fußgänger- und Radfahrerverbindung unter der A8 zwischen den Ortsteilen Darmsbach und Nöttingen.

Sanierung würde RP übernehmen

Laut Vertrag geht sie damit in den festen Baubestand des Bundes über, für eine eventuelle Erneuerung würde im Sanierungsfall das RP sorgen und die Gemeinde übernimmt derweil den Unterhalt, die Beleuchtung und den Winterdienst in der 105 Meter langen Unterführung, die die Autobahn an der breitesten Stelle des Dammes quert und aufgrund von Eigentumsverhältnissen leicht schräg gebaut ist.
Neben Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon nahmen vor allem Darmsbacher Bürger das Bauwerk entgegen, schließlich waren sie es, die die Wellblechkonstruktion in gelebter Demokratie erkämpften.

Bürger kämpften um die „Röhre“

Alles begann im Sommer 2012: Der A-8-Ausbau war angelaufen und die bisherige auch mit Kraftfahrzeugen befahrbare Unterführung musste weichen – stattdessen sollte der Verkehr später über den mittlerweile fertiggestellten ersten Abschnitt der Ortsteilverbindungsstraße unterhalb Darmsbachs ins Nöttinger Gewerbegebiet rollen. Doch die Bürger hatten den kurzen und sichereren Weg entlang der Wohnbebauung liebgewonnen, hielten zusammen und gingen mit einer groß angelegten Protestaktion und vielen bunten Plakaten auf die Barrikaden. „Schließlich haben es die Bürger durchgesetzt, dass der Röhrenbau für knapp über eine Million Euro kommt“, erinnerte sich Genthner an die Nacht- und Nebelaktion. Die Zeit eilte und Asal habe eigens den Urlaub in der Schweiz abgebrochen, um die Pläne vorzubereiten und die darüberliegende Autobahn-Baustelle nicht unnötig zum Stocken zu bringen.

Zuschütten hätte das Zehnfache gekostet

Und auch als nun das Ende des Provisoriums drohte, waren es wiederum die Bürger, die dafür kämpften, wie Prayon dankbar feststellte. Der Remchinger Gemeinderat war sich stets mehrheitlich einig, die Röhre offen halten zu wollen – empfand den geforderten Ablösebetrag von zuletzt 30 000 Euro allerdings zu hoch gegriffen, da dem Bund eine Zuschüttung und Wiederverfüllung schätzungsweise das Zehnfache gekostet hätte.

„Röhre“ verbindet Radwegachse

Nach einigen Verhandlungen erklärte sich die Gemeinde nun bereit, eine Ablösesumme von 15 000 Euro zu zahlen. Mit derselben Summe beteiligt sich auch das Landratsamt Enzkreis, da die „Röhre“ Teil der „Schönes-Remchingen-Route“ ist und damit eine essentielle Radwegachse verbindet, wie der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz verdeutlichte. „Alles andere wäre ein Unding gewesen, schließlich wird die Röhre viel genutzt, gerade von Kindern, die zur Jungschar oder auf den Bolzplatz nach Nöttingen gehen, von Radfahrern oder von Nöttingern, die zur Pizzeria kommen“, stellten Mariella Seemann und Karl-Heinz Plangl fest, die zu den hartnäckigen „Röhren“-Vertretern gehörten und zur Freude mit vielen auch schon das erste „Röhrenfest“ mitten unter der nachts beleuchteten Wellblechkonstruktion feierten.