Nichts für schwache Nerven: Mit seiner neuen Show „Asylum – Das Irrenhaus“ kommt der „Zirkus des Horrors“ Ende Oktober erstmals auch nach Pforzheim. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. | Foto: pr

Zirkusshow im Horror-Gewand

Darum gruseln wir uns so gerne

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Beim Spiel mit der Angst gibt es keine Regeln, dafür aber jede Menge Gewinner: Hollywood, Schausteller, Freizeitparks und – auch ein Zirkus. Sie alle setzen auf den Gruselfaktor. Mit großem Erfolg.

Ende Oktober kommt der „Zirkus des Horrors“ erstmals auch nach Pforzheim. Davor schlägt er seine Zelte unter anderem in Mannheim und Freiburg auf. Mit im Gepäck: eine neue Show im Horror-Gewand. Im Mittelpunkt stehen dabei keine bunten, fröhlichen Artisten, sondern Nervenkitzel und schräger Humor. Das Konzept wurde 2013 an vier verschiedenen Orten getestet. „Und es ging voll auf“, sagt Zirkussprecher Kevin Leppien. Daher hat die „Grusel“-Crew, die anfangs mit dem Zelt des Karlsruher Weihnachtscircus durchs Land getingelt ist, seit 2018 ein eigenes Lager. „Das ist im Durchmesser zwar vier Meter kleiner“, berichtet Leppien, „dafür lässt es sich aber auch leichter aufbauen“.

Stuttgarter Experte erklärt das Phänomen

Doch woher kommt die Lust vieler Menschen auf Horror und Grusel? „Das geht bis ins Tierreich zurück und hat etwas mit dem Spieltrieb zu tun“, erklärt Jörn Precht, Professor für Drehbuch und Storytelling an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Demnach wollten viele Menschen Extremsituationen des Lebens in einem sicheren Umfeld nachspielen. Dazu gehören laut Precht Trauer und Lachen aber eben auch Urängste wie die Todesangst. „Das führt bei vielen zu einem Lustgewinn.“ Einen ähnlichen Effekt habe auch das Bungee-Jumping. „Man sieht seiner Urangst sozusagen ins Gesicht.“ So gesehen sei ein Horrorfilm also ein emotionales Bungee-Jumping im Kino, meint der Filmexperte. Studien hätten zudem belegt, dass der Körper dabei ähnlich wie in der Realität reagiere. „Er stößt Adrenalin aus“, sagt Precht. „Es kommt zu einer emotionalen Achterbahnfahrt – ein Spiel mit den Hormonen.“ Die Toleranzgrenze bei Horror sei aber unterschiedlich: „Es gibt auch Menschen, die sich von der Fiktion nicht abgrenzen können. Die können dem Ganzen nichts abgewinnen.“

Schwindelfrei: Maik und Siegfried Sperlich kennen viele Besucher bereits vom Karlsruher Weihnachtscircus. | Foto: pr

Das merkt auch der „Zirkus des Horrors“. „Es gibt Städte, wo die Show nicht ganz so gut ankommt“, gibt Leppien zu. Warum? „Das hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab“, meint er. „Es fängt beim Wetter an und hört bei der Mentalität der Menschen auf.“ Das ländlich geprägte Gebiete generell weniger gruselfreudig seien, könne er aber nicht bestätigen. In Hamm (Nordrhein-Westfalen) habe man zum Beispiel große Erfolge feiern können. „Da waren wir Stadtgespräch Nummer eins.“

Das Gastspiel in Pforzheim ist vom 25. Oktober bis zum 10. November geplant | Foto: pr

Zwischen 30 und 40 Minuten dauert die Verwandlung der Artisten. Maik und Siegfried Sperlich, die das „Todesrad“ bezwingen, dürften viele Besucher bereits vom Karlsruher Weihnachtscircus kennen. Auch Handstandakrobat Rene Sperlich ist bei der Horror-Show „Asylum“ am Start. Die Zielgruppe sei hingegen eine völlig andere als beim Weihnachtscircus, wie Leppien betont. Statt Familien wolle man vor allem Besucher zwischen 16 und 45 Jahren ansprechen. Übrigens: Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Der Zirkus empfiehlt Besuchern unter 14 Jahren jedoch, eine erwachsene Begleitung mitzunehmen.

Der „Zirkus des Horrors“ schlägt seine Zelte vom 8. bis 24. März in Mannheim auf. Vom 12. bis 28. April sind die Akteure in Freiburg zu sehen. Das Gastspiel in Pforzheim ist vom 25. Oktober bis zum 10. November geplant.