Zwei Bewerber, ein Ziel: Amtsinhaber Volker Winkel (rechts) und Herausforderer Thomas Zeilmeier stellten sich in der Ispringer Sport- und Festhalle den Besuchern vor. | Foto: Ehmann

Bürgermeisterwahl in Ispringen

Der Ungeduldige trifft auf den Schaffer

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500 Besucher kamen in die Ispringer Sport- und Festhalle, wo sich die beiden Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 5. Februar vorgestellt haben.

Der Amtsinhaber

Bürgermeister Volker Winkel ging gleich zu Beginn seiner 20-minütigen Vorstellungsrede auf das „öffentliche Armdrücken“ mit einigen Gemeinderäten ein, die wie berichtet kurz vor Weihnachten die Amtsführung des 59-Jährigen und mangelnde Visionen kritisiert haben. Winkel wies auf die Verwaltungs- und Pflichtaufgaben hin, die viel Zeit in Anspruch nähmen, und betonte, dass kein Bürger je Unmut über seine Amtsführung geäußert habe.

Der Amtsinhaber: Volker Winkel.
Der Amtsinhaber: Volker Winkel. | Foto: Ehmann

In der Vergangenheit keinen Wechselwillen gespürt

Er habe in den vergangenen acht Jahren keinen Wechselwillen in der Bevölkerung gespürt – Winkel wertet das als hohe Zufriedenheit mit der Entwicklung der Gemeinde: „Die atmosphärische Lage in Ispringen seit dem Beginn meiner Amtszeit hat sich völlig entspannt“, sagte Winkel, der sich in der Fragerunde einige unangenehme Fragen gefallen lassen musste. Ein Ispringer wollte wissen, was an dem Gerücht dran sei, er sei im zurückliegenden Jahr 40 Tage lang verschwunden gewesen und auch die Rathaus-Mitarbeiter hätten nicht gewusst, wo er ist. „Ich bin erschüttert! Ich rufe sogar im Rathaus an, wenn ich nur im Stau stehe“, antwortete Winkel und forderte den Ispringer auf, direkt bei den Mitarbeitern nachzufragen. Er wolle sich aber mit den Führungskräften zusammensetzen und den Gerüchten auf den Grund gehen, so Winkel.

Ballarin als Stellvertreter geht nicht mehr

Falls er wiedergewählt wird, wolle er mit ausgestreckter Hand auf den Gemeinderat zugehen – mit Respekt und Verständnis, das er sich gegenüber vermisst habe. Falls Gespräche nicht ausreichen, wolle er mit dem Gemeinderat in Klausur gehen. Mit den „Rädelsführern“, die erklärt haben, dass weitere Jahre mit ihm „fatal“ wären, werde das wohl nicht gehen, so Winkel, der noch einen draufsetzte: „Ballarin als Stellvertreter geht definitiv nicht mehr.“ Nach diesen persönlichen Anmerkungen zählte der Bürgermeister Investitionen und Entwicklungen der vergangenen Jahre auf und nannte als Zukunftsmaßnahmen unter anderem die Ertüchtigung des Sanierungsgebiets Mahler und die Einrichtung der Haltestelle Ispringen-West.

Der Herausforderer

Wenn es nach Thomas Zeilmeier geht, könnte Ispringen viel besser dastehen. Der mit seiner Familie in Australien lebende Bauingenieur fragte das Publikum nach dem Unterschied zwischen einem Känguru und Ispringen. „Kängurus machen kräftige, weite Sprünge – die Gemeinde Ispringen derzeit nicht wirklich.“ Zeilmeier sehe sich nicht als reinen Verwalter, sondern als „Gestalter“ und „Schaffer“, der die Ärmel hochkrempelt und zupacken möchte.

Der Herausforderer: Thomas Zeilmeier
Der Herausforderer: Thomas Zeilmeier | Foto: Ehmann

Eine dritte Kindertagesstätte fehlt

Zum Beispiel beim Thema Kleinkindbetreuung: Denn was in Ispringen fehle, sei eine weitere Kindertagesstätte. „Ich habe keine drei Jahre gebraucht, um das zu erkennen. Mir genügten drei Wochen“, sagte der 44-Jährige, der mit „zukunftsfähigen pädagogischen Konzepten“ den Schulstandort sichern möchte. Der Herausforderer zeichnete das Bild eines seniorenfreundlichen Ispringens. „Die Idee eines Mehrgenerationenhauses gefällt mir“, sagte er. Denkbar sei eine Kombination von Kita und betreutem Wohnen – etwa in der Eisenbahnstraße. Die Jugend wolle er mehr ins Boot holen, mit den Gewerbevertretern strebe er einen engeren Kontakt an, eine offenere, transparentere Verwaltung möchte er aufbauen.

Seitenhieb auf Winkel

Weil die Parksituation im Gewerbegebiet und an den Schulen seiner Ansicht nach chaotisch ist, spricht sich Zeilmeier für ein Parkdeck oder ein Parkhaus aus. Auch zu einem weiteren Streitthema hat der frühere Bauamtsleiter eine andere Meinung als der Amtsinhaber: Die S-Bahnhaltestelle „West“ in der Dammstraße werde am völlig falschen Ort geplant. „Ich plädiere für eine Haltestelle gegenüber Edeka.“ Das spare viel Geld und Ärger, so Zeilmeier. Beim Thema interkommunales Gewerbegebiet konnte sich der Herausforderer einen Seitenhieb auf Winkel nicht verkneifen.

Muss Schultes nach der Pfeife des Landrats tanzen?

„Erste Ansätze waren da, aber bei den ersten Schwierigkeiten wurde die Flinte ins Korn geworfen – wie so oft.“ Er vermisse Durchsetzungsvermögen seitens der Verwaltungsspitze. „Muss der Ispringer Schultes nach der Pfeife des Landrats tanzen? Ich meine nein“, so Zeilmeier.

Die Zuschauer

Zwei Stunden lang stellten Zuschauer – unter ihnen befanden sich auch einige Bürgermeister aus dem Enzkreis und ein Fernsehteam des ZDF – Fragen. Sie drehten sich etwa um die Zukunft des Ortskerns und die Einführung eines Jugendgemeinderats – Winkel: „Bin kein Freund davon“, Zeilmeier: „Warum nicht?“

Frage nach Umzug bei Wiederwahl

Der Amtsinhaber wurde gefragt, ob er im Falle eines Wahlsiegs von Ettlingen nach Ispringen zieht oder weiter wie im Römischen Reich aus der Ferne regieren möchte. „Vor acht Jahren kam’s nicht in Frage, und was wäre anders gelaufen? Es gibt keine Residenzpflicht“, antwortete Winkel. „Dann kann ich ja in Brisbane wohnen bleiben“, kommentierte Thomas Zeilmeier – ein Raunen ging durchs Publikum. Er findet es wichtig, im Ort zu wohnen, um so für den Kreistag kandidieren zu können.

Bloß keine Blöße

Pfarrer Rainer Trieschmann wollte von beiden Bewerbern wissen, was sie als ihre Schwäche sehen. „Süßigkeiten“, sagte Zeilmann. Winkel hält seine Ungeduld für sein größtes Manko. Beide waren sichtlich bemüht, sich keine Blöße zu geben. Bei der Frage, wie die Hauptstraße belebt werden soll, machte Zeilmeier einige Vorschläge: Er wolle kleine Nahversorger anlocken, Park- und Wohnraum schaffen. Und über die Hauptstraße hinaus gedacht, könne er sich eine Einrichtung für betreutes Wohnen vorstellen.