VOM PREISGEKRÖNTEN IL TRONCO (oben rechts) über die Alfons-Kern-Schule (unten rechts) begleitete der Gestaltungsbeirat neues Bauen in Pforzheim. Archivfoto: PK | Foto: PK

Bauen wieder Verwaltungssache

Deutliche Kritik an der Abschaffung des Pforzheimer Gestaltungsbeirats

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Die nächste Sitzung des  Pforzheimer Gestaltungsbeirat ist abgesagt. Dies ist nur eine der Reaktionen auf die Entscheidung im Gemeinderat, das Gremium abzuschaffen und im September eine neue Konzeption aufzulegen. 

„Jetzt kann wieder jeder dahergelaufene Investor irgendeinen architektonischen Mist in dieser Stadt bauen, wenn er genug Lobbyarbeit im Gemeinderat dafür macht.“ Stadtrat Christof Weisenbacher, der bei der Bäderentscheidung wegen Befangenheit kein Rederecht hatte, kommentiert deutlich zum mit gleicher Abstimmung abgeschafften Gestaltungsbeirat (GBR). Die Stadtverwaltung reagiert mit Taten auf die Verquickung von Bäderkonzeption und Stadtplanung: Die angekündigte Sitzung am 7. Februar ist abgesagt.

Bauen ist jetzt wieder ein reines Verwaltungsthema

Damit, so macht Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler deutlich, werden die Projekte wieder in der Verwaltung abhandelt. Dass es so schneller geht, zum Beispiel für das große Wohnbauprojekt zwischen Linden- und Parkstraße, das zum zweiten Mal zur Beratung angekündigt war, glaubt der Vorsitzende der Architektenkammer Pforzheim, Hans Göz, nicht.

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Das werde auch bei der Ablehnung von Wettbewerben angeführt. Eine Planung müsse aber weiterhin erst überzeugen, bevor Planungsrecht geschaffen wird. Nur fehle jetzt die Expertenrunde, die die Stadt bei Prüfung und Einordnung unterstützt. Zeitlich bringe das nicht unbedingt Vorteile.

„Wo sollen denn die Investoren hingehen“, meint Göz zur Behauptung, diese würden Pforzheim wegen des GBR meiden. „Da in fast allen Städten Baden-Württembergs Gestaltungsbeiräte sind, gelten auch überall die gleichen Bedingungen“, sagt SPD-Obmann Ralf Fuhrmann, der die Entscheidung gegen seine Partei nicht mittrug. „Ich kenne keine Investoren, die deswegen abgesprungen sind oder gar nicht erst investierten“, sagt Schüssler.

Eine Nachfrage bei Hans-Ulrich Rülke, der die Abschaffung des GBR maßgeblich betrieben hat, ergibt: „Jedenfalls uns haben potenzielle Investoren für ein Kombibad auf dem Wartberg gesagt, dass sie nicht investieren, wenn sie es mit dem Gestaltungsbeirat zu tun bekommen.“ Im Übrigen gebe es eine „hohe Dunkelziffer“.

Es ist eine Schande, dass der Gestaltungsbeirat ohne Diskussion abgeschafft wurde

Christof Weisenbacher

„Immerhin ist der Antrag vom Tisch“, rechtfertigt Marianne Engeser die für Schüssler „nicht nachvollziehbare“ Verknüpfung von Bäderplan und GBR. Sie hatte sich noch vor fünf Wochen wie auch Fuhrmann für den Erhalt des Gremiums ausgesprochen und hält auch jetzt an der Sitzung am 7. Februar fest. Sie sei aber froh, dass es nun überhaupt eine Bäderstrategie gibt und der Wartberg sei für die CDU eine wichtige Option. Ihr Parteifreund, Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum, will sich für Zuschüsse einsetzen.

Zurückgetreten ist niemand, aber die Mitglieder sind extrem irritiert, sagt Schüssler zum GBR selbst. Die Landesarchitektenkammer hat noch am Dienstag den Verlust des Gremiums beklagt. Dadurch werde Gestaltung und Nachhaltigkeit der Rendite untergeordnet. Weisenbacher findet es „eine Schande, dass diese Entscheidung ohne inhaltliche Diskussion beschlossen wurde.