DAS INTERESSE WAR GROSS an der Entscheidung zum Thema Ornamenta 2024. Wie bereits in dem Ausschussberatungen waren die Ränge mehr als voll besetzt. Der Gemeinderat nutzte diese Gelegenheit, nicht nur Argumente auszutauschen, sondern auch humorvollen Umgang zu demonstrieren. | Foto: str

Pforzheim will Marke werden

Deutliche Mehrheit für Ornamenta 2024 im Pforzheimer Gemeinderat

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Jubel im Pforzheimer Ratssaal. Nach drei Geschäftsordnungsanträgen, wortreichen Begründungen sowie einer namentlichen Abstimmung steht fest: Der Wunsch nach einer neuen Ornamenta in der Stadt hat sich durchgesetzt. Der Gemeinderat befürwortete mit 23 Stimmen von CDU, SPD, Grüne Liste, Bündnis 90/Die Grünen, Junge Liste und WiP/Die Linke eine Neuauflage der Schau von 1989 mit deutlich anderem Konzept.

Damit ist der Weg frei für die Gründung einer Ornamenta-Gesellschaft im kommenden Jahr und die Suche nach einer kuratorischen Begleitung.

Man braucht was in der Hose, um etwas durchzusetzen

Uwe Hück

Die Debatte dazu entbehrte nicht an Witz. Jeder Redner und jede Rednerin unterstrich, dass das Projekt grundsätzlich gut zu heißen sei. Dann aber trennte sich die Einigkeit im „intergalaktischen Gemeinderat“, wie Uwe Hück dem Gremium huldigte, dann versprach: „Nächstes Jahr machen wir Wartberg und Emma“ und dann den Gegnern zurief: „Man braucht was in der Hose, um etwas durchzusetzen“.

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FDP will konstruktiv begleiten und enthält sich

Dass dies alles nicht so ganz einfach ist in der Großfraktion, sprach Hans-Ulrich Rülke an. Für die FDP, die sich gleich Jacqueline Roos (SPD) der Stimme enthielt, eröffne das Projekt die Chance auf Markenbildung und Positionierung der Stadt. Sie sei bereit, konstruktiv mitzugehen. Die Mehrheit der Fraktion sei indes überzeugt, dass es besser sei, die Mittel in die Bäder zu investieren.

Gegner bemängeln Konzept

Dies machten die zwölf Ornamenta-Gegner bei Freien Wähler, UB und Liste Eltern anschließend auch mit Verweis auf Konzeptmängel deutlich. Die Ausgaben seien den Bürgern nicht zu vermitteln, hieß es mit ähnlicher Argumentation bei der AfD. Einzelstadtrat Reinhard Klein nutzte sein Rederecht mit gleicher Intention, um eine im Kurier bereits dargestellt Stellungnahme vorzulesen.

Pforzheim braucht keine Ornamenta, kann sich ohne aber nicht weiter entwickeln

Andreas Sarow

„Pforzheim braucht keine Ornamenta, kann sich ohne aber nicht weiter entwickeln“, hieß es dagegen bei der CDU. Andreas Sarow nahm Gegenargumente vorneweg, wenn er von einer „bewusst offenen Vision“ sprach, die man nicht aus der Schublade ziehen könne. Er stellte „werthaltige Masterarbeiten der Hochschule“ in Aussicht und platzierte das Thema Ornamenta als Geschäftsidee in der „Höhle der Löwen“: Skepsis sei eine wichtige Tugend, dürfe aber nicht blind machen für eine Chance.

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Auch Axel Baumbusch (Grüne Liste) ging auf die Gegner ein. Beim geplanten Outletcenter werde auch mit Besucherzahlen jongliert, rief er in Richtung Großfraktion, die zu Teilen Berechnungen zur Umwegrentabilität und anderen Effekten durch die Ornamenta in Frage stellten. Es gelte die Teilhabe aller zu ermöglichen. Außerdem handle es sich bei der Ornamenta um Wirtschaftsförderung und Standortsicherung.

„Die Schulsanierung läuft, an den Kitaplätzen sind wir dran“, griff auch OB Peter Boch auf, was an Gegenargumenten vorgebracht wurde. Dagegen stellte er „eine große Chance auf Image- und Markenbildung, Wirtschaftsförderung und ein neues Wir-Gefühl“, bevor 24 Stadträte für die namentliche Abstimmung votierten und anschließend die Mehrheit des Publikums jubelte.