Jetzt ist sie hier: Schauspielerin Susanne Schäfer wird ab Samstag im Großen Haus in Pforzheim die Rolle der Hekabe in Walter Jens’ „Die Frauen von Troja (Der Untergang)“ spielen. | Foto: Wacker

Nun kriegt sie die Königinnen

„Die Frauen von Troja“: Susanne Schäfer gibt die „Hekabe“

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„Ich kenn’ Sie doch vom Fernsehen“, meinte kürzlich eine Pforzheimerin zu Susanne Schäfer. Doch die Zuordnung zu einer bestimmten Serie, einem bestimmten Film fällt schwer angesichts so vieler TV-Produktionen. Eine ihrer ersten Fernsehrollen hatte Schäfer 1990 im Zweiteiler „Marleneken“ von Karin Brandauer. Sie spielte darin Hannelore Hogers Film-Nichte.

„Rollen-Talk“ mit Hannelore Hoger

Neulich traf sie sich mit Hoger in Heidelberg, wo diese für die Serie „Hotel Heidelberg“ dreht. Man saß abends bei einem Glas Wein zusammen. „Was, du spielst Königin Hekabe? Du meinst sicher die Tochter?“ wunderte sich die Grande Dame des deutschen Fernsehens über Schäfers Gastspiel in Pforzheim. Die Hekabe sei doch eigentlich eine Hoger-Rolle und Schäfer viel zu jung dafür … so meinte Schäfer aus dem Gespräch mit der älteren Kollegin herauszuhören.

Ophelia war gestern

Ab Samstag gibt Schäfer im Großen Haus die durch Krieg und Elend zutiefst verzweifelte Hekabe in Walter Jens’ „Die Frauen von Troja (Der Untergang)“. Die Zeiten der jungen Heldinnen sind vorbei. „Von Ophelia brauchst du nicht mehr zu träumen“, kommentierte Regisseur Michael Bogdanov die Metamorphose, die Schäfer von Hamlets Geliebter zu Hamlets Mutter werden ließ: „Du bist jetzt Gertrude.“

„Jetzt kriege ich die Königinnen „, sagt die 54-Jährige. In Hamburg spielte sie in „King’s Speech“  Queen Mum, in Marburg  in einem Stück von Witold Gombrowicz Königin Margarethe. Pforzheim beschert Schäfer nun die dritte Königin. Die Antike habe sie schon immer besonders angezogen, sagt die Schauspielerin zu ihrem Part in Jens’ Nachdichtung des Klassikers von Euripides.

 Einser-Abiturientin will lieber zum Theater

Mit zwölf Jahren sah Schäfer ihre erste Oper und war augenblicklich infiziert mit dem Theatervirus. Ihre Eltern hatten in Frankfurt eine Metzgerei und förderten ihre Leidenschaft. „Ich fuhr mit der Bahn zum Theater und sie holten mich nach der Vorstellung ab. Obwohl sie am nächsten Morgen früh raus mussten.“ In einer Schulaufführung glänzte sie als Antigone in Anouilhs Tragödie. Die Eltern waren hingerissen, die Lehrerin alarmiert, als sie trotz Einser-Abi nicht Ärztin werden wollte, sondern an der Otto-Falckenberg-Schule das Schauspiel-Handwerk erlernte. „Sie sagte, ich solle wenigstens einen Schreibmaschinenkurs machen.“ Das tat Schäfer nicht.

Bei Zadek viel gelernt

Stattdessen debütierte sie an den Kammerspielen und am Residenztheater in München unter der Regie von Peter Zadek. „Bei ihm habe ich unheimlich viel gelernt.“ Viele Bühnen brachten viele Rollen, dazu kamen Fernsehauftritte. Ihre liebste Fernsehrolle? In Heinrich Breloers „Todesspiel“ war sie Gabriele Dillmann, die Stewardess der im deutschen Herbst von Terroristen gekaperten Maschine Landshut. Mit ihr ist Schäfer heute befreundet.

Man braucht einen langen Atem

„Es ist toll, auf der Bühne zu stehen. Wenn man schön spielt, ist das der schönste Beruf der Welt. Aber man braucht einen langen Atem. Man muss die Zeiten durchstehen, wo man nicht so gefragt ist“, sagt Schäfer. Und die gibt es auch für Königinnen: Dann muss sie überlegen, wie viele Drehtage es braucht, um die Miete zu bezahlen. Auch Schäfers Ex-Mann ist Schauspieler. Der 23-jährige Sohn hätte wohl lieber Eltern mit „anständigem Beruf“, wie Schäfer sagt – und mehr Kohle.
„Es wird immer härter“, stellt sie fest. Für Frauen sei der Druck besonders groß und das Urteil der Fernsehredaktionen brutal: Zu fett, zu alt, zu faltig. Auch an vielen Theatern gebe es heute kaum Rollen für ältere Frauen. „Für die mittleren Häuser sind sie zu teuer.“ Die Gesellschaft werde immer älter, aber die Theater bildeten die Gesellschaft nicht mehr ab.

Demnächst in „Soko Stuttgart“

Dass Schäfer nun in Pforzheim ist, empfindet ihr Ensemble als Glücksfall. Wäre aus jenem Pilotfilm auf RTL, wie vorgesehen, eine ganze Polizeiserie geworden, hätte sich Oberspielleiter Hannes Hametner nach einer anderen Hekabe umschauen müssen. Aber jetzt heißt es für Schäfer wieder, „über den eigenen Schatten springen, etwas anbieten und wagen“, für diese schwere Rolle der Hekabe, in einer Sprache, die ganz im Versmaß gehalten ist. „Eine ganz tolle Produktion“. Das Publikum kann Schäfer auch bald wieder im Fernsehen erleben: Am 28. September (18 Uhr, im ZDF) spielt sie in „Eiskalt“, einer Episode der Serie „Soko Stuttgart“ eine Frau, „mal wieder eine Mutter“, die bei einem Mordfall ins Visier der Ermittler gerät .

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