Kein Fußball ist auch keine Lösung: Im Palm Beach wird trotz Corona wieder fleißig Bundesliga geschaut. | Foto: Rubner

Fans im Biergarten

Die Fußball-Bundesliga bringt in Pforzheimer Sportsbar das Geschäft zurück

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Geisterspiele, verstörende Diskussionen – die Bundesliga schien sich in der Corona-Krise entzaubert zu haben. Ein Blick in Pforzheims größte Sportsbar zeigt: Dem ist bei weitem nicht so. Dagegen leiden Wirte, die sich das Sky-Paket nicht leisten konnten.

Spiele wie der Zweitliga-Gipfel zwischen dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV sind der Stoff, für den Sportsbars wie das Palm Beach gemacht wurden. 0:2 lag der VfB zur Pause bereits zurück, drehte dann wie die Weltmeister-Elf 1954 gegen Ungarn auf und kam in der Nachspielzeit noch zum 3:2 gegen den Hamburger SV. Die Dramaturgie ist wie gemacht für Betriebsleiter Dariush Sherif, für den langsam wieder Normalität einkehrt im Corona-Wahnsinn. Vor allem auch dank der Bundesliga.

Der Fußball ist doch nicht tot

Was wurde in den vergangenen Tagen nicht alles über den Fußball geschrieben. Dass er ja im Prinzip tot sei. Sportjournalisten schrieben nachdenkliche Kommentare mit dem Inhalt: Das will doch jetzt keiner sehen. Die Bundesliga entlarvt sich als unmenschlich, das ist ihr Ende. Spätestens beim Erstliga-Gipfeltreffen zwischen Borussia Dortmund und Bayern München erwies sich das als Irrtum.

Da hatten wir die Hütte voll.

Palm-Beach-Betriebsleiter Dariush Sherif über da Spiel Dortmund-Bayern

„Da hatten wir die Hütte voll“, berichtet Sherif. Das bedeutet: Im Biergarten war auch der letzte Tisch belegt, immerhin 100 sind es noch im Außenbereich und 60 im Innenbereich. Das war natürlich vor Corona deutlich mehr, sagt Sherif. Nun gelte es, den Mindestabstand einzuhalten und dafür zu sorgen, dass an den Biertischen nicht Menschen aus mehr als zwei Haushalten gleichzeitig sitzen. Probleme mit dem Ordnungsamt? Die wolle man konsequent vermeiden. Daher sei man bei den Corona-Regeln auch rigoros. „Es bringt ja nichts zu nörgeln“, sagt er.

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Palm Beach setzt auf treue Vereinsfans

Dass fast zeitgleich zur Öffnung der Gastronomie auch die Bundesliga wieder begonnen hat, ist für Sherif ein Segen. Vor allem, wenn die lokalen Platzhirsche Karlsruher SC und VfB wieder kicken, sei es auch vor Geisterkulisse. „In Deutschland sind die Fans ja vor allem Vereinsfans“, erklärt Sherif. „Die gucken eher KSC gegen Sandhausen als Barcelona gegen Madrid.“

Sky ist zu teuer für Irish Pub in Pforzheim

Simon Pfau, Manager des „The Irish Pub“ in der Innenstadt, trauert allerdings genau solchen Spielen wie dem Classico hinterher. Von der Bundesliga hatte sich der Pub vor einigen Jahren verabschiedet. „Das hat sich nicht gerechnet“, erklärt Pfau. Der Anbieter Sky verlange Gebühren abhängig von der gesamten Fläche des Pubs. Das bedeute einen vierstelligen Betrag im Monat für Pfau & Co. „Unsere Sportsbar macht da nur einen kleinen Teil aus“, erklärt er. Und die Bundesligaspiele am Samstagnachmittag würden sich kaum rechnen.

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Daher habe man nur noch das Champions-League-Paket. Und genau die findet ja weiterhin nicht statt. Man habe sogar darüber nachgedacht, die Bundesliga doch wieder zu buchen. „Aber das ist jetzt so kurzfristig nicht sinnvoll.“

Kaum jemand kommt zum Karaokeabend

Ansonsten herrsche im Pub nämlich Flaute. „Beim Karaokeabend hatten wir gerade einmal einen Tisch besetzt“, berichtet Pfau. Ab dem 17. März hatte man geschlossen, für Irish Pubs ein wichtiger Tag. Denn das ist der irische Nationalfeiertag, der St. Patricksday, einer der umsatzstärksten Tage des Jahres. Diesmal nicht. „Das war für uns die Höchststrafe.“