ES LÄUFT RUND BEI WITZENMANN: Der weltweit führende Hersteller von Metallschläuchen, Kompensatoren, Metallbälgen und Fahrzeugteilen hat beim Umsatz ein Plus von 7,7 Prozent hingelegt. 614 Millionen Euro kamen zusammen. | Foto: dpa

Weltmarktführer aus Pforzheim

Die heile Witzenmann-Welt

Der Weltmarktführer Witzenmann wächst und wächst: Im vergangenen Geschäftsjahr erlöste der größte Pforzheimer Arbeitgeber weltweit 614 Millionen Euro – weil die Wirtschaft in den für Witzenmann wichtigen Ländern brummt, hat der führende Hersteller von Metallschläuchen, Kompensatoren und Metallbälgen mit einem Plus von 7,7 Prozent davon profitiert. Für das in der Strategie des Global-Players wichtige Jahr 2020 werden Umsatzerlöse von 790 Millionen Euro anvisiert, wie die Geschäftsführung beim Bilanzpressegespräch in Pforzheim deutlich machte.

Witzenmann mit großem Potenzial in Asien

Vor allem in Asien seien die Wachstumsperspektiven vielversprechend, sagt Witzenmann-Chef Andreas Kämpfe. Die Manager reisen regelmäßig nach Fernost, auch um die Werke zu besuchen. Geschäftsführer Eberhard Wildermuth spricht die Feinstaub- und Stickoxid-Belastung in den Metropolen Chinas und Indiens an. „Diese Länder müssen etwas tun, ganz einfach, weil die Bevölkerung dort inzwischen rebelliert.“ 2020 greifen dort strenge Abgasnormen – neue Nutzfahrzeuge müssen dann auf die Straßen, in denen moderne Witzenmann-Technik gang und gäbe ist. All das trägt zum Optimismus in der Pforzheimer Zentrale bei. Die Prognose: In Asien werde sich der Umsatz in den nächsten acht Jahren verfünffachen.

68 Prozent des Umsatzes im Ausland

Parallel werfen die Ingenieure einen Blick auf die Elektromobilität. „Da sind wir dabei“, betont Kämpfe. Er verweist allerdings auf gleich vier aktuelle Studien: Diesen zufolge hat die reine Elektromobilität – weltweit – im Jahr 2030 nur einen Anteil am Antriebsmix von maximal elf Prozent. Gleichwohl wollen sich die Pforzheimer langfristig mit Produkten breiter aufstellen, um Risiken zu minimieren. Auch deshalb wird ein neuer Geschäftsbereich für Luft- und Raumfahrt aufgebaut. Schon jetzt kommen Witzenmann-Komponenten in vielen Produkten zum Einsatz: Angefangen bei der Weltraumrakete Ariane über Kreuzfahrtschiffe bis hin zu Zügen.

Mit 24 Gesellschaften in 19 verschiedenen Ländern hat man auch global diversifiziert. Mittlerweile werden 68 Prozent des Umsatzes im Ausland erlöst. Zum Vergleich: 1993 waren es nur 28 Prozent.

Neubau in Pforzheim

Weil Witzenmann von glänzenden Perspektiven überzeugt ist, investiert das Familienunternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 60 Prozent auch weiter kräftig: Im vergangenen Geschäftsjahr waren es 43 Millionen Euro. Für dieses Jahr sind 54,5 Millionen Euro im Etat. Davon entfallen allein rund acht Millionen Euro für den neuen Produktionsstandort im Pforzheimer Gewerbegebiet Buchbusch. Dort sollen künftig Bauteile für Nutzfahrzeuge und Großmotoren gefertigt werden, erinnert Witzenmann-Geschäftsführer Gerhard Flöck.
Die florierende Witzenmann-Welt wirkt sich auch auf die Mitarbeiterzahl im Mutterhaus aus: In der Pforzheimer GmbH stieg die Zahl der Beschäftigten um zwei Prozent auf 1 689. Weltweit standen zum Jahresultimo 4 341 Mitarbeiter auf den Gehaltslisten. Die Witzenmann GmbH schrieb einen Umsatz von 313 Millionen Euro (plus 8,3 Prozent).

Die Erlöse in Deutschland stiegen um 7,6 Prozent auf 196 Millionen Euro. International waren beispielsweise das europäische Ausland (plus neun Prozent) und vor allem Amerika (plus 11,5 Prozent) noch stärker.