Die Zentrale der Agosi ist in diesem Jahr der Schauplatz der Hauptversammlung. Die Aktionäre können per Video-Stream verfolgen, was dort zur Geschäftslage gesagt wird.
Die Zentrale der Agosi ist in diesem Jahr der Schauplatz der Hauptversammlung. Die Aktionäre können per Video-Stream verfolgen, was dort zur Geschäftslage gesagt wird. | Foto: BNN

Erste Online-Hauptversammlung

Die Pforzheimer Agosi-Aktionäre treffen sich erstmals im Video-Stream

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Die virtuelle Hauptversammlung ist auch für die Pforzheimer Agosi das Mittel der Wahl, um eine dem Coronavirus angemessene Aktionärsbeteiligung an den Geschäften zu gewährleisten. Die Scheideanstalt legt ihre Zahlen im 30. Juni vor.

Das mit den Schnitzeln – wahlweise Maultaschen – wird nicht funktionieren. Auch das Schwätzchen unter Insidern ist in diesem Jahr sicher sehr verhalten bei der Hauptversammlung der Agosi. Die virtuelle Welt ist für derartige Bedürfnisse einfach noch nicht hinreichend entwickelt.

Gute Aussichten für Agosi-Aktionäre auch im Corona-Jahr

Aber ansonsten dürfen sich die Eigentümer der Pforzheimer Aktiengesellschaft schlechthin auf die bei Scheideanstalten vergleichsweise verlässlich guten Aussichten freuen. Dazu gehören wohl auch in diesem Jahr – Corona hin, Nachfrageveränderungen her – die zwei Euro Dividende und 1,80 Sonderauszahlung.

Die Entscheidung darüber haben am 30. Juni wie immer die Aktionäre der 1891 gegründeten Gesellschaft, deren 4,9 Millionen Aktien heute zu über 90 Prozent der Umicor in Brüssel als Mutterkonzern gehören. Sie und die rund 300 weiteren Eigentümer kommen in diesem Jahr aber weder im Pforzheimer Congresscentrum noch in einer corona-gerecht umgebauten anderen Location zusammen, um Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten.

Die Aktionäre sitzen vor Bildschirmen, und erleben per Livestream aus der Agosi-Verwaltung, was es zu Geschäftsverlauf, Investitionen und Neuausrichtung zu sagen gibt.

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Fragen müssen zwei Tage vor der Hauptversammlung vorliegen

Auf gelegentlich höchst interessante Beiträge von Stimmrechtsvertretern dürfen sie dabei nicht hoffen. Die Sprecher von überschlägig 50 bis 100 Aktionären müssen sich wie alle an die Regeln für die erste Online-Hauptversammlung halten.

Agosi-Gold bleibt zentral, auch wenn Bernhard Olt, Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Kulemeier, Vorstandsvorsitzender Franz-Josef Kron, Vorstand Andreas Tiefenbacher (von links) am 30. Juni die Aktionäre online informieren. | Foto: PK

Wer bis 27. Juni 24 Uhr nicht seine Fragen eingereicht hat, stellt sie nicht mehr, ist bei Finanzvorstand Bernhard Olt zu erfahren. „Nachfassen geht nicht.“

Je mehr Trump, desto besser ist es für uns

Bernhard Olt, Finanzvorstand der Agosi

Das gilt auch, wenn Coronaviren plötzlich die Zahlenbasis für die Zukunft durcheinander wirbeln. Bislang gibt es laut Olt keine Veranlassung, den Risikoteil des Unternehmensberichts zu ändern. Der dramatische Teil der Krise werde bei der Agosi „nicht in vollem Umfang realisiert“. Außerdem gelte, „je mehr Trump, desto besser ist es“. Der US-Präsident stärke die Nachfrage nach sicheren Anlagen, und der Immobilienmarkt sei so gut wie leer gefegt.

Vorleseveranstaltung ohne Interaktion

Achim Biedermann, Berater bei der Firma HV-Management

Es liegt wesentlich in Olts Händen, dass die Aktionäre trotz Coronaviren ihre Rechte ausüben können. Das, so macht er deutlich, verlagere mehr Dinge als bislang ins Vorfeld der eigentlichen Hauptversammlung. Von der Gestaltung der Einladung mit Hinweisen zur Registrierung sowie zum Frage- und Stimmrecht bis zur Abstimmung muss alles bedacht sein, damit es keine strittigen Überraschungen gibt.

Professioneller Helfer bei der geplanten „Vorleseveranstaltung ohne Interaktion“ ist Achim Biedermann. Die Agosi gehört seit zehn Jahren zu den Kunden des freien Beraters der HV-Management GmbH in Mannheim. Während es bislang bei Hauptversammlungen um Räume, Catering, Personal, Ton, Bild und Ausleuchtung oder Security ging, lägen die Fallstricke nun eindeutig auf der technischen Seite, erläutert er.

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Bislang keine interaktiven Aktionärsversammlungen

Den Unterschied zwischen Können und Wollen erlebte Biedermann vorvergangene Woche bei den Deutschen Pionieren der Online-Quarantäne für Aktiengesellschaften: „Bei Bayer hat’s 58 Minuten gedauert, bis ausgezählt war, bei Beiersdorf neun.“ Hier wie dort wurden vordem die Geschäftszahlen in einem gestreamten Vortrag dargelegt. An das Thema interaktive Aktionärsversammlung habe sich in Deutschland noch kein Unternehmen gewagt.

Das Stimmrecht kann auch per Post wahrgenommen werden

Grundsätzlich steht jedem Aktionär alles offen, was üblich ist. Er kann über das Ticket mit seinen Zugangsdaten, das er bei der Online-Anmeldung zur Hauptversammlung der Agosi bekommt, Fragen stellen, abstimmen, Widerspruch einlegen oder einen Bevollmächtigten ernennen.

„Die Sicherheitsstufe ist so hoch wie beim Online-Banking“, sagt Biedermann. Und sollte der elektronische Weg nicht möglich sein, dann gibt es noch immer die Post, die den Brief mit der Stimmabgabe zur Agosi transportiert.