Über ihre Erfahrungen mit Telefonanschlüssen und Internet in Ottenhausen tauschten sich betroffene Bürger mit Gemeinderäten und Bürgermeister Helge Viehweg (rechts) aus. Foto: Ehmann

Schlechte Versorgung

Ottenhausener ärgern sich über die Telekom

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Wochenlang kein Festnetz, ständig Störungen, kein Internet und schlechte Verbindungen – viele Bewohner von Ottenhausen fühlen sich von der Telekom im Stich gelassen. Bitten, sich um die Probleme zu kümmern, blieben beim Unternehmen ohne große Resonanz. Daher will die Gemeinde nun ein Zeichen setzen.

Johannes Bürkle aus Ottenhausen ist Manager bei SAP und würde gerne von zuhause arbeiten, um sich mit Homeoffice die 70 Kilometer lange Pendelei zu sparen. „Doch dafür reicht die Bandbreite nicht aus, es gibt ständig Abbrüche“, erzählt er beim Termin im Rathaus in Feldrennach, wo sich am Freitag mehrere betroffene Bürger mit Gemeinderäten und Bürgermeister Helge Viehweg ausgetauscht haben. Bürkle bleibt die Wahl, sich ein Büro im gut angeschlossenen benachbarten Schwann einzurichten, doch er versteht nicht, warum ein Straubenhardter Teilort „massiv versorgt“ ist, während der andere völlig unterversorgt ist.

Rat der Telekom: Woanders hinziehen

Ingo Wolfinger, der seine Firma in Ottenhausen hat, erhielt auf seine Beschwerde hin von der Telekom den guten Rat, „wo anders hinzuziehen“ und den Hinweis: „Woanders ist es noch schlimmer.“
Ottenhausen ist ein weißer Fleck, was Telefon- und Internetverbindung angeht, bestätigt Bürgermeister Viehweg. Schon zu Beginn des Jahres waren einige Anwohner des Gebiets „Heiligenäcker“ ohne Telefonanschluss. Nach der Anfrage des Pforzheimer Kurier schickte die Telekom einen Mitarbeiter und das Problem war schnell behoben. Nun gebe es Aufgrabungen und die Kabel „liegen seit Wochen blank“, berichtet Siegfried Hörner, dessen Lebensgefährtin zur Jahreswende von dem Ausfall betroffen war. Hörner fragt sich, was mit den Kabeln und den Anschlüssen passiert, wenn es regnet.

Fünf Wochen ohne Telefon

Einfach abgeschaltet habe die Telekom den Anschluss bei Gerlinde Dennig, die fünf Wochen ohne Telefon war. „Das war nicht witzig und auch moralisch ein Unding“, empört sich die Ottenhausenerin. Jetzt werden sie und ihr Mann von Skytron per Funk versorgt, allerdings sei die Telefonqualität schlecht, berichtet Gemeinderat Jörg Gube, der mit der Telekom fertig ist, weil die Versorgung so mangelhaft sei, dass auch mal einen halben Tag lang keine Internetverbindung herzustellen ist.

Im ländlichen Raum wird zu wenig getan

Die Gemeinde stehe machtlos da; die Situation sei mehr als unbefriedigend, zumal die Internetversorgung immer mehr zur Daseinsfürsorge werde, sagt Bürgermeister Viehweg angesichts der Beschwerden der Bürger. In Ottenhausen sei die Versorgung „hinterwäldlerisch“. Das zeigt dem Bürgermeister, „dass im ländlichen Raum zu wenig getan wird“. Deutlich werde das im neuen Wohngebiet in Pfinzweiler, das sich in der Umsetzungsphase befindet und wo sich die Telekom aus wirtschaftlichen Gründen wieder zurückgezogen habe. Viehweg zieht den Schluss, dass es für die Enzkreisgemeinden das richtige ist, dem Zweckverband Breitbandversorgung beizutreten.

Großprojekt in Straubenhardt geplant

Für 2020 ist in Straubenhardt geplant, eine Backbonetrasse zu verlegen, die von Pfinzweiler und Feldrennach nach Ottenhausen führt. Hier soll das Projekt beginnen. Insgesamt kostet der Breitbandausbau in Straubenhardt 23 Millionen Euro, 11,7 Millionen Euro gibt es vom Bund. Eine Förderung von 9,3 Millionen Euro vom Land ist beantragt, aber noch nicht bewilligt. „Mit der Telekom ist kein Staat zu machen, den Zweckverband braucht es dringend“, fasst Viehweg zusammen.