Julian Rabe gründete seine Firma für nachhaltiges Reisegepäck im Alter von 19 Jahren.
Julian Rabe gründete seine Firma für nachhaltiges Reisegepäck im Alter von 19 Jahren. | Foto: Edith Kopf

Reisegepäck und Schmuck

Diese Gründer arbeiten im Pforzheimer Kreativzentum EMMA an neuen Produkten

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Vor rund fünf Jahren wurde das EMMA Kreativzentrum in Pforzheim gegründet. Im einstigen Volksbad arbeiten in 15 Büros und drei Ateliers Kreative und Gründer an ihren Projekten. Einige Produkte können mittlerweile eine internationale Reichweite für sich reklamieren.

Das EMMA trage dazu bei, dass Dienstleister in der Kreativwirtschaft nicht mehr zwingend einen Sitz in Berlin, Düsseldorf oder München haben müssen, sagt Oliver Reitz. Er ist der Direktor von Wirtschaft und Stadtmarketing in der Stadt Pforzheim.

Nachhaltiges Reisegepäck von Onemate

Als Zwischenstation auf dem Weg zum Erfolg begreift Julian Rabe seine Verbindung zum Pforzheimer EMMA. Der Maulbronner gründete seine Firma „Onemate“ bereits im Alter von 19 Jahren während des Maschinenbaustudiums in Friedrichshafen. Nachdem die Sache mit dem nachhaltig konzipierten Reisegepäck ernst wurde, kündigte er mit 21 seine Stelle bei ZF in Friedrichshafen und startet von einem Zimmer im Elternhaus aus durch.

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„Das war nicht wirklich produktiv“, blickt der nun 23-Jährige zurück. Er sei dann aufs EMMA aufmerksam geworden. Seine ersten Rucksackkoffer verkauft er kurz nach dem Einzug am 1. Juli 2018. Jetzt hat das Unternehmen vier Angestellte, zwei davon in Stuttgart, weshalb Rabe trotz „toller, familiärer Atmosphäre“ für seine weiteren Entwicklungsschritte räumlich in Richtung Landeshauptstadt denkt.

Ein Büro für zehn bis 30 Leute soll es werden. Entscheidend dabei ist für Rabe auch das Umfeld mit Firmen, die etwas ähnliches machen. Bislang, so räumt er ein, hat er beruflich noch keine ergänzenden Kontakte in Pforzheim geknüpft. Das kann sich ändern, bis die Entscheidung zum Umzug fällt.

Illustration zog zurück in die Heimat

Einen späten Start in die Selbstständigkeit legt Judith Graffmann hin. Die Illustratorin hat „aber auch nicht bei Null angefangen“, als sie wegen der Nähe zur Oma mit ihrem Nachwuchs wieder in die Heimat zog. Dass daraus dann das „wunderschöne Büro“ im EMMA wurde, sei Zufall.

Davor hatte Graffmann ihren Kundenstamm aus Frankfurt eine lange Zeit vom Homeoffice aus bedient, wo ihr dann einfach die Decke auf den Kopf gefallen sei. Fantastisch findet die 48-jährige Grafikerin auch, dass sie über den Umzug in das Gründerzentrum für Kreative zu einem „Netzwerk mit Gleichgesinnten“ kam.

Judith Graffmann
Illustratorin Judith Graffmann bei der Arbeit. | Foto: Edith Kopf

Dass zwei weitere Grafiker gleich auf ihrer Etage sind, findet sie „unheimlich befruchtend“. Und das könnte womöglich auch so weiter gehen. Graffmann kann noch zwei Jahre im EMMA bleiben und beschäftigt sich deshalb mit der Zukunft außerhalb. Aktuell denke sie darüber nach, mit Leuten, die sie im Kreativzentrum kennengelernt hat, ein Gemeinschaftsbüro zu eröffnen.

„Wenn ich frisch und jung wäre, würde ich wieder gehen“, sagt die ehemalige Hebelschülerin. Pforzheim sei nicht die Stadt, die super ist, um in der Medienbranche eine Karriere zu bauen. Es fehle Esprit, Weltoffenheit, der kreative „Spark“.

Günstige Mieten zogen zwei Fotografen an

Ebenfalls durch Zufall sind die Werbefotografen Marc Hofmann und David Kretschmer 2015 ins EMMA gekommen. Das Pforzheimer Design-Studio DMBO habe sie auf die Idee gebracht. Das führte „zu einem unfassbar günstigen Preis inklusive allem Drum und Dran bis hin zu den Mitmietern“, bilanziert Hofmann.

Vergangenes Jahr zogen die beiden Geschäftspartner gut 30 Kilometer weiter aufs Gelände des alten Schlachthofs in Karlsruhe. „Dort ist alles ne Nummer größer mit zehn Mal so vielen Firmen sowie Restaurants und sonstiger Infrastruktur“, beschreibt Hofmann, was hier mit ausschlaggebend war.

Rein räumlich haben sich „Marc und David“ verdoppelt. Der Designbereich ist das einzige, was man von außerhalb wahrnimmt von Pforzheim, blickt Hofmann zurück.

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Schmuckdesignerin schätzt die familiäre Atmosphäre

Allein das Netzwerk, das das EMMA bietet, hat Jasmin Nicole Bouquerot de Voligny positiv überrascht, als sie „Augen-Stein“ auf den Weg brachte. Das Spiel mit ihrem früheren Nachnamen und Schmuck führte im November zur ersten eigenen Kollektion.

Beim Sprung in die Selbstständigkeit konnte die heute 50-Jährige auf Aufträge von Kunden bauen, die sie aus früheren Tätigkeiten kennt. Bei den offenen Ateliers stellte sie ihre erste Kreation vor. Für die Details auf dem Weg zum Markt, für Homepage, Grafik und Fotos, griff sie auf Firmen zurück, die das Kreativzentrum ebenfalls als Plattform nutzen. „Man kennt sich, man weiß, was jemand braucht.“ Hätte sie außer Haus gehen müssen, wäre das viel mehr Aufwand gewesen, erzählt Bouquerot de Voligny.

Wesentlich für sie ist auch die Verbindung zur Werkstatt. Dieses kann sie nach einer Verlängerung um zwei Jahre noch bis 2023 nutzen. „Der Bereich ist nicht einfach.“ Auch deshalb setze sie auf die Kollektion als Standbein. Das gelinge nur, wenn keine große Finanzierung notwendig sei.