Durch die digitale Vernetzung wissen die Mitarbeiter jederzeit, welches Produkt anschließend aus der glühenden Masse hergestellt wird.
Durch die digitale Vernetzung wissen die Mitarbeiter jederzeit, welches Produkt anschließend aus der glühenden Masse hergestellt wird. | Foto: Eschmnann

„Industrie 4.0“ in Remchingen

Digitalisierung früh zum Thema gemacht

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Qualmende Türme sucht man auf dem Firmengelände von Karl Casper Guss in Remchingen vergebens. Dies sei ein Vorteil der frühzeitig eingeleiteten Digitalisierung. „Im Gegensatz zu früher, wo die Gießereien alles in die Luft gepustet haben, steht der Umweltschutz bei uns schon immer stark im Vordergrund.“, sagt Felix Casper, der kaufmännische Geschäftsführer des Familienunternehmens, das er in fünfter Generation führt. „Und damit auch der Schutz der Mitarbeiter“, erklärt er beim Blick aus dem Fenster, direkt auf die großen Produktionshallen.

Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg

Im Jahr 2009 begann die Gießerei den kompletten Betrieb zu digitalisieren. Lange, bevor dies in der Industrie ein Thema wurde. „Ganzheitlich und nicht nur in einzelnen Teilbereichen, wie Forschung oder Produktion“, wie Casper betont. Diese Tatsache hat dem Unternehmen, welches im Jahr 1877 gegründet wurde, eine Auszeichnung beim Wettbewerb „100 Orte für Industrie 4.0 in Baden-Württemberg“ beschert.

Beim Rundgang durch die riesige Produktionsstätte wird schnell deutlich, wie sehr die digitale Welt Einzug in den Ablauf genommen hat. So kann jederzeit anhand eines Barcodes nachvollzogen werden, um welches Gussteil es sich handelt. Monate später sei es so möglich, herauszufinden, wie beispielsweise die Materialzusammensetzung war.

Die Daten bleiben hier im Haus.

Die Kunden können ihrerseits über das Internet verfolgen, wie es um ihre Bestellung steht. „Beide Seiten ziehen so einen Nutzen aus der Digitalisierung“, sagt Malte Lüking, technischer Geschäftsführer. „Die Verzahnung mit dem Kunden ist uns sehr wichtig, weil sie Vertrauen schafft.“ Dies betrifft auch das Thema Sicherheit: Alle Daten sind direkt in einem eigenen Serverraum gespeichert und werden nicht etwa in eine Cloud übertragen, berichtet Malte Lüking. „Die Daten bleiben hier im Haus. Alles ist doppelt und dreifach abgesichert.“

Der kaufmännische Geschäftsführer Felix Casper (links) führt das Unternehmen in fünfter Generation. Er lenkt mit Malte Lüking, dem technische Geschäftsführer, das Unternehmen.
Der kaufmännische Geschäftsführer Felix Casper (links) führt das Unternehmen in fünfter Generation. Er lenkt mit Malte Lüking, dem technische Geschäftsführer, das Unternehmen. | Foto: Eschmann

Produktion kann in Echtzeit überwacht werden

Selbst bei einem kompletten Systemausfall könne die Firma ohne Unterbrechung weiterproduzieren. Die Remchinger seien also nicht von einer funktionierenden Internetverbindung abhängig. Im Gegenteil: Die Technik sorge sogar dafür, dass Fehler in den Anlagen entdeckt werden, bevor es zu einem Problem kommt. „Ich möchte nicht nur sehen, was in der Produktion gut läuft, sondern auch, wo etwas aus dem Ruder läuft“, sagt Lüking, der das komplette Unternehmen per Monitor in Echtzeit überwachen kann. Felix Casper ergänzt: „Letztendlich geht es darum, auf allen Ebenen Fehler zu vermeiden.“

Mitarbeiter bei der Digitalisierung mit ins Boot geholt

Die Mitarbeiter, die jeden Arbeitsschritt über einen personalisierten Chip bestätigen müssen, seien von Beginn an mit ins Boot geholt worden. Anfängliche Skepsis sei schnell kein Thema mehr gewesen. „Natürlich könnten wir am Ende des Tages sehen, welcher Mitarbeiter wie viel gearbeitet hat, aber darum geht es uns nicht. Wir überprüfen mit all der Technik lediglich die Produktion.

Auch dies ist eine Frage von gegenseitigem Vertrauen“, betont Lüking. Auch Casper liegen die rund 100 Mitarbeiter am Herzen. „Das Fundament von Industrie 4.0 sind und bleiben qualifizierte und motivierte Mitarbeiter.“ Letztendlich sichere die Digitialisierung durch ihre vielfältigen Möglichkeiten in der Produktionsplanung auch die Arbeitsplätze.