Laute Proteste gab es im vergangenen Jahr mehrmals bei Schüleraktionen pro Klimaschutz. Die Bewegung nahm überraschend schnell Fahrt auf. Inzwischen hält auch ein wenig Ernüchterung Einzug: Es sei schwierig, in Pforzheim Menschen mit dem Thema zu mobilisieren. Die Teilnehmerzahlen gingen zurück.

Verzicht auf Jubiläumsaktion

Ein Jahr Fridays for Future in Pforzheim: Die Demos haben sich abgenutzt

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Fridays for Future in Pforzheim wird ein Jahr alt. Zum Jubiläum verzichten die jungen Aktivisten diesen Freitag auf eine Veranstaltung. Dem Protest für den Klimaschutz droht die Energie auszugehen, zumindest in seiner bisherigen Art. Nun denkt man über neue Aktionsformen nach.

Der erste Post bei Instagram datiert vom 9. Januar 2019. Einen Tag später gründete sich die Pforzheimer Gruppe von Fridays for Future dann auch offiziell. Und nur eine Woche drauf gab es schon den ersten Schülerstreik fürs Klima. Es waren schnelle erste Erfolge.

Sorgen um die Zukunft der Gruppe

Ein Jahr später klingen bei Gründerin Jamila Hatlapatka (18) nun ein paar Sorgen um die Zukunft der Gruppe an. Auf eine Jubiläums-Demo am Freitag diese Woche müssen die jungen Aktivisten verzichten. „Wir haben es leider nicht mehr hinbekommen“, sagt Hatlapatka, nachdem es noch vor wenigen Tagen solche Überlegungen gab. „Ich hoffe, dass es weitergeht und dass die Gruppe nicht einschläft.“

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An das große Erwachen vor einem Jahr kann sich die angehende Abiturientin gut erinnern. Sie habe relativ schnell von der Bewegung mitbekommen. „Die nächsten Ortsgruppen sind aber in Karlsruhe und Stuttgart. Sich dort zu engagieren, ist mit Kosten verbunden“, sagt die Knittlingerin. Also rief sie die Gruppe für Pforzheim und den Enzkreis ins Leben.

Wir waren alle ziemlich unerfahren.

Es ging schnell voran. Obwohl erst ganz wenige Mitglieder in der Gruppe waren, sprach sich der erste Demo-Termin herum. 120 Schüler demonstrierten vor dem Rathaus. Robin Schaletzki (17), der ebenfalls von Anfang an dabei war, erzählt: „Wir waren überglücklich, dass es so gut geklappt hat, obwohl wir alle ziemlich unerfahren waren.“

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Beim Höhepunkt demonstrieren 1.000 Menschen…

Die Mitgliederzahlen in der Whatsapp-Gruppe und die Follower-Zahlen bei Instagram und Facebook stiegen rasant. Bei Demos im März und Mai kamen schon jeweils 400 Teilnehmer. Höhepunkt war der Protest am 20. September. Getragen vom globalen Aktionstag gingen in Pforzheim mehr als 1.000 Menschen fürs Klima auf die Straße.

In der Woche danach machte die Ortsgruppe ihren Forderungskatalog für lokalen Klimaschutz öffentlich. Erster Punkt: Klimanotstand ausrufen. Ende des Jahres schloss sich der Jugendgemeinderat dieser Forderung an.

… eine Woche später sind es höchstens noch 50

Doch es gab auch Rückschläge. Nur eine Woche nach der Großdemo waren es höchstens noch 50 Teilnehmer, die für ihr Anliegen auf die Straße gingen, Ende November etwa 200. „Das war sicherlich auch wetterbedingt“, sagt Jamila Hatlapatka. „Es ist aber generell schwer, in Pforzheim die Leute mit dem Thema zu bewegen.“

Der nächste Anlauf für eine Demo wird wohl im Frühjahr sein, dann wieder gekoppelt an eine globale Aktion mit entsprechend höherer Aufmerksamkeit und Organisationshilfe vom Bundesverband.

Wir werden nicht aufhören.

Anfangs hatten die Pforzheimer sogar noch das Ziel ausgegeben, jeden Freitag auf die Straße zu gehen. Das hat sich inzwischen radikal geändert. Erste Ortsgruppen in anderen großen Städten verzichten schon auf die regelmäßigen Demos, weil sie sich abgenutzt haben. „Das Problem gibt es auf jeden Fall“, bestätigt Hatlapatka. „Es ist – in Anführungszeichen – normal geworden.“

Einzelne Aktivisten verlieren daher offenbar die Motivation. Die Gründerin kann das verstehen. Vielleicht müsse man neue Aktionsformen ausprobieren, es gebe da bundesweit Überlegungen. „Wir werden jedenfalls nicht aufhören. Ich kenne genug Leute, die weitermachen wollen.“

Politisch nicht viel bewegt – und doch erfolgreich

Was wurde in einem Jahr bewegt? Politisch nicht viel, wie Hatlapatka und Schaletzki konstatieren. „Aber Einzelpersonen haben mir gesagt, dass sie vorher nie über das Klimathema nachgedacht haben – und dass wir sie bewegt haben, sogar bei den Demos mitzumachen“, sagt Hatlapatka. Das sei ja auch schon ein großer Schritt. Schaletzki bestätigt die Beobachtung: „Wir haben erreicht, dass viel über das Klima gesprochen wird. Das war vor einem Jahr noch ganz anders.“

Mit lokalen Politikern hat sich die Gruppe bereits ausgetauscht. Im Februar soll es ein Gespräch mit Vertretern von Stadt und Enzkreis geben.