Der belgische Artist Robin Leo (auf dem Foto abgebildet) sorgt zusammen mit seinem Partner Jean-Baptiste André für spannende wie charmante Unterhaltung bei den „Winterträumen“ im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld. | Foto: Kraus

Duo bei den „Winterträumen“

Ein Leben im rollenden Reifen

Sie rollen in einem überdimensionalen Ring durch die „Winterträume“ im Kulturhaus Osterfeld und landen punktgenau in den Herzen der Zuschauer. Das französisch-belgische Duo André Leo präsentiert mit viel Charme einen artistischen und temporeichen Akt, der das Publikum des Pforzheimer Varietétheaters ein ums andere Mal bangen lässt: Werden die Finger alle heil bleiben, oder sind schmerzhaften Quetschungen zu befürchten? „Das denken Nicht-Zirkus-Leute immer“, meint lächelnd Robin Leo, die belgische Hälfte im charismatischen Doppelpack. Leo macht eine Bewegung, als würde er fallen, mit geballter Faust. Sie öffnet sich zur Hand bei der Berührung mit dem Boden. „Das ist ein automatischer Reflex.“

Leo: Vertrauen ist entscheidend

Die Hauptschwierigkeit an der Nummer bestehe darin, das Rad zu drehen und es am Laufen zu halten. „Am Anfang ist das das Schwerste“, erklärt der 22-Jährige. „Und es bleibt schwer.“ Mit dem Unterschied, dass man anfangs noch sehr viel nachdenke. „Wenn man das Geheimnis der Bewegung erlernt hat, wird sie nach einer gewissen Zeit zum Automatismus.“ Beherrscht man erst die Technik, dann zählt nur noch die Beziehung zu seinem Partner Jean-Baptiste André. „Mit ihm bin ich unentwegt verbunden.“ Das Vertrauen ist entscheidend. Ein falscher Stoß und schon könnte der stählerne Hula-Hoop-Reifen bei der schnellen Fahrt aus der Bahn fliegen. „Wir lernen zu erfühlen, was der andere tut, so dass wir uns gegenseitig auffangen können, die Balance halten können.“

Das Duo Andre Leo verzaubert das Publikum der „Winterträume“.
Das Duo Andre Leo verzaubert das Publikum der „Winterträume“. | Foto: PK

Nach Entree und Anmoderation gehört beim Pforzheimer Varietétheater der erste Auftritt dem Duo André Leo. Für die beiden ist das kein Grund, besonders nervös zu sein. „Der Moment davor ist immer aufregend. Wenn man dann auf der Bühne steht, gibt es nichts anderes mehr“, sagt Leo. Der Akt mit dem 21 Kilo schweren Cyr Wheel hat den beiden Artisten im vergangenen Jahr beim Cirque de Demain in Paris die Bronze-Medaille gebracht und beim Internationalen Young Stage Festival in Basel den Silbernen Stern. Robin Leo lernte seinen Partner, den um ein Jahr älteren Franzosen Jean-Baptiste André, in der Artistenschule Brüssel kennen. Beide fanden so großen Spaß an dem riesigen Reifen, dass sie ihn nach drei Jahren Ausbildung als Abschluss-Prüfung wählten.

Nach den Winterträumen soll die eigene Show kommen

Vor den „Winterträumen“ tourte das Duo mit dem Circus Monti ein halbes Jahr durch die Schweiz. Leo und André hatten ihre eigenen Wohnwagen. Wenn man permanent zusammen arbeitet, braucht man seinen Freiraum. „Es ist wichtig, das zu respektieren“, meint der junge Artist.
Nach den „Winterträumen“ will das Duo eine eigene Show auf die Beine stellen, von Brüssel aus, wo beide leben. Erst gibt es allerdings eine kleine kreative Pause. Diese will Robin Leo für eine Augen-OP nutzen. Er ist Brillen- und Kontaktlinsenträger. Einmal ist ihm bei einer Fahrt im Ring eine Kontaktlinse heraus gefallen. „Mit dem einen Auge konnte ich dann nicht richtig sehen, aber ich habe mich gut festgehalten“, erzählt er. Und dann war da ja auch noch André, der auf seinen Partner Leo aufgepasst hat.