Mike Bartel, Lokalchef der BNN-Ausgabe Pforzheim, starb am Donnerstag im Alter von 55 Jahren | Foto: Hora

BNN-Lokalchef Bartel ist tot

Ein Pforzheimer Lokaljournalist mit Tinte im Blut

Es gibt Momente, da ist es völlig unwichtig, wer die Stadt regiert, jetzt oder in Zukunft, wer den städtischen Haushalt ablehnt oder welche Industrie ihren wie vielten Geburtstag feiert. Jeder Mensch kennt solche Momente, wenn all das, was eben noch das Allerwichtigste zu sein schien, plötzlich unbedeutend wird.

Heftiger Schicksalsschlag

Es sind dies, wie heute, oft die heftigen Schicksalsschläge, die uns daran erinnern, dass nicht die Schlagzeile, nicht das Zitat, nicht das gemeinderätliche Abstimmungsergebnis, sondern der Mensch das Wichtigste ist in unserem Leben. Dabei könnten wir alle sehr viel öfter dieses Wichtigste sehen, hinter der Fassade des Alltags, hinter den ja wirklich nicht unwichtigen Nebensächlichkeiten des Lebens.

Nie den Menschen aus dem Blick verloren

Mike Bartel hat das verstanden. Er war ein großartiger Lokaljournalist, der immer die Neuigkeit hinter der Nachricht sah und trotzdem nie den Menschen aus dem Blick verlor. Am Donnerstag haben wir ihn verloren. Mike Bartel schlief nach einer kurzen, aber heftigen Krankheit friedlich ein.

Großartiger Lokaljournalist

Schon als Schüler hatte Mike Bartel Tinte im Blut. Nach der Mittleren Reife hatte er genug von der Schule, denn schreiben konnte er bereits und nichts anderes wollte er für den Rest seines Lebens tun. Glücklicherweise suchte er sich den Pforzheimer Kurier aus, um seiner Leidenschaft zu frönen. In einer Zeit, da Tageszeitungen bei der Auswahl ihrer künftigen Redakteure längst auf akademische Abschlüsse achteten, schaffte es Mike Bartel, durch seine Arbeit zu überzeugen. Über die freie Mitarbeit gelangte er zum Ausbildungsplatz und schließlich zur festen Anstellung als Redakteur in der Enzkreisredaktion des Pforzheimer Kurier.

Führte den Stift wie ein Florett

Er war ein Farbklecks in der Bleiwüste. Bei aller Ernsthaftigkeit, die bei der journalistischen Arbeit notwendig ist, verlor er nie den Humor aus den Augen. Das liebten seine Kollegen an ihm, und seine Gesprächspartner schätzten es. Auch dem Konflikt, der harschen Kritik ging er nicht aus dem Weg. Doch führte er seinen Stift stets fein wie ein Florett. Den derben Degen zu schwingen, war nicht seine Art.
Mike Bartel liebte die Schlager seiner Jugend und er liebte es zu lachen. Wer seine humoristischen Bücher liest, in denen er das Leben außerhalb des Alltags auf die Schippe nahm, der kann ihn heute noch lachen hören.

Liebevoll und wertschätzend

Er kannte den Enzkreis und die Menschen dort, die ja seine Nachbarn, seine Sportkameraden waren. Und er berichtete liebevoll und wertschätzend über den Landkreis. Die Erfahrungen dort kamen ihm sehr zupass, als er dann in die Stadtredaktion wechselte und auch dort sehr schnell ein wichtiger Anker der Berichterstattung wurde. Bei aller Leichtigkeit in der Schreibe – kaum etwas nahm Mike Bartel so ernst wie seine Arbeit. Und so war es die richtige Entscheidung des Verlages, ihn 2007 mit der Leitung der Redaktion zu betrauen.

Ruhender Pol der Redaktion

In dieser Position schließlich entfaltete sich seine ganze Persönlichkeit, hier konnte er die Kraft ausspielen, die ihn zum ehrgeizigen Antreiber und ruhenden Pol des Pforzheimer Kurier machte. Manchmal war er ungeduldig, meistens mit sich selbst. Er hielt seinen Redakteuren den Rücken frei, stand dann aber doch wieder ganz vorne, gerade wenn es heiß oder brenzlig wurde. Immer mit der Ruhe und der Überzeugung, die er aus sich selbst, aber auch aus seinem Glauben schöpfte.

Trauerfeier am Mittwoch

Mike Bartel wurde 55 Jahre alt. Er hinterlässt beim Pforzheimer Kurier eine nicht zu schließende Lücke. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Töchtern. Die Beerdigung findet am Mittwoch um 14 Uhr auf dem Friedhof in Wilferdingen statt.