Eis spiegelt einen blauen Steg über die Enz in der Verlängerung des Baumgässchens | Foto: Ehmann

Finanzierung über einen Verein

Ein Steg als Denkmal für Pforzheims Uhrmacher

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Pforzheim fehlt ein Uhrmacher-Denkmal. Davon ist Karla Kellner überzeugt. Sie setzt deshalb seit einigen Monaten manchen in Bewegung für das Ziel, über die Enz einen Steg zu bauen, der in einer vom Design her noch näher zu bestimmenden Form an den Kern der Goldstadt erinnert. Und das waren nach dem Privilegienbrief des Markgrafen vom 6. April 1767 nun mal Zeitmesser.

„Pforzheims aktive Bruddler“

Eine Zeichnung davon, wie eine Armbanduhr zur Bücke über die Enz werden kann, hat die Initiatorin der Initiative „Pforzheims aktive Bruddler“ schon einmal angefertigt und verschickt. Schließlich gilt es, einflussreiche und kundige Unterstützer zu finden für das Vorhaben. Es soll nicht von der Stadt, sondern über einen gemeinnützigen Verein finanziert werden. Der Hebel dazu ist der Denkmalgedanke. Dieser kulturelle Zweck spielt eine Rolle bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit, die Karla Kellner indes für vernachlässigbar hält. Wesentlich ist für sie, dass der Vereinszweck die Steg-Idee vom ordinären Verkehrswegebau abhebt und so die Finanzierung über Spenden überhaupt erst ermöglicht.

Baumsteg abgesagt

„Wenn ich es jetzt nicht mache, wer macht es dann“, sagt die 77-Jährige zu ihrer Motivation. Auslöser sei eine Zeitungsmeldung über eine Spende gewesen, die die Stadt nicht annehmen durfte. Damals ging es um den Baumsteg, der Ende 2015 bei der Auswahl von Projekten für eine 90-prozentige Bundesförderung vom Gemeinderat an die Seite gelegt wurde. Es sprach mehr für die Sanierung der Fußgängerzone und einen neuen Kindergarten in Eutingen. Beide werden jetzt mit vergleichsweise geringen Kosten für die Stadt realisiert.
In Reaktion auf das Nein des Gemeinderats zu Gunsten wichtigerer Projekte wollte dem Vernehmen nach ein Unternehmer tief in die Tasche greifen. Aber das ist keine gute Idee für die öffentliche Hand. Spenden von Firmen, mit denen wirtschaftliche Verbindungen bestehen oder bestehen könnten, sind nicht drin. Der Preis für einen Enzsteg an der Stelle hat damit nichts zu tun. Er wird laut Marc Feltl vom Baudezernat mit 750 000 Euro veranschlagt.

Leute für die Idee gesucht

Es könnte günstiger gehen, meint Karla Kellner und denkt an eine Konstruktion aus einheimischen Hölzern. Aber das sei nur eine mögliche Variante. Außerdem stehe die Gestaltungsfrage am Ende eines langen Prozesses. Jetzt gehe es erst einmal darum, Leute für die Idee zu gewinnen. Kellner setzt deshalb auf den Dekan der Fakultät für Gestaltung, Michael Throm. Sie hat ihn dieser Tage wegen eines Modells angeschrieben. Über das das Uhrmacherische in dem Denkmalsteg deutlich gemacht werden könnte. Auch der Präsident des Bundesverbands Schmuck und Uhren, Uwe Staib, steht auf ihrer Gesprächsliste.
Mit dem Jubiläums-Koordinator Gerhard Baral hat Kellner schon gesprochen. Dieser spricht von einer „schönen Idee, aber unter den jetzigen finanziellen Gegebenheiten hat sie nicht erste Priorität“. Ein weiteres Bürgerprojekt zum Jubiläumsjahr sei nicht möglich. Er sei froh, dass über die Wild-Stiftung der Umbau des Alfons-Kern-Turms zu einem Designzentrum ermöglicht werde. Schön für Pforzheim sei, dass in der Uhrenbranche außerdem über einen Gestaltungswettbewerb für Uhren aus Pforzheim nachgedacht werde. „Das wäre ein aktiver Schritt in die Zukunft.“