Abstand halten ist auch erforderlich bei den Hilfsaktionen, die während der Corona-Pandemie in Pforzheim und der Region angeboten werden. Ursula Günther (links) hat für Mandy Kratzer Einkaufskorb und Einkaufsliste vor der Haustür beim betreuten Wohnen in Büchenbronn deponiert. Dort wartet auch Rainer Meeh mit Mundschutz. | Foto: Ehmann

Nachbarschaftshilfe

Einkaufshilfe und Seelsorge: Pforzheimer helfen einander in Zeiten von Corona

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Vor der Haustür stellt Ursula Günther Korb und Einkaufstasche ab. Sie legt zwei Umschläge mit Geld und zwei Einkaufszettel von sich und den Nachbarn dazu. Mandy Kratzer nimmt alles an sich – in der vorgeschriebenen und, wie alle hoffen, virensicheren Distanz von mindestens anderthalb Metern. „Es ist das allererste Mal, dass ich Hilfe in Anspruch nehme“, sagt Ursula Günther.

Dankbar lächelt sie Mandy Kratzer zu, die gleich losziehen wird, um beim Edeka-Markt am Büchenbronner Westring die gewünschten Waren zu besorgen.

Angst vor Ansteckung ist bei Risikogruppe groß

Günther ist 79 Jahre alt und lebt mit ihrem pflegebedürftigen Mann im Betreuten Wohnen in der Seniorenresidenz Bergdorf. Sie kocht selbst und ist froh, dass sie sich Gemüse, Obst und Joghurt bringen lassen kann. „Wenn ich selber einkaufe und mir dabei was einfange …“, beschreibt sie ein Schreckensszenario.

Das hat viele Menschen wie Mandy Kratzer und andere Ehrenamtliche auf den Plan gerufen für eine gemeinsame Hilfsinitiative im Stadtteil. Unter dem Stichwort „Corona/Covid-19“ haben sich die Vereine Büchle, Miteinander für Büchenbronn, Sportverein und die Ortsgruppe des DRK zusammen getan.

Flyer machen auf die Nachbarschaftshilfe aufmerksam

„Gemeinsam stehen wir auch das durch“, ist auf zirka 1.500 Flyern zu lesen. Diese haben die Ehrenamtlichen verteilt, um älteren, durch das Virus besonders gefährdeten Büchenbronnern über die Zeit der Pandemie zu helfen. Sie nehmen ihnen Einkäufe ab und besorgen Medikamente. Der Kontakt wird über eine Hotline hergestellt.

Rainer Meeh von „Miteinander für Büchenbronn“ verweist auf eine Excel-Tabelle, auf der ersichtlich ist, welche Helfer wann verfügbar sind. „Auch die Wohnorte sind verzeichnet“, erklärt der Rentner. So wird darauf geachtet, dass die Wege nicht so weit sind.

Büchenbronner helfen Büchenbronnern: Die Initiative ist erreichbar unter Telefon (0171) 6 23 11 00.

Für die 33-jährige studierte Betriebswirtin Mandy Kratzer ist es an diesem kalten Morgen der zweite Einsatz. Sie ist dick eingemummelt und hat Desinfektionstücher dabei. „Wenn man die Schlangen vor dem Bäcker und im Lebensmittelmarkt sieht, kann man verstehen, dass sich ältere Menschen nicht raus trauen.“ Sie stellt fest, „dass die Menschen sehr diszipliniert sind“ und die Vorgaben befolgen.

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Einkaufshelfer und telefonische Seelsorger für Ältere

Ernst Mahler vom Verein Büchle ist es wichtig, mit der Hilfsaktion auch die Verbundenheit zu transportieren, die seiner Ansicht nach den Stadtteil Büchenbronn besonders auszeichnet. „Man ist in Vereinen verwurzelt.“ Und man kennt einander weitgehend. Weil aber trotz aller Vertrautheit nicht jeder jeden kennen kann, weisen sich die Helfer mit eigens angefertigten Karten aus, auf der der jeweilige Name steht.

Die Leute sollen ihr Schwätzchen haben

Bei der Versorgung mit Lebensmitteln darf das Menschliche nicht zu kurz kommen. „Das ist bei uns keine Fließbandarbeit“, betont Meeh. Wenn die Besorgungen übers Telefon vereinbart werden, schlüpfen er und die Kollegen mitunter in die Rolle eines Telefonseelsorgers. Vor allem gilt das, wenn Menschen allein leben und wenig Ansprache haben. „Die Leute sollen ihr Schwätzchen haben“, sagt Kratzer.

Bislang elf Hilfseinsätze in Pforzheim

Seit einer Woche bieten die knapp 30 Engagierten ihre Dienste an und haben bislang elf Familien geholfen. „Die Menschen sind sehr dankbar“, erzählt Meeh.

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Mittlerweile ist Mandy Kratzer im Edeka, wo es sehr belebt ist. Die Desinfektionstücher kann sie gut gebrauchen, wenn sie den Einkaufswagen durch den Laden schiebt.

Im Supermarkt gibt es wieder Toilettenpapier

Sie kauft Paprika, Gurken, Kiwi, Milchprodukte und ergattert sogar Toilettenpapier. Wenn es etwas von der Einkaufsliste nicht gibt, macht sie sich eine Notiz fürs nächste Mal.

Man bekommt so viel Schönes zurück

Einkaufshelferin Mandy Kratzer

Eine halbe Stunde später klingelt Kratzer erneut beim Ehepaar Günther. Die ältere Frau kommt die Treppen herunter, um die Sachen entgegen zu nehmen. Und dann bleibt – bei entsprechendem Abstand – noch Zeit für ein Schwätzchen. Das macht auch der jungen Frau Freude. Sie habe derzeit keine Arbeit, sei aber ein positiver Mensch. „Ich leiste gerne Hilfe, wo ich kann. Man bekommt so viel Schönes zurück.“

Bei „Pforzheimhilft“ unterstützen junge Pforzheimer ältere und vorerkrankte Mitbürger in Pforzheim und im Enzkreis. Sie sind zu erreichen montags bis samstags, 11 bis 14 Uhr, unter Telefon (0 72 31) 1 33 37 10.
Das Missionswerk GGP ist zu erreichen unter (0 72 31) 1 33 19 52 oder Email: hilfeleistung@gg-pf.de.
In Hohenwart erhalten Bürger Hilfe unter (0 72 31) 39 13 80 oder via E-Mail an ov-hohenwart@pforzheim.de.
In Huchenfeld können Betroffene eine Email schreiben an: einkaufsservice.huchenfeld@outlook.de oder sich telefonisch unter (0 72 31) 39 14 07 melden.
Die Nachbarschaftshilfe Würm ist zu erreichen unter (0 72 31) 391670 oder per E-Mail an ov-wuerm@pforzheim.de. In Eutingen kann man täglich von 8 bis 12 Uhr bei der Ortsverwaltung anrufen (0 72 31) 39 13 11 oder Hilfe per E-Mail erhalten über: ov-eutingen@pforzheim.de.
Weitere Hilfsangebote gibt es unter anderem in Remchingen, Telefon (0 72 32) 7 97 99 00; bei der 3Sam-Kirchengemeinde, Telefon (0 72 36) 28 97 39; bei der Kirchengemeinde in Kieselbronn und Ölbronn-Dürrn, Telefon (0 72 37) 48 02 03. PK