CfR-Trainer Gökhan Gökce berichtet der Polizei den Vorfall. | Foto: Arnd Waidelich

Fußball-Oberliga

Eklat beim CfR: Spieler soll Trainer Gökce ins Krankenhaus geprügelt haben

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Als am Samstag um 16 Uhr in ganz Pforzheim die Sirenen heulten, um den Ernstfall zu simulieren, war dieser im Holzhof-Stadion längst eingetreten. Es war weniger die  0:2-Niederlage des CfR gegen den TSV Ilshofen, welche den im VIP-Zelt anwesenden Pforzheim-Fans das Entsetzen in die Ge­sichter schrieb, sondern vielmehr die dramatischen Szenen, die sich in der Halbzeitpause bei den Pforzheimern abgespielt haben.

Gökce stürmt unter Schmerzen aus den CfR-Katakomben

Soviel ist bekannt: Etwa fünf Minuten nach dem Halbzeitpfiff verlässt CfR-Trainer Gökhan Gökce plötz­lich und eilig die Katakomben in Richtung VIP-Zelt, wo er außer sich mit schmerz­verzerrtem Gesicht bestürzt innehält. Er hält sich die Seite, zieht sich auf die Pressekonferenzbühne zurück. Eine Polizistin kommt dazu, stellt Fragen. Ihre Kollegen schnappen sich einzelne CfR-Spieler. Noch im Verlauf der zweiten Halbzeit verlässt Gökce in einem Krankenwagen das Stadiongelände. Wie mittlerweile bekannt geworden ist, handelt es sich bei dem Spieler um Kushtrim Lushtaku.

Eigener Spieler soll auf CfR-Trainer Gökce losgegangen sein

Zu den genauen Hintergründen hielten sich die CfR-Verantwortlichen allerdings bedeckt, verwiesen auf die Diskretion von Vereins­interna. Doch das Unübersehbare war nicht zu übersehen: Auslöser der Ereignisse muss der von Kreshnik Lushtaku verschossene Elfmeter gewesen sein (35.). Zuvor hatten sich „Kresh“ und Johnathan Zinram um den Ball gestritten. Darauf mischte sich Kreshniks Bruder Kushtrim von der Bank aus fuchsteufelswild in den Disput mit ein.

Elfmeter-Streit eskaliert in der Halbzeitpause

Als die Pforzheimer zehn Minuten später statt mit einem Unentschieden mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine gingen – Ilshofen war durch einen von Ralf Kettemann verwandelten Elfer seinerseits in Front gegangen (32.) –, spitzte sich die Situation vor dem Spielertunnel zu: Zahlreiche Mitspieler versuchten, schlichtend auf die Streithähne um den weiterhin nicht zu bändigenden Kushtrim Lushtaku einzuwirken, doch schien ihnen dies offensichtlich nicht gelungen zu sein.

CfR-Spieler schweigen vorerst zu den Ereignissen

Sei es der von Beginn an wieder spielende CfR-Kapitän Domi­nik Salz, der spielstarke Julian Grupp oder der einsatz- und lauffreudige Joao Tardelli – keiner dieser sonst immer gesprächs­bereiten Pforzheimer Leistungsträger mochte nach dem Spiel etwas über die Vorkommnisse vor und in der Kabine äußern. Sie alle verschwanden schnell und wortlos mit finsterer Miene in derselben. Nach der Halbzeit „wären die Spieler am liebsten gar nicht wieder auf den Platz gekommen“, ließ CfR-Teammanager Ale­xander Freygang, der stellvertretend für Gökce im zweiten Durchgang an der Seitenlinie stand, tief blicken.

Ilshofen-Sieg gerät zur Nebensache

Während die Ilshofener ein nun nebensächlich gewordenes Spiel mit 2:0 gewannen und sich  in Feier­laune wieder auf den Heimweg machten, schien es bei den Goldstädtern eine andere, veränderte Tagesordnung zu geben. Joao Tardelli, Teamplayer und langjähriger Kenner der Pforzheimer Truppe, verschwand mit einem großen Tablett voller Bierbecher in der Um­kleidekabine – ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt der – restlichen – Mannschaft.

Von Harald Funke und Sebastian Kapp