BOMBENENTSCHÄRFER BEI DER ARBEIT: Kurz nach dem Fund wurde eine Evakuierung angeordnet. | Foto: IM

Evakuierung ist aufgehoben

Entwarnung in Pforzheim: Bombe sauber entschärft

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Wenige Minuten, dann ist der Spuk in Pforzheim vorbei: Um kurz nach 19 Uhr kann die 500 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr explodieren.

Die BNN haben Evakuierung und Entschärfung in einem detaillierten Live-Ticker begleitet.

Sicherheitskräfte im Max-Brod-Weg und viele Menschen  in der Stadt atmen auf, auch wenn der Blindgänger zunächst noch da in der Baugrube liegt, wo ihn ein Baggerfahrer rund achteinhalb Stunden früher ausgegraben hat. Der Sprengkörper muss noch auf einen Lastwagen gehievt und abtransportiert werden. Danach können die vielen Menschen, die ab 15 Uhr aus Sicherheitsgründen ihrer Häuser verwiesen worden waren, wieder zurück und 300 Einsatzkräfte können nach und nach abziehen.

Baggerfahrer hatte weiche Knie

Von der Evakuierung betroffen ist auch Gerhard Hölzer, der im Alter von zwei Wochen am 23. Februar 1945, als die Bombe auf die Südstadt fällt, die Zerstörung Pforzheims nur knapp überlebt. „Meine Mutter ist mit mir damals von Karlsruhe ins vermeintlich sichere Pforzheim zu meiner Tante gezogen. Das Haus wurde beim Angriff getroffen. Nur weil im Keller ein Durchgang ins Nachbarhaus war, konnten wir uns retten.“
Ausgelöst wird der Großeinsatz etwa um 10 Uhr. Die 500 Kilogramm schwere Bombe wird auf einer Baustelle in Max-Brod-Straße ausgegraben, nachdem sie bereits am Donnerstag durch eine routinemäßigen GPS-Ortung entdeckt worden ist. Dennis Bratschke von der Firma Hoyn aus Königsbach-Stein hat sie dann ausgegraben. Er sagt: „Da hat man schon weiche Knie.“ Seinen nicht ganz ungefährlichen Job hat Bratschke nach Anleitung der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst gemacht.

Schule war schon vorher aus

Was danach passiert, ist vielfach geübt bei den Einsatzkräften: Feuerwehr, Polizei, Kampfmittelbeseitigung und Stadtverwaltung bilden einen Einsatzstab. Das DRK rückt mit zehn Leuten und ihrer Ausrüstung für diesen Ernstfall an, später kommen Ehrenamtliche aus Pforzheim, Tiefenbronn, Kieselbronn und Nußbaum dazu. Später prüfte die Polizei vom Hubschrauber aus mit Wärmebildkamera, ob noch jemand im Gebiet ist.
Dass die Weltkriegsbombe entschärft werden muss, steht natürlich außer Frage. Das Wann dagegen entwickelt sich dem Vernehmen nach zu einem Knackpunkt bei den Gespräche im Einsatzstab über das weitere Vorgehen. Das hat viel mit dem guten Zeitpunkt für eine Evakuierung sowie mit dem dafür benötigten Vorlauf zu tun. Um 15 Uhr sind zum Beispiel die über 1 000 Schüler längst weg, die beim Ausbaggern der Bombe noch in den Klassenzimmern der Ludwig-Erhard-Schule sitzen. Auch ob die Goldschmiedeschule nun im oder außerhalb des Evakuierunggebiets liegt, ist zum Zeitpunkt der tatsächlichen Räumung nicht mehr sehr relevant. Auch dort sind die meisten der normalerweise 500 Schüler ins Wochenende entschwunden. Und auch für die über 350 Schüler in der Südstadtschule ist der Unterricht natürlich aus, als Handzettel verteilt werden und an Türen geklingelt wird.

Stadt Pforzheim  informierte vorbildlich

Informationen bekommen die Betroffenen auf der städtischen Homepage – erfahren dort zum Beispiel, dass die Linie 5 einen anderen Kurs fährt – sowie über ein eigens eingerichtetes Bürgertelefon. Drei Ansprechpartner beantworten die Fragen von 220 Anrufern und vermitteln, wenn es um spezielle Bedürfnisse geht. So gilt es für 15 Leute mit Behinderung eine gute Lösung zu finden. Sie kommen entweder gleich gut 100 anderen in die Jahnhalle oder werden vom DRK in seiner Zentrale in der Kronprinzenstraße betreut.