Corona ist auch ernährungstechnisch eine Herausforderung: Davon ist zumindest Anne-Carin Heit überzeugt. Die studierte Ernährungsberaterin hat vor allem den Snacks den Kampf angesagt. | Foto: Wacker

Ernährung immer ungesünder

Ernährungsberaterinnen aus Pforzheim: Auch in Krise aufs Essen achten

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Wie wirkt sich eigentlich die Corona-Krise auf unsere Ernährung aus? Eine Ernährungsberaterin aus dem Enzkreis und eine Kollegin aus Pforzheim jedenfalls warnen: Der Trend zu Junk Food, Snacks und Konserven dürfte auch in der Krise nicht nachhaltig zum Erliegen gekommen sein.

Wenn Anne-Carin Heit im Supermarkt in die Regale voller Junk Food und Konserven schaut, dann denkt sie vor allem an eines: potenzielle Klienten oder Patienten. Dass derartige Ernährung nicht unbedingt gesund ist, das ist zwar bekannt.

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Doch die Ispringer Ernährungsberaterin, die in Pforzheim arbeitet, sieht gerade in der Corona-Zeit einen gefährlichen Trend in die falsche Richtung. „Das Risiko ist schon gestiegen, das glaube ich schon. Aber es ist den wenigsten bewusst – erst, wenn es schon fast zu spät ist“, sagt sie.

Reduziert die Krise den Kalorienbedarf?

Dann nämlich, wenn aus zu viel Snacks und Fast Food Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Störungen werden, kommt die studierte Ernährungswissenschaftlerin ins Spiel, die im Oktober eine Praxis in Ispringen eröffnet.

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Die Risikofaktoren sind dabei ja durchaus bekannt: zu wenig Bewegung bei gleichzeitiger Zunahme an Ungesundem, zählt Heit auf. Vor allem die Snacks seien Gift. „Es geht darum, dass die Bauchspeicheldrüse nicht immer beschäftigt ist“, erklärt Heit. Das habe dann nämlich hormonelle Auswirkungen. Zumal ja viele durch Corona zu wenig Bewegung haben, „dadurch reduziert sich auch der Energiebedarf“, sagt Heit weiter.

Umso mehr setzen da die Snacks an. Also am besten alles radikal stoppen? „Nein“, meint die Expertin. „Wenn ich mir Schokolade verbiete, dann will ja erst recht Schokolade essen.“ Das sei ja eben der klassische Jojo-Effekt, in den man nicht geraten dürfe. Also appelliert Heit, lieber die Snacks bewusst zu genießen, in kleinen Schritten immer weniger davon zu essen, bis man schließlich zum Ideal von drei geregelten Mahlzeiten komme.

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Bei Überforderung bleibt das Kochen auf der Strecke

Ähnlich sieht das auch ihre Kollegin Susanne Keppler, die ebenfalls in Pforzheim ihre Patienten therapiert, darunter häufig auch Familien. Gerade die Kinder, sagt Keppler, seien im Moment besonders gefährdet. „Einige Eltern sind mit der Corona-Krise überfordert“, berichtet sie.

Homeoffice klinge zwar im ersten Moment nach einer guten Möglichkeit, um mehr zu kochen als vor der Krise. Doch spätestens, wenn dazu noch Homeschooling-Aufgaben kommen, seien viele Eltern „zeitlich limitiert“ – und dann bleibe das Kochen schon einmal auf der Strecke. „Ohne Disziplin ist das schwer machbar, und die fehlt bei vielen“, sagt Keppler.

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In ihrer Praxis setze sie daher vor allem auf „Wenn-Dann-Gespräche“, also minutiös ausgearbeitete Szenarien, im Sinne von „wie handel ich, wenn ich um 17 Uhr Hunger verspüre und der Kühlschrank ruft“.

Fettleber und Diabetes bei Kindern auf dem Vormarsch

Vor allem das Selber-Kochen sei einer der Schlüssel, betont Keppler. Zwar beobachte sie auch, dass wirkliches Kochen jenseits vom Nudelwasser-Warmmachen eine Kunst sei, die nicht mehr jeder beherrsche.

Doch nicht alles, was schnell gehe, sei auch ungesund. Tiefkühlobst etwa sei deutlich gesünder als sein Ruf. Damit beschreibt sie einen Trend, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen.

In der Woche nach Ostern nämlich wurde Tiefkühlobst um 53 Prozent stärker nachgefragt als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, während die Nachfrage nach den klassischen Hamster-Produkten Reis und Nudeln Ende April erstmals wieder unter den Vorjahreswert fielen.Also geht der Trend doch zur gesünderen Ernährung?

Heit und Keppler sind skeptisch, allein schon aufgrund des generellen Trends. „Rund 30 Prozent der Deutschen leiden heute unter einer nicht-alkoholischen Fettleber. Das war früher eine Seltenheit“, berichtet etwa Keppler. Immer mehr Kinder haben Altersdiabetes, so Heit. Ihre Patienten gingen ihnen also nicht aus.