Großes Interesse hatten die mehr als 150 Besucher am neuen Rathaus in Wilferdingen. In vier Gruppen wurden sie durch die drei Obergeschosse und das Foyer geführt. Am Jahresende soll das Gebäude offiziell eröffnet werden. | Foto: Ehmann

Rathausbau in Remchingen

Eröffnung verzögert sich bis Jahresende

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Noch ist es eine Baustelle, auf allen Etagen wird gebohrt, getackert und gewerkelt, der Boden ist mit Folie bedeckt und man muss aufpassen, dass man nicht über Bodenplatten stolpert oder an den Hubwagen stößt. Dennoch haben mehr als 150 Besucher beim Besichtigungstermin einen Eindruck gewonnen, wie das neue Rathaus auf dem Wilferdinger San-Biagio-Platani-Platz zwischen Kulturhalle, Diakonie, Altenheim und B10 schon bald aussehen wird.

Die Eröffnung war für Anfang Oktober geplant, wird aber wohl auf das Jahresende verschoben, gab Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon bekannt. Der Grund sei, dass sich einzelne Gewerke verzögert haben und Wünsche der Gemeinderäte noch mitaufgenommen werden mussten.

Wir liegen gut im Zeitplan

„Wir liegen sonst aber gut im Zeitplan und man sieht Woche für Woche, wie es vorangeht“, erklärt Prayon, der beteuert, „gottfroh zu sein, wenn alles fertig ist“.
Lange hat sich das Großprojekt hingezogen – und „einige Wogen geschlagen“, sagte Roland Kröner, Vorsitzender der Remchinger CDU, der gemeinsam mit den Gemeinderäten Dieter Walch und Kurt Ebel die Besucher durch den Bau führte. Eingeladen hatten die CDU Remchingen und die Gemeinderatsfraktion.

Heftige Diskussion um die Kosten für das Bauprojekt

Den Beschluss, das Verwaltungszentrum auf dem San-Biagio-Platani-Platz in der Mitte Wilferdingens zu bauen, fasste der Gemeinderat im Januar 2014. Bis 2010 hatte es in der Gemeinde noch drei Rathäuser gegeben, die aber nicht mehr modernen Ansprüchen genügen. Nach dem Baubeschluss entwickelte sich eine Diskussion um das Rathaus, das wie mehrfach berichtet von einer Bürgerinitiative heftig bekämpft wurde. Der Grund war die befürchtete Kostenexplosion. Der Bau soll 13,7 Millionen Euro kosten und der Bürgermeister ist „zuversichtlich, dass wir im Rahmen bleiben“.

„Remchinger Bier“ wird derzeit gebraut

Diskussionen gab es auch um die Tiefgarage und die Gastronomie im Gebäude. Wie berichtet, hat das „Brauhaus 2.0“ vor circa zwei Monaten bereits eröffnet und Braumeister Jochen Martin ist momentan dabei, das „Remchinger Bier“ zu brauen. Derzeit sei es noch im Gärungsprozess und in etwa zwei Wochen soll es fertig sein, so Prayon. Die Gastronomie sei ein Angebot, um den Platz auch wochenends zu beleben, wenn im Rathaus in der Regel nicht gearbeitet wird, betonte der Bürgermeister. Fremdvermietungsbereiche solle es auf jeder Etage geben.

Die Brauerei im Erdgeschoss hat seit zwei Monaten geöffnet. Foto: eh | Foto: Ehmann

Tiefgarage wegen Kosten umstritten

Umstritten war auch die Tiefgarage – vor allem wegen der Kosten von einer Million Euro. Die Hälfte werde allerdings mit Landeszuschüssen finanziert, so Prayon. Der Bedarf für die 89 Stellplätze sei da, wie sich durch das Interesse und Anfragen der umliegenden Polizeistation, Altenpflegeheim und Diakonie gezeigt habe. Außerdem wolle die Gemeinde versuchen, mit den unterirdischen Parkplätzen die Autos von der Straße zu bekommen und auf dem San-Biagio-Platani-Platz zum Verweilen einzuladen. Große Bäume wie vor Baubeginn werden jedoch nicht möglich sein, bedauert Prayon: „Das ist der Preis, den wir bezahlen müssen.“ Kleine, mobile Bäume sollen jedoch aufgestellt und ein Wochenmarkt auf dem Platz installiert werden.

Bürgerbüro im Erdgeschoss

Das neue, fünfeckige Rathaus mit seiner Fläche von 4 400 Quadratmetern und Platz für die mehr als 50 Mitarbeiter habe viele Funktionen, die die bisherigen Rathäuser noch nicht hatten – etwa Barrierefreiheit. Im Foyer wird das Bürgerbüro untergebracht sein, das als Anlaufstelle für alle dient und auch mit Sitzgelegenheiten versehen werden soll. Zwei Aufzüge soll es im Gebäude ebenfalls geben.

Schöner tagen: Der Ratssaal im zweiten Obergeschoss bietet einen Panorama-Ausblick auf den San-Biagio-Platani-Platz. Foto: eh | Foto: Ehmann

Ratssaal mit Panorama-Aussicht

Im ersten Obergeschoss sind Polizei, Sozialamt, Bauamt und das Standeszimmer untergebracht. Letzteres wird für mehrere Zwecke genutzt: als Besprechungszimmer für größere Runden und für Ratsfraktionstreffen.
Umstritten war auch der große Sitzungssaal im zweiten Obergeschoss. Braucht es den? sei häufig gefragt worden. Der Gemeinderat war der Ansicht, dass das der Fall sei. Mit Empore für die Zuschauer, Holzverkleidung und einer großzügigen Fensterfront mit Blick auf Kulturhalle und San-Biagio-Platani-Platz sollen hier künftig die Gemeinderatssitzungen stattfinden. Auf der Etage zieht zudem das Rechnungsamt ein.
Im dritten Obergeschoss haben das Hauptamt und Bürgermeister Prayon ihr Büro – „in überschaubarer Größe“, wie der Rathauschef schmunzelnd sagte.