Die Schauspielerin und Schlagersängerin Jennah Karthes wurde im Polizeirevier Pforzheim-Nord angeblich von Polizisten sexistisch beleidigt. | Foto: privat

Schauspielerin Jennah Karthes

Ex von Christian Anders: schwere Vorwürfe gegen Polizei

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Schwere Vorwürfe gegen drei Polizeibeamte des Reviers Pforzheim-Nord: Schauspielerin Jennah Karthes de Branicka („Goblin 2“) soll im Polizeirevier von zwei Männern und einer Frau schikaniert und sexistisch beleidigt worden sein. Man habe sie am späten Dienstagabend zwei Stunden lang festgehalten.

Vorwurf: Mit ungültigem Ticket Bus gefahren

Was war passiert? Die in Baden-Baden und Karlsruhe lebende Karthes wurde in einem Pforzheimer Bus ohne gültigen Fahrausweis erwischt. Statt der geplanten Rückfahrt nach Baden-Baden hieß es an diesem Abend: Endstation Polizeirevier Pforzheim-Nord. Dort musste die Schauspielerin und Schlagersängerin „wie eine Schwerverbrecherin“ ihre Fingerabdrücke abgeben und sich fotografieren lassen, wie sie im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier empört berichtet. Dabei habe man sie schroff an der Hand gepackt.

Wir können Sie nacktmachen

Einen Anwalt habe sie nicht anrufen dürfen, klagt die 36-Jährige. Als sie gegen das Vorgehen der Diensthabenden protestierte, sollen diese gesagt haben: „Es geht auch anders, wir können Sie nacktmachen.“ Mit zitternder Stimme schildert die gebürtige Hagenerin ihre Sicht des Vorfalls. „Mein Handy-Akku war leer, ich durfte niemanden anrufen, war der Situation völlig ausgeliefert.“ Jennah Karthes war Anfang der 2000er-Jahre mit dem zuletzt umstrittenen Schlagerstar Christian Anders („Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“) verlobt. Gemeinsam nahmen sie mehrere Songs auf („Der Tag an dem die Erde stillstand“).

Ich habe mich völlig schutzlos gefühlt

Die Pforzheimer Beamten hätten sich über die mutmaßliche Schwarzfahrerin im Internet informiert und sich daraufhin lustig gemacht. „Sie haben sich hinter meinem Rücken totgelacht“, sagt Karthes. „Ich musste mir blöde Sprüche anhören. Ich habe mich völlig schutzlos gefühlt.“ Auf Nachfrage habe ihr auch keiner den Dienstausweis zeigen wollen. Doch wie kam es eigentlich zu dem Vorfall auf dem Revier? Die Frau, die auch schon mal an der TV-Sendung „Shopping Queen“ in Baden-Baden teilnahm, hatte kurz zuvor ihren Mann in der Arcus-Klinik besucht. „Er hatte eine komplizierte Schulter-OP“, sagt sie.

Der Schlagerstar Christian Anders, der zuletzt mit umstrittenen Verschwörungstheorien auffiel, war Anfang der 2000er Jahre mit Jennah Karthes liiert. | Foto: dpa

Opfer des ÖPNV-Tarifdschungels?

Auf der geplanten Rückfahrt zum Wohnort Baden-Baden stieg sie an der Arcus Klinik in den Bus zum Bahnhof – wie sich herausstellte mit dem falschen Ticket. Da sie sich mit dem Kontrolleur nicht einigen konnte, wurde die Polizei hinzugezogen. Die Beamten nahmen die Sängerin gleich mit aufs Revier.
„Es ist uns egal, wo Sie schlafen“, soll ein Beamter gesagt haben, nachdem Karthes auf die letzte Bahnverbindung hinwies. Es fährt kein Zug nach nirgendwo – schließlich musste die Künstlerin, die durch ihre Liaison mit Christan Anders bekannt geworden war, spätnachts mit dem Taxi zurück in die Kurstadt. Ist sie ein Opfer des ÖPNV-Tarifdschungels?

Zwei Stunden soll Jennah Karthes im Polizeirevier Pforzheim-Nord festgehalten worden sein. | Foto: Streib

Es geht um ein Ticket für 2,40 Euro

Der Vorwurf der Polizei lautet: Erschleichen von Leistungen. Es geht um einen fehlenden Fahrschein für 2,40 Euro. „Ich hatte ein netzübergreifendes KVV-Ticket und dachte, dass das auch im Bus gültig ist“, erklärt Karthes. Sie habe das Ticket dem Busfahrer gezeigt. Der habe genickt und sie durchgelassen. Dann kam ein Kontrolleur – und das Drama nahm seinen Lauf.

Sie ist nervlich angeschlagen

Jennah Karthes’ Coach und enger Vertrauter Marko König sagt, er habe Karthes in der Nacht auf Mittwoch telefonisch betreut. „Sie ist nervlich angeschlagen.“ Er könne nicht verstehen, warum man eine „unbescholtene Bürgerin mit positivem Image“ so behandelt. „Wir haben in der Gesellschaft keine Balance mehr.“ Jetzt möchte Jennah Karthes laut eigener Aussage Strafanzeige gegen die Polizeibeamten stellen – zwei Männer und eine Frau.

Polizei will Vorwürfe prüfen

Und was sagt die Polizei? „Der Vorgang ist dokumentiert“, erklärt Polizeisprecher Raphael Fiedler vom Karlsruher Präsidium auf Kurier-Nachfrage. Genaue Angaben könne er derzeit jedoch keine machen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle. Generell gilt: Das Erschleichen von Leistungen sei eine Straftat, die die Polizei verfolgen müsse. „Man kann da nicht einfach sagen, es geht nur um 2,40 Euro.“
Zu den Anschuldigungen gegen seine Pforzheimer Kollegen sagt Polizeisprecher Fiedler: „Wir gehen der Sache nach. Man muss das jetzt in Ruhe aufarbeiten.“ Das sei eine Verpflichtung gegenüber dem Bürger.
„Wenn ihr ein Anruf verweigert wurde, wäre das ein Vergehen der Beamten und eine berechtigte Beschwerde“, stellt Fiedler klar.