Kein Blatt vor den Mund nahm die deutsche Hip-Hop-Gruppe Trailerpark bei ihrem Auftritt auf dem Happiness, zu der auch Künstler Alligatoah (orangene Jacke) gehört. Foto: Zachmann

„Happiness“ in Schwann

Fans lassen Musikfestival beben

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Größer, bunter, Happiness: Die Organisatoren des Straubenhardter Happiness-Festivals legten erneut eine Schippe drauf und machten aus dem ohnehin mit Abstand größten Musikfestival der Region ein unvergessliches Wochenende. Rund 10 500 Besucher teilten am Freitag und Samstag die gute Laune, Gelassenheit und Partystimmung. 22 angesagte Künstler und Bands brachten die Wiesen vor Schwann und den Zeltplatz regelrecht zum Beben. Kein Wunder, dass die Karten schon im Januar restlos ausverkauft waren.

Über Zehntausend Happianer feierten am Wochenende vor Schwann und lobten neben der Musik auch die Atmosphäre des vergleichsweise friedlichen Festivals.

10 500 Fans teilen die gute Stimmung

In einem frischen Holzoptik-Look präsentierte sich das Gelände, das an Streetfood-Ständen von Maultaschen über Chili-Eis bis zum Döner für die passende Stärkung zum Feiern sorgte. Das neue Design kam gut an bei den Fans: „Klein aber herzlich“, brachte es der 20-jährige Festivalfan Dennis Habig aus Limburg auf den Punkt und lobte das freundliche Flair: „Das ist nicht einfach so eine große Rollbahn wie bei Rock am Ring.“ „Auch beim Camping gibt es verglichen mit dem Southside-Festival Platz ohne Ende und freie Sicht“, freute sich die 19-Jährige Lea Beck aus Esslingen. „Die Stimmung ist das Besondere am Happiness“, lobte auch die 15-Jährige Sarah aus Conweiler, die mit ihrer Freundin Fabienne aus Hannover in die Dämmerung schaukelte und dabei den Blick über die tanzenden Massen genoss: „Aber gleich gehen wir ganz nach vorne, dann kommt Trailerpark.“

Richtig kommerzielle Drecksmusik

Eingeheizt von „Massendefekt“, „Anti-Flag“ und „Heisskalt“ strotzte am Freitagabend der Trailerpark-Frontman Alligatoah mit seinen Texten nur so vor Ironie und Zynismus: „Richtig kommerzielle Drecksmusik: großartig, das spielt wieder Geld in die Kasse“, stellten die Musiker vor dem Bühnenbild einer fettleibigen nackten Frau und neben immer wieder auflodernden Flammen fest – der jubelnden Masse schien es zu gefallen. „Alles endet – aber nie die Musik“ und „Lang lebe der Tod, unser täglich Brot“, sang wenig später der deutsch-amerikanische Rap-Rocker Casper in einer markant gelben Regenjacke und ließ das Happiness komplett durchdrehen. Schließlich hatten die Fans Umfragen zufolge viele Jahre auf den 35-Jährigen gewartet und die Organisatoren lange daran gearbeitet, ihn nach Straubenhardt zu holen: „Ich brauche alle Arme oben, eure vollen Kraftreserven und die volle Eskalation!“, rief er ins Partyvolk. Casper, dessen „Oeoh“-Gesang vom „geliebten Hinterland“ lange im Publikum nachhallte, ließ die Bühne vibrieren und bat: „Kann ich von allen beide Mittelfinger sehen gegen Sexismus, Rassismus, Faschismus?“ Dazu brauchte er kein zweites Mal auffordern.

Rapper Casper ließ als Topact in einer markant gelben Regenjacke das Happiness komplett durchdrehen. Foto: Zachmann

Rapper Casper kommt endlich nach Schwann

Eine positiv-friedliche Zwischenbilanz bis auf wenige kleine festivaltypische Einsätze zog auch der Polizei-Einsatzleiter Mathias Stephan vom Revier Neuenbürg: „Hier herrscht eine gechillte Atmosphäre“, brachte er es in der Sprache der Happianer auf den Punkt und lobte die gute Zusammenarbeit mit den Organisationen und Veranstaltern in Sachen Sicherheitskonzept: „Es geht uns darum, den Besuchern den Spaß zu ermöglichen. Nur für den Fall der Fälle – der bisher nie eingetreten ist – sind wir mit entsprechenden Reserven vor Ort.“

Vier Tage Ausnahmezustand mitten in der Idylle

Kein bisschen müde rissen die Happianer nach der „Antilopen Gang“ und den „Subways“ in der Nacht zum Sonntag die Hände in die Luft und rockten der Alternative-Punkband „Beatsteaks“ entgegen. Die fünf Freunde aus Berlin gehörten zu den Topacts des Happiness. „Von Donnerstag bis Sonntag vier Tage kompletter Ausnahmezustand – und das mitten in der Idylle und Region“, resümierte Antonia Bäuerle, Studentin aus Dietlingen. Julian Zachmann