Daria Morosow und Stefan Maier haben eine Vision: Klamotten leihen statt tauschen. Möglich machen wollen die beiden Start-up-Unternehmer dies über ihre Webplattform www.klyda.de. | Foto: Stefan Friedrich

Mode-Start-up

Auf der Fashion-Sharing-Plattform „Klyda“ kann man passende Mode für viele Anlässe leihen

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Gut gekleidet für jede Gelegenheit, dafür braucht es nicht immer einen Schrank voller Kleider. Ein Pforzheimer Start-up hat eine Fashion-Sharing-Plattform entwickelt, auf der man sich Outfits ganz einfach ausleihen kann. Damit wollen die Gründer den Nutzern nicht nur Geld sparen, sondern auch das Klima schonen.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Wie oft kommt es vor, dass man – anlassbezogen – Kleidung braucht, die womöglich teuer ist, jedoch nur ein einziges Mal getragen wird und danach nie wieder. Ein Start-up aus Pforzheim will da Abhilfe schaffen. Daria Morosow und Stefan Maier haben mit Unterstützung eines Programmierers eine Fashion-Sharing-Plattform entwickelt, über die User Outfits ausleihen können. Momentan sind sie in der Aufbauphase. Die beiden haben aber bereits einige Influencer gewonnen, die von ihrer Idee überzeugt sind.

Basis einer jeden Geschäftsidee sollte bekanntermaßen die Lösung eines möglichst breit auftretenden Problems sein. Wirtschaftsinformatiker Stefan Maier sah sich selbst schon vor der Herausforderung, passende Kleidung für gewisse Anlässe haben zu müssen. Warum soll man die immer kaufen, habe er sich überlegt. Er entdeckte einen alternativen Ansatz: ausleihen gegen Kaution und später zurückgeben, fertig.

Wirklich getragen werden davon weniger als die Hälfte – alles andere landet neuwertig in der Tonne.

Text auf der Klyda-Website

Das spare nicht nur viel Geld, sondern sei auch nachhaltig. Nicht alleine, dass die Produktion eines neuen, hochwertigen Kleidungsstücks mindestens 15 Kilogramm CO2 verursache. Durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke landen jährlich im Kleiderschrank jedes Deutschen, lassen sie die Nutzer ihrer Plattform wissen. „Wirklich getragen werden davon weniger als die Hälfte – alles andere landet neuwertig in der Tonne“.

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Firmengründer arbeiten mit der Hochschule Stuttgart zusammen

Genau da setzt das Prinzip von „Klyda“ an, das Maier und Morosow entwickelt haben. Die Lebensdauer von Kleidungsstücken soll maximal ausgeschöpft werden, indem einzelne Stücke – von Schuhen über die Sonnenbrille bis zu Schmuck – verliehen werden. Gegen eine Gebühr, die die Anbieter selbst festlegen dürfen, und gegen Kaution.

Bei der Suche nach einer weiblichen Partnerin für das Geschäftsmodell fand Maier unter vielen „Bewerberinnen“ Daria Morosow. Sie hatte nicht nur Ähnliches geplant, sondern strahlte auch jene Begeisterungsfähigkeit aus, die es braucht, um quasi aus dem Nichts ein Start-up einzuführen. Beide brachten je 500 Euro Startkapital mit.

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Die Organisation der Firma läuft vorerst über die Hochschule Stuttgart, genauer gesagt die Technologie-Transfer-Initiative GmbH. Diese übernimmt alle wichtigen Bereiche der Unternehmensführung, die die Gründer noch nicht aus eigener Kraft stemmen können – mit dem Ziel, dass diese sich auf die Umsetzung ihrer Idee fokussieren. Der Unternehmenssitz von Klyda ist im GründerWerk in Pforzheim.

Neben Privatleuten sollen auch Boutiquen mitmachen können

Momentan arbeiten die Beiden daran, die Zahl der eingestellten Artikel auf mindestens 500 zu erhöhen. Erst dann sehen sie eine hinreichend große Auswahl für die Kunden gewährleistet und schalten die Ausleihfunktion frei, erklären sie im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier.

Soll die Plattform später vor allem zwischen Privatleuten vermitteln, akquirieren sie – um das Angebot zu erhöhen – derzeit auch Boutiquen, die keinen eigenen Webshop haben. Für Boutiquen sei die Plattform ein ideales Schaufenster – auch, weil sich Kunden neben der Leihe auch für die Option eines Kaufs entscheiden können.

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Wer sein Outfit über Suchfilter gefunden hat, lässt sie sich zusenden. Dieses Angebot soll zunächst auf Deutschland begrenzt sein. In andere Länder wollen sie erst expandieren, wenn sich Klyda hier etabliert hat und aus eigener Kraft ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, oder wenn sich ein Investor finde, der die Idee großflächig aufziehen will.