ZWEI NACHFOLGER: FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke und OB Peter Boch (CDU, rechts) würdigen Johann Peter Brandenburg, den ehemaligen Pforzheimer OB und Landtagsabgeordneten. | Foto: str

Saal in Stuttgart benannt

FDP würdigt Pforzheimer Stadtoberhaupt

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Die Konkurrenz war nicht unbedeutend, doch ein Pforzheimer hat sich durchgesetzt. Unter anderem der berühmte Soziologe und Kurzzeit-Abgeordnete Ralf Dahrendorf stand zur Auswahl, aber der Sitzungssaal der FDP/DVP-Fraktion im Stuttgarter Landtag wird nach Johann Peter Brandenburg benannt. Der prägende Pforzheimer Nachkriegsoberbürgermeister von 1947 bis 1966 und Ehrenbürger war nämlich auch langjähriger Landtagsabgeordneter sowie Fraktionsvorsitzender.

Sein Nachfolger in letzterem Amt, der Pforzheimer Hans-Ulrich Rülke, begründete die Auswahl am Dienstag mit dem langjährigen und erfolgreichen Wirken Brandenburgs im Landtag: „Ein beeindruckendes politisches Lebenswerk.“ Zur Feierstunde in den Königin-Olga-Bau am Schlossplatz waren nicht nur zahlreiche FDP-Abgeordnete gekommen, darunter Erik Schweikert aus dem Enzkreis, sondern auch Vertreter der politischen Mitbewerber wie SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Aus Pforzheim angereist war Brandenburgs hiesiger Amtsnachfolger Peter Boch, der, gleichwohl von der CDU, anscheinend die größte Wertschätzung Rülkes besitzt. Der FDP-Grande erwähnte, dass Brandenburg in Pforzheim drei Mal zum Oberbürgermeister gewählt wurde, was keinem seiner Nachfolger mehr gelungen sei. Mit Blick auf Boch ergänzte Rülke, das dies doch in Zukunft wieder gelingen möge.

Der Fraktionssitzungssaal der FDP wird nach dem früheren Vorsitzenden der FDP/DVP Fraktion, Johann Peter Brandenburg (1905 – 1977), benannt. Brandenburg war nach dem Krieg auch langjähriger Oberbürgermeister in Pforzheim. | Foto: pr

Boch freut sich über Nettigkeiten

Der amtierende Pforzheimer Rathauschef freute sich naturgemäß nicht nur über derlei Nettigkeiten, sondern auch über die Auswahl des Saalpatrons. Er denke oft an ihn, zumal er im Rathaus regelmäßig an Brandenburgs Porträtbild vorbei gehe, das von Otto Dix stammt.
Boch erinnerte daran, dass sich die heutigen Probleme Pforzheims relativierten im Vergleich zur kriegszerstörten Stadt der Brandenburg-Ära. Boch: „Der Wiederaufbau des zerstörten Pforzheims ist untrennbar mit dem Namen Johann Peter Brandenburg verbunden. Er ist eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte unserer Stadt, dessen politisches Wirken dort und in ganz Baden-Württemberg nachhaltige Spuren hinterlassen hat.“ Ebenfalls anwesend war die Tochter Brandenburgs, Sabine Brandenburg-Frank, die sich von der Ehrung ihres Vaters sehr bewegt zeigte.

 

Rülke hob in seiner Rede das Traditionsbewusstsein der liberalen Fraktion hervor, die in Baden-Württemberg die einzige sei, die seit der Gründung ohne Unterbrechung im Parlament vertreten sei. Weitere Räume sind nach den ehemaligen Abgeordneten Emmy Diemer-Nicolaus (Stuttgart) und Anna Hartnagel (Heidelberg) benannt.

Rülke und Ralf Dahrendorf

Und Ralf Dahrendorf? Der später von der britischen Queen zum Baron geadelte Denker, saß 1968/1969 nur kurz im baden-württembergischen Landtag. Nach ihm wird immerhin ein kleineres Besprechungszimmer benannt. Dass bei der Bevorzugung Brandenburgs auch eine gewisse persönliche Präferenz des Pforzheimers Rülke eine Rolle gespielt haben könnte, kann dieser mit guten Argumenten entkräften. Die Auswahl sei erstens nach historisch-wissenschaftlicher Empfehlung erfolgt. Zweitens ist Rülke auch Dahrendorf eng verbunden. Als junger Mann an der Uni Konstanz war er einst Mitarbeiter des linksliberalen Vordenkers. Dahrendorf habe ihn letztlich für die FDP begeistert.

Link: Der Landtag von Baden-Württemberg