Wer hat die schönere Mähne? Chiara Marqués Berger mit ihrem geliebten Friesenhengst.
Wer hat die schönere Mähne? Chiara Marqués Berger mit ihrem geliebten Friesenhengst. | Foto: L. Bassing

Online-Star aus Eisingen

Fest im Sattel: Chiara Marqués Berger

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Influencer, das sind doch diese immer gleich aussehenden hübschen jungen Dinger, die breit lächelnd Produkte in die Kamera halten und werbewirksame Sprüche aufsagen? Falsch. Als Gegenbeweis gibt es kein schöneres Beispiel als Chiara Marqués Berger.

Allroundtalent

Vergangenes Jahr machte sie ihr Abitur mit einer glatten 1,0 am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein. Sie spielt Cello und Klavier, sie turnt und reitet Dressur. Wenn man ihr zuhört, hat man das Gefühl, die Woche bräuchte mehr Tage, damit die 18-Jährige aus Eisingen ihr ganzes Potenzial ausleben kann. Ihre mehr als 20.000 Fans auf Instagram gewann Marqués Berger über die Liebe zu ihren Pferden Olli und Jirke, die auf einem Hof in Tiefenbronn stehen.

Das Glück der Erde liegt auch für Chiara Marqués Berger auf dem Rücken ihrer Pferde.
Das Glück der Erde liegt auch für Chiara Marqués Berger auf dem Rücken ihrer Pferde. | Foto: N. Walesch

Der Einstieg: Ein „Time for prints“-Shooting

Vor zwei Jahren reagierte eine Fotografin bei einem Shooting so begeistert auf das zierliche Mädchen mit ihren nachtschwarzen Friesen, dass es im Anschluss schnell weitere Anfragen hagelte. „Dieser erste Termin war ein sogenanntes ,Time for prints‘-Shooting. Das bedeutet, dass ich für die Fotos nichts bezahlen muss, der Fotograf sie aber auch frei nutzen kann“, erklärt die passionierte Reiterin. Mit der wachsenden Zahl ihrer Follower auf dem Account „horsesoulmates“ wurden schließlich auch Firmen auf die 18-Jährige aufmerksam. „Ich bekam beispielsweise Uhren von Paul Hewitt und Daniel Wellington zugeschickt. Oder Reitmode, die ich behalten durfte und die ich auf einigen Bildern trage“, erzählt Marqués Berger.

Eine Gefahr für die Werbefirmen?

Einen Zwang gebe es jedoch nicht: Was einem als Social Influencer nicht gefalle oder nicht zum eigenen Stil passe, könne problemlos zurückgeschickt werden. „Die Kommunikation läuft sehr locker und entspannt“, weiß die 18-Jährige aus eigener Erfahrung. In Influencern eine Gefahr für die Werbebranche zu sehen, hält Marqués Berger für übertrieben: „Wir tun ja nichts anderes, als unsere Meinung zu Produkten abzugeben. Werbefirmen haben da schon eine ganz andere Reichweite.“

Zwischen Bloggern und ihren Fans herrsche oft ein enger Bezug, die Produkte stünden weniger im Vordergrund. „Momentan schaffe ich es noch, auf jeden Kommentar zu antworten – und das finde ich auch gut so“, erzählt sie. Ein Pluspunkt für die Firmen, die mit Social Influencern zusammenarbeiten, sei allerdings, dass viele Menschen explizite Werbung inzwischen als nervig wahrnehmen und ablehnen. Empfehlungen mit einer persönlichen Note finden da besser Anklang. Wer für seine Markenpräsenz bezahlt wird und nicht nur Ansichtsexemplare abstaubt, muss Fotos allerdings mit dem Hinweis „bezahlte Partnerschaft“ kennzeichnen. „Das ist aber erst ab einer Größenordnung von etwa 100.000 Followern die Regel“, erklärt die Influencerin.

Für die Fotografen schlüpft die Influencerin auch mal in ein extravagantes Ballkleid. Ob der Friese das Bussi auf die Nüstern wohl kommen sah? | Foto: M. Viereckel

Trotz Hype nicht den Kopf verlieren

Trotz all der strahlend schönen Fotos auf ihrem Account und begeisterten Kommentaren von Anhängern: Insgesamt tut man besser daran, auf dem Boden zu bleiben, findet Marqués Berger. Ein gutes Beispiel, was sonst passieren kann, ist die Bloggerin, die das Dubliner Hotel „White Moose Café“ im Januar um einen kostenlosen Aufenthalt mit ihrem Partner anhaute – als Gegenleistung für ihre Werbe-Dienste. Der Lohn war viel Spott im Netz und der Hinweis des Betreibers, sich doch bitte einen richtigen Job zu suchen. „Manche Leute verlieren einfach völlig die Bodenhaftung“, lautet Marqués Bergers Urteil zu der Kollegin.

Statt sich in Selbstverliebtheit zu verlieren, freut sie sich lieber über all die Kontakte, die mit ihrem neuen Hobby einhergehen. Darunter auch Kollegen aus dem Ausland, vom 16-jährigen Anfänger bis zum Profi.
Für den Austausch mit Fans und Kollegen wird sie allerdings sicher bald deutlich weniger Zeit haben. Nach einem sechswöchigen Praktikum am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart hat Marqués Berger ihre Begeisterung für die Medizin entdeckt. Und will darum nun im Herbst ihr Studium in Heidelberg beginnen.