Tatkräftig mit angepackt hat Baden-Württembergs „First-Lady“ und Frau von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Gerlinde Kretschmann (Zweite von links), in der Pforzheimer Vesperkirche zusammen mit Helfer Klaus Frey (links). | Foto: Wacker

Kretschmann besucht Pforzheim

„First-Lady“ hilft in der Vesperkirche

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Klappernde Tassen und Teller, Gespräche an den vielen Tischen und mitten drin Baden-Württembergs „First-Lady“ Gerlinde Kretschmann. Um kurz vor elf kam sie am Dienstagvormittag in der Pforzheimer Stadtkirche an, um die Menschen kennenzulernen und mit anzupacken bei der Vesperkirche, die am Sonntag begonnen hat. „Ich war schon immer ehrenamtlich tätig und ich versuche jedes Jahr mindestens zwei Vesperkirchen im Land zu besuchen. So lernt man die Stadt auch mal von einer anderen Seite kennen“, sagt Kretschmann. In diesem Jahr kann sie sich also ein Bild von Pforzheim machen, schließlich komme man in der Vesperkirche mit der Bevölkerung zusammen, „wenn auch nur einen Ausschnitt davon“. Und es sind vor allem Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat, auf die Kretschmann an diesem Mittag in der Kirche trifft. „Zu uns kommen vor allem ältere Menschen, die meist einsam sind und niemanden haben. Auch junge Frauen mit Kindern sind oft dabei“, erklärt Gabriele Napiwotzki, die sich um die Organisation in der Vesperkirche kümmert.

Kretschmann (Dritte von rechts) suchte auch das Gespräch mit den Ehrenamtlichen der Vesperkirche.
Kretschmann (Dritte von rechts) suchte auch das Gespräch mit den Ehrenamtlichen der Vesperkirche. | Foto: Freytag

„Eine sehr schöne Kirche“ sei es, befindet Kretschmann. „Und groß genug ist sie auch. Es gibt genügend Platz, so dass wir keine Bänke abbauen müssen“, merkt Caritas-Chef Frank-Johannes Lemke an. Die Vesperkirche werde vollständig über Spenden finanziert, „rund 150 000 Euro kosten die vier Wochen“. Über 300 freiwillige Helfer unterstützen derzeit die Vesperkirche. Mit einigen von ihnen kann Gerlinde Kretschmann an diesem Mittag persönlich sprechen. Brote werden geschmiert, Kaffee gekocht, Vespertüten verpackt. Es gibt Frühstück, Mittagessen und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Rund 500 Essen gebe man im Schnitt pro Tag heraus, sagt Lemke.

Rund 500 Essen am Tag

Es ist nicht einmal halb zwölf, als sich bereits eine Schlange vor der Essensausgabe bildet. Für Kretschmann gibt eine Schürze – und eine Schaumkelle. Ihre Aufgabe für die kommenden eineinhalb Stunden: Reis auf die Teller schöpfen. Helfer Klaus Frey ist für das Putengeschnetzelte zuständig. Berührungsängste hat Kretschmann ganz und gar nicht, jeder Teller geht mit einem Lächeln über die Theke. Erkannt wird sie zwar nicht von den Kirchenbesuchern, wichtig ist das für die First-Lady aber nicht. „Es sind viele hier, für die es etwas Besonderes ist, wenn sie einmal bedient werden. Die Atmosphäre ist freundlich und friedlich.“
Gerade in einer reichen Gesellschaft sei es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft. „Das tut nicht nur denen gut, die Hilfe bekommen, sondern auch denen, die helfen.“