Die Container für die Flüchtlinge im Tiefenbronner Gewerbegebiet an der Leonberger Straße stehen leer. Die Rollläden sind heruntergelassen. Die Gemeinde steht mit dem Landkreis wegen der künftigen Nutzung im Gespräch. Foto: Richter

Mietverträge teils gekündigt

Flüchtlingsheime im Enzkreis reduziert

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In Spitzenzeiten Anfang 2015 unterhielt der Enzkreis in 200 verschiedenen Objekten 3 000 Plätze für Flüchtlinge. Aktuell sind nach Auskunft des Amtsleiters für Migration und Flüchtlinge, Andreas Kraus, noch 30 Unterkünfte vorhanden. Untergebracht sind noch 210 Personen.

Bei den Nationalitäten rangieren Afghanen, Iraker und Syrer an den vordersten Stellen. Noch rechnet der Kreis mit einem monatlichen Zugang von bis zu 25 Personen.

Bereits 2016 wurden Plätze abgebaut

2016 wurden bereits 464 Plätze in 58 Objekten abgebaut. 2017 waren es 998 Plätze in 60 Objekten. In diesem Jahr wurden nochmals 305 Plätze in 30 Objekten zurückgegeben. Die Anzahl der Plätze errechnet sich auf der Basis von sieben Quadratmetern pro Person. Die vom Kreis in Illingen erstellte Flüchtlingsunterkunft bleibt zusammen mit dem in Straubenhardt gekauften Objekt langfristig die Basis der benötigten Plätze, wie Andreas Kraus mitteilt.
Zu Spitzenzeiten war der Kreis in großer Not auf der Suche nach schnell zu realisierenden Unterkünften und hat mit teilweise erheblichen Mitteln Gebäude für diese Wohnzwecke umgebaut. Eine genaue Zahl der bislang vom Enzkreis aufgewendeten Kosten konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.
Vom Enzkreis gab es die Antwort: „Diese Daten werden nicht detailliert aufbereitet. Der Enzkreis hat mit dem Land für die Jahre 2015 und 2016 rund 21 Millionen Euro abgerechnet. Hierin sind die Bewirtschaftungskosten enthalten. Die Abrechnung für 2017 ist noch nicht abgeschlossen.“

Seniorenheim wird zu Flüchtlingsheim

Aufgegeben wurde vom Landkreis auch das frühere Seniorenheim Sankt Josef im Neuhausener Ortsteil Steinegg. Das Gebäude gehörte ursprünglich der katholischen Kirchengemeinde Neuhausen. Das Grundstück der Pfarrpfründestiftung der Erzdiözese Freiburg. Nachdem ein neues Seniorenheim am Rande von Steinegg gebaut worden war und die Bewohner im Dezember 2013 umzogen, war vom Pfarrgemeinderat noch im September 2013 zu hören, dass das Gebäude abgerissen werden soll. Von den 99 Jahren Erbbaupacht des Grundstücks waren zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre getilgt. Aber dann kam alles ganz anders. Mit der großen Flüchtlingswelle suchte der Enzkreis dringend nach Unterkunftsmöglichkeiten und Steinegg hatte ein leer stehendes Haus, das als früheres Seniorenheim gut geeignet schien, obgleich nicht unerhebliche Umbauten auch in Sachen Brandschutz notwendig waren.
Aus Verhandlungskreisen war zu hören, dass der Landkreis für das Gebäude 360 000 Euro bot und bereit war, alle zusätzlichen Kosten zu tragen. Die Diözese forderte als Erbbaupacht für 89 Jahre noch jährlich 12000 Euro.

Das ehemalige Altenheim in Steinegg wird als Asyl- und Obdachlosenunterkunft genutzt. Momentan leben hier vier Personen. Foto: Richter

Gemeinde möchte Heim weiter als Unterkunft nutzen

Aus einer Bürgerinitiative entstand ein Bürgerverein. Vor allem Steinegger hatten für den Kauf des Gebäudes über 300 000 Euro zusammengebracht. Kurz nach Ostern 2014 zog eine erste Flüchtlingsfamilie mit sechs Kindern aus Bosnien-Herzegowina ins alte Seniorenheim. Als der Landkreis Anfang des Jahres auf die Gemeinde zukam und um eine Auflösung des noch bis 2026 laufenden Mietvertrages bat, stimmte der Gemeinderat dem zu. Zum 1. Juli 2018 wurde der Mietvertrag aufgelöst. Strafzahlungen wurden von der Gemeinde nicht gefordert.
Die Gemeinde möchte das frühere Sankt-Josefs-Heim zumindest in absehbarer Zeit weiter als Asyl- und Obdachlosenunterkunft nutzen. Das Haus ist umgebaut worden vom Landkreis. Maximal 30 Personen dürfen dort untergebracht werden. In Spitzenzeiten waren es beim Landkreis vorübergehend 50 Personen. Derzeit wohnen dort vier Personen in der Anschlussunterbringung.

Containeranlage in Niefern steht leer

Von Anfang an leer steht eine Containeranlage in der Brühlstraße in Niefern-Öschelbronn, in die eigentlich Flüchtlinge einziehen sollten. „Die Anlage wurde in einem Probebetrieb Ende des Jahres 2016 genutzt. Dabei traten technische Probleme auf, eine Abnahme war daraufhin nicht möglich“, teilt der Enzkreis mit. Die Anlage sei nie regulär bewohnt worden. Der Landkreis befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit mit dem Lieferanten und gibt wegen des laufenden Verfahrens keine weiteren Auskünfte über die Kosten. In der Containeranlage hätten bis zu 100 Personen untergebracht werden können.

Gespräche wegen weiterer Nutzung

Im Tiefenbronner Gewerbegebiet an der Leonberger Straße hat der Landkreis eine Containeranlage für 56 Bewohner aufgestellt. Seit einem Jahr wohnt dort niemand mehr. „Wir sind im Gespräch mit dem Landkreis wegen einer künftigen Nutzung“, heißt es von Tiefenbronns Bürgermeister Frank Spottek. Im Remchinger Ortsteil Darmsbach hatte der Kreis sich in ein ehemaliges Fabrikgebäude eingemietet und dort über 300 Plätze für Asylbewerber geschaffen. Aber seit etwa einem Jahr wohnt dort ebenfalls niemand mehr. Auch in Engelsbrand im Salmbacher Weg 52 hat der Landkreis ein ehemaliges Bürogebäude angemietet. Hier wohnen noch einige Flüchtlinge. Der früher vom Landkreis eingerichtete ehemalige Gasthof „Salmbacher Hof“ wurde von der Gemeinde übernommen.

Von Heinz Richter