In der Flüchtlingsunterkunft in der Daimlerstraße in Feldrennach wird ein Teil der Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft aus dem Holzbachtal untergebracht, die zum Jahresende geschlossen wird. Das begrüßen Bürgermeister Helge Viehweg, Pfarrer David Gerlach, Maurice Moore (Security), Sozialdezernentin Katja Kreeb und Unterkunftsleiter Sascha Hänle (von links). Foto: Ehmann

Zäsur im Holzbachtal

Flüchtlingsunterkunft wird geschlossen

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Erst Pension, dann Hotel und schließlich Asylbewerberheim: Das Gebäude im Holzbachtal 8 hat eine bewegte Geschichte. Nun wird die Gemeinschaftsunterkunft nahe Langenalb zum Jahresende geschlossen, weil die Flüchtlingszahlen stark zurückgegangen sind.

40 Menschen waren hier untergebracht

Die Schließung bezeichnete Katja Kreeb, Enzkreis-Dezernentin für Soziales, Familie und Integration als „Zäsur“. Auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms waren hier über 40 Menschen untergebracht. Die Zusammensetzung der Bewohner sei allerdings eine Herausforderung gewesen: Unter anderem bewohnten junge Männer mit wenig Perspektive die abgelegene Einrichtung. Das Netzwerk Asyl habe etwas Druck aus der frustrierenden Situation genommen mit Sprachkursen und Fahrdiensten, so Kreeb.

Abgeschiedenheit „katastrophal“

Unterkunftsleiter Sascha Hänle bezeichnet die Abgeschiedenheit und mangelnde Busanbindung der Unterkunft im Holzbachtal als „katastrophal“. Das Flüchtlingsheim in der Daimlerstraße 11 in Feldrennach, in das ein Teil der Asylbewerber bereits umgezogen sind, biete bessere Bedingungen: Eine Bushaltestelle ist in der Nähe, genau wie ein Supermarkt. Auch die Wohnverhältnisse in dem Haus mit 65 Plätzen seien mit der Unterkunft im Holzbachtal nicht zu vergleichen. Derzeit wohnen hier noch 13 Flüchtlinge. Auch sie sollen umziehen – entweder in die Flüchtlingsunterkunft in der Daimlerstraße oder in eine der anderen Einrichtungen im östlichen Enzkreis wie Ötisheim oder Mühlacker. Insgesamt seien derzeit im Enzkreis 2953 Flüchtlinge untergebracht; die Zahl der vorläufigen Unterbringung ist in den vergangenen drei Jahren von 1849 auf 208 gesunken. Daher seien auch nur noch elf der 23 Flüchtlingsunterkünfte im Enzkreis belegt, so Kreeb.

Menschenunwürdige Verhältnisse

Auch Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg ist froh, mit der Schließung der Gemeinschaftsunterkunft im Holzbachtal ein Kapitel schließen zu können. Schon im Wahlkampf vor fast sechs Jahren sei er auf die „menschenunwürdigen Verhältnisse“ in dem Gebäude angesprochen worden und habe dafür plädiert, die Unterkunft zu schließen. Dann habe 2015 die Flüchtlingswelle eingesetzt und die Gemeinde sei froh gewesen, Plätze bereitstellen zu können. Die Lage habe sich inzwischen aber entspannt und mit dem Gebäude in der Daimlerstraße sei es nun möglich, die Unterkunft im Holzbachtal zu schließen.

Mietvertrag läuft bis Ende 2019

Diese hatte der Enzkreis 1990 als Übergangswohnheim für Spätaussiedler gemietet. Drei Jahre später übernahm das Regierungspräsidium Karlsruhe das Objekt, ehe es vor 20 Jahren wieder vom Enzkreis als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber übernommen wurde. Der Mietvertrag mit einer privaten Vermieterin läuft eigentlich bis Ende 2019, der Enzkreis will aber versuchen, schon eher aus dem Vertrag herauszukommen.

Betreuung wegen ehrenamtlichem Engagement gelungen

Auch Pfarrer David Gerlach vom Netzwerk Asyl Straubenhardt begrüßt, dass die Unterkunft im Holzbachtal bald Geschichte ist. Die Betreuung der Flüchtlinge sei in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Engagements vieler Ehrenamtlicher gelungen. Die soziale Arbeit mit beruflicher Integration und Freizeitangeboten vieler „Kümmerer hat’s gebracht“, ergänzt Katja Kreeb.

„Hoffnungshäuser“ geplant

Bürgermeister Viehweg ist darüber hinaus froh, dass Ängste und Vorurteile widerlegt worden seien und will beim Flüchtlingsthema nicht von „Krise“ sprechen. „Das ist der Schlüssel zum Erfolg gewesen.“
79 Asylbewerber in Straubenhardt befinden sich in Anschlussunterbringung – vorzugsweise zentral im Ort. Die Gemeinde will künftig außerdem bezahlbaren Wohnraum in sogenannten Hoffnungshäusern anbieten. Pfarrer Gerlach appelliert an private Vermieter, Haus und Herz zu öffnen. Was die Integration angehe, gebe es noch viele Baustellen, räumt Kreeb ein. 1 100 Asylbewerber seien auf Jobsuche.

Konsequentes Vorgehen von Politik gefordert

Bürgermeister Viehweg fordert hier von der Politik konsequentes Vorgehen und verweist auf Fälle, in denen Flüchtlinge mit Perspektive und Arbeit abgeschoben wurden, während Straftäter bleiben durften. „Das ist nicht nachvollziehbar“, so Viehweg.