Das letzte Duett aus „Die vier Jahreszeiten“ tanzten Mei Chen und Willer Goncales Rocha bei der Theatermatinee „Alles rot“ unter der Leitung von Guido Markowitz ganz dicht an den 40 Zuschauern im Foyer. Foto: Wacker

Matinee am Theater Pforzheim

Foyer des Theaters Pforzheim „errötete“ auf vielfältige Weise

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Rotwerden und Erröten war das Thema bei der Matinee am Pforzheimer Theater. Ensemblemitglieder aus allen Sparten setzten das Thema künstlerisch um: Vom Ballett über Gesang und Literatur bis hin zur Himbeersahnetorte reichte die Spannbreite.

„Reichtum der Wangen“ oder eher „Stottern der Haut“? Viele setzen Rotwerden mit Verlegenheit gleich. „Menschen genieren sich dafür“, hat der Neuenbürger Autor Dietrich Wagner festgestellt und einen Gedichtband darüber geschrieben, der eigentlich als Trost gedacht war. Herausgekommen ist aber ein „Anti-Ratgeber“, wie er sagt.

Denn: „Man sollte feiern, was man nicht steuern kann.“ Es gehe nicht immer um Selbstoptimierung, sondern darum, sanfter mit den eigenen Schwächen umzugehen. Und: „Das Rotwerden ist eines der letzten großen Abenteuer in den zwischenmenschlichen Begegnungen“, sagt der Psychologe und Autor.

Vielfalt der Farbe unterschiedlich dargestellt

Als Gastgeber der Matinee im Theaterfoyer hat Wagner die mehr als 40 Besucher aufgefordert, den „Rotwerde-Tag“ zu feiern. Grundlage waren seine kurzen Texte und ein abwechslungsreiches Programm von Ensemblemitgliedern aus den Sparten Schauspiel, Musiktheater und Ballett.

Rotwerden aus Verlegenheit, Wut oder Liebe: Die Vielfalt der Farbe haben die Schauspieler, Sänger und Tänzer auf ganz unterschiedliche Weise dargestellt. Innig und erhaben wirkte das letzte Duett aus „Die vier Jahreszeiten“, das Mei Chen und Willer Goncales Rocha unter der Leitung von Guido Markowitz ganz dicht am Publikum tanzte.

Ensemble plaudert aus Rotwerde-Kästchen

Chefdramaturg Peter Oppermann, der gemeinsam mit Dietrich Wagner durch das Programm führte, assoziiert die Farbe Rot nach vielen Reisen nach China vor allem mit Lebensfreude.

Bariton Paul Jadach sang begleitet von Immanuel Karle am Klavier „Als ich sie erröten sah“ von Franz Schubert und verriet, wann er errötet: „Beim Fremdschämen. Dann wenn ein blöder Regisseur etwas inszeniert, was überhaupt nicht passt – etwa wenn ein König eine Zipfelmütze tragen muss.“

Am Schönsten prickelt es in der Operette

Schauspielerin Johanna Liebeneiner, die derzeit in Pforzheim „Faust II“ probt und bei der Matinee kurze Texte von Dietrich Wagner las, plauderte ebenfalls aus dem Nähkästchen: Knallrot wurde sie immer, wenn das Wort „Kuss“ fiel – „seit ich mit 13 meinen ersten Kuss von einem Abiturienten bekommen habe“, erzählte die 74-Jährige.

Vermeiden lasse sich das Rotwerden auch heute nicht: „Es passiert immer, wenn ich etwas denke, von dem ich denke, dass ich es nicht denken sollte“, gestand die Schauspielerin. Schwer zu verstecken sei das Ganze, weiß auch Thorsten Klein, der derzeit an vielen Produktionen am Theater beteiligt ist. „Rotwerden prickelt am schönsten in der Operette“, findet Klein, der amourös angehauchte Chansons sang.

Thema macht auch vor dem Gaumen nicht halt

Zum Thema passende Textausschnitte aus E.T.A. Hoffmanns Kunstmärchen „Der goldne Topf“, das am 29. Februar Premiere feiert, stellten Michaela Fent, Nika Wanderer und Myriam Rossbach vor. Und das Rotwerden machte bei der Matinee auch vor dem Gaumen nicht halt: Siegrun Stütz präsentierte eine Himbeersahnetorte, die das Publikum genussvoll verzehrt hat.