Mit sieben Schüssen tötete ein Polizist eine ausgebüxte junge Kuh am Dienstagabend auf einem Wiesengrundstück bei Ellmendingen in Richtung Niebelsbach.
Mit sieben Schüssen tötete ein Polizist eine ausgebüxte junge Kuh am Dienstagabend auf einem Wiesengrundstück bei Ellmendingen in Richtung Niebelsbach. | Foto: Ehmann

Gefahr für Autofahrer

Polizist erschießt ausgebüxte Kuh

Ein Ende mit Schrecken erlebte am Dienstagabend eine junge Kuh zwischen Gräfenhausen und Niebelsbach, die rund drei Wochen zuvor ihrem Besitzer ausgebüxt war. Mit mehreren Schüssen wurde sie am Dienstagabend auf einem Wiesengrundstück bei Ellmendingen in Richtung Niebelsbach von einem Polizeibeamten, der auch Jäger ist, erlegt.

Besorgte Anrufe bei der Polizei

Gleich mehrere besorgte Anrufer hatten der Polizei in Neuenbürg mitgeteilt, dass sie die Kuh im Bereich der Kreisstraße 4576 und der Landesstraße 339 bei Ellmendingen beziehungsweise Gräfenhausen gesehen hatten. Das Rind soll hierbei mehrfach die Straße überquert haben, was nach Angaben der Polizei zu Gefahrensituationen für Verkehrsteilnehmer und zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen geführt habe.

So habe sich die Polizei gezwungen gesehen zu handeln, wie Polizeipressesprecher Frank Otruba auf Nachfrage erklärte. Nach Absprache mit dem Besitzer wurde beschlossen, die kleine Färse zu erschießen.
Kurz vor 21 Uhr hatte ein Hubschrauber mit starken Scheinwerfern das Tier zwischen Ellmendingen und Niebelsbach ausfindig gemacht. Zwei Jäger aus Birkenfeld waren eingetroffen, mehrere Polizeifahrzeuge sicherten die Straße, dann schoss der Polizeibeamte das Tier ab. Laut Informationen des Pforzheimer Kurier waren sieben Schüsse nötig, um das Ende herbeizuführen.

Das war so ein nettes Kühele

„Das war so ein nettes Kühele, das hat mich immer so lieb angeguckt“, meinte eine Niebelsbacherin bedauernd. Sie war dem jungen Rind mehrfach bei Spaziergängen begegnet. „Es ist mir unverständlich, warum man das Tier nicht mit einem Betäubungsgewehr ‚schlafen gelegt’ hat“, ärgerte sich ein Jäger, der nicht namentlich genannt werden möchte.

„Ein Tierarzt hätte das sicher erledigen können“, meinte auch Uwe Lässig von der Tierrettung. „Den Transport hätten dann wir übernommen.“ Die Frage, warum die Kuh nicht betäubt und abtransportiert wurde, konnte auch Polizeisprecher Otruba nicht beantworten. Die Entscheidung, sie zu töten, sei in Rücksprache mit dem Jagdpächter und Besitzer getroffen worden. Letzterer habe gemeint, das Tier lasse sich nicht einfangen.

Die Straße zwischen Niebelsbach und Gräfenhausen soll die Kuh mehrfach überquert haben. Die Polizei sah darin eine Gefahr für Autofahrer.

Bürger und Jäger irritiert über Tötung

Die Tage davor hatte die Kuh jedenfalls ihre Freiheit genossen. Da kein Schnee lag, fand sie Futter in ausreichender Menge. Ins nahe Zuhause zog sie daher wohl nichts. Den Versuchen, sie einzufangen, entzog sie sich stets durch rasche Flucht. Die ist nun endgültig beendet.

Der zuständige Jagdpächter Walter Großmann in Niebelsbach war von der Polizei über die Aktion verständigt worden. Da es sich bei dem Tier um kein „jagdbares Wild“ handelte, und er es daher ohnehin nicht hätte erschießen dürfen, nahm er an der Hatz auf die Kuh nicht teil. Der Jäger Matthias Jäck dagegen war von Passanten auf die Kuh aufmerksam gemacht worden, als sie auf der Straße lief.

Der erkannte die mögliche Gefahr und alarmierte die Polizei, die er dann auch bei der Suche unterstützte. Als zufällig Kurier-Fotograf Herbert Ehmann hinzu kam, den Polizeibeamte zur Sicherheit hilfsbereit zum Abschussort begleitet hatten, reagierten allerdings die anwesenden Jäger höchst ungehalten. Bilder sollten hier keine „geschossen“ werden. Warum, war Fotograf Ehmann nicht klar, er drückte trotz Behinderung ab. Der Besitzer des Tieres war trotz mehrerer Versuche, telefonisch und persönlich, nicht zu erreichen.

von Christiane Viehweg und Torsten Ochs