Zehn Minuten lang blockiert ist die Kreuzung Goethestraße/Westliche Karl-Friedrich-Straße am Freitagvormittag. Die jungen Demonstranten gehen in den Sitzstreik fürs Klima – und verursachen damit einen längeren Rückstau, bekommen aber auch die gewünschte Aufmerksamkeit der Passanten und anderen Verkehrsteilnehmer. | Foto: Frankenreiter

Weniger Teilnehmer vor Ferien

Fridays for Future geht in Pforzheim in den Sitzstreik

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Deutlich überschaubarer als bei den vergangenen Fridays-for-Future-Demonstrationen ist die Teilnehmerzahl bei der Versammlung eine Woche vor den Sommerferien. Dennoch sorgen die jungen Demonstranten mit einem umstrittenen Sitzstreik am Freitagvormittag für Aufmerksamkeit.

„Es sind viele auf Klassenfahrten“, gibt Organisator Robin Schaletzki vor dem Start der Demo zu bedenken. Die, die da sind, schwänzen teilweise den Unterricht. Dass dafür in Mannheim kurzzeitig ein Bußgeld drohte, beeindruckt zumindest die Organisatoren nicht: „Die Bußgelder sind aufgrund von öffentlichem Druck zurückgenommen worden – also machen wir uns keine Sorgen“, sagt Schaletzki.

Ich sehe es nicht als schwänzen, ich mach ja was Gutes

Mit-Organisator Lorenz Hornung heizt derweil schon mal mit dem Megafon die Stimmung an. „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, sprechen auch Alina und Michelle mit. Die beiden Elftklässlerinnen vom Hebel-Gymnasium sind zum zweiten Mal bei Fridays for Future in Pforzheim dabei. Die geringe Teilnehmerzahl erklärt Alina sich damit, „dass viele Schulen es nicht unterstützen, auch die Rektoren, das hat viele eingeschüchtert“. Bei Klausuren wären die beiden nicht gekommen. „Ich sehe es nicht als schwänzen, ich mach ja was Gutes“, sagt Finja, die die achte Klasse des Hebel-Gymnasiums besucht. Ähnlich sieht es Pauline, die in die neunte Klasse der Otterstein-Realschule geht: „Ich habe für mich noch keine andere Möglichkeit gefunden, für meine Meinung aufzustehen.“ Sie verweist darauf, dass sie noch nicht wählen darf.

Sitzblockade dauert zehn Minuten

Der kleine Demozug mit etwa 100 Teilnehmern setzt sich um 10.55 Uhr in Bewegung. Vorne weg fahren zwei Motorräder und ein Auto der Polizei. Über die Fußgängerzone, die Leopoldstraße, Zerrennerstraße und Goethestraße geht es flüssig. Dann, um 11.13 Uhr, bleiben die Demonstranten stehen, setzen sich auf die Straße an der Kreuzung zur Westlichen Karl-Friedrich-Straße und verursachen damit einen längeren Rück-Stau. „Das kam nicht von mir“, versichert Versammlungsleiter Schaletzki der Polizei. Die Entscheidung zur Sitzblockade habe Hornung getroffen, nicht die Demonstrationsleitung. Schaletzki setzt sich dennoch dazu. Etwa zehn Minuten lässt die Polizei die Demonstranten gewähren. Ein Passant regt sich indes auf: „Kann man das nicht aufheben? Da ist einer da vorne, der bläst sich auf und hat keine Ahnung. Schade, so was ist unsere Demokratie.“

Polizist stellt Sinn der Blockade in Frage

Dann wendet sich ein Beamter an Schaletzki und kündigt eine Räumung an, sollte die Blockade nicht aufgelöst werden. Um 11.23 Uhr marschieren die Demonstranten weiter über den Leopoldplatz in die Bahnhofstraße, wo sie vor dem Aposto eine kurze Kundgebung abhalten, bevor die Demo aufgelöst wird. Ein Polizist kommt auf Schaletzki zu: „Wie sinnvoll haben Sie die Blockade gefunden?“ will er wissen und verweist darauf, dass zehn Minuten lang bei den stehenden Autos die Motoren liefen – keine gute Bilanz fürs Klima. „Jeder normal denkende Mensch würde den Motor ausschalten, wenn er so lange warten muss“, erklärt Schaletzki gegenüber dem Kurier und rechtfertigt die Blockade. „Es geht darum, dass unsere Message rüberkommt. Und jetzt haben es vielleicht mehr Leute mitbekommen.“

Wir werden der Polizei zeigen, was richtiger ziviler Ungehorsam ist

Hornung richtet sich noch einmal an die Jugendlichen: „Ich habe gerade die Ansage der Polizei erhalten, ich zitiere mal frei, dass wir nicht mehr demonstrieren dürfen in Zukunft.“ Er gibt sich unbeeindruckt: „Wir werden der Polizei zeigen, was richtiger ziviler Ungehorsam ist.“ Die jungen Demonstranten veranlasst das zu Applaus. Auf Nachfrage des Kurier erklärt einer der anwesenden Polizisten lediglich, dass das Demonstrieren nach wie vor möglich sei. „Das Versammlungsrecht gilt natürlich weiter.“