Kein Planet B: Viele Schüler haben sich in Pforzheim den Protesten zum weltweiten Streiktag der Aktion Fridays for Future angeschlossen. Unter ihnen die Mitorganisatoren Robin Schaletzki (dritter von links) und Jamila Hatlapatka (rechts). Lorenz Hornung macht am Megafon Stimmung. | Foto: Ehmann

„Wir schwänzen für das Klima“

Fridays for Future in Pforzheim: 300 Teilnehmer an Demonstration

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Kurz vor 11 Uhr haben sich bereits viele junge Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Die Schüler aus Pforzheim und der Region beteiligen sich am internationalen Streiktag der Aktion „Fridays for Future“ – und schwänzen dafür teilweise die Schule.

Sirla Ensslin (14), Hjördis Semerak (15) und Finn Bolter (14) halten ein Transparent in den Händen: „Lieber ein Windrad im Garten als keine Luft zum Atmen“ steht darauf. Die Neuntklässler der Waldorfschule schwänzen nicht, ihre Eltern durften sie vom Unterricht entschuldigen. „Viele reden nur und machen nichts – deswegen bin ich dabei“, sagt Sirla. Sie ist entschlossen: „Ich werde so lange demonstrieren, bis es etwas bringt.“

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut

Einer der Organisatoren heizt mit dem Megafon die Stimmung an: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ leitet er die Schüler an, die begeistert einstimmen. Der Spruch sitzt.

Scharfe Kritik an Politikern

„Wir wollen eine sinnvolle Klimapolitik, die uns eine Zukunft ermöglicht, in der wir leben können – was gerade nicht passiert“, bezieht Co-Initiator Robin Schaletzki (16) vom Königsbach-Steiner Lise-Meitner-Gymnasium Stellung.

„Wir schwänzen für das Klima. Die Politiker halten sich nicht an die Regeln, also müssen wir das auch nicht“, sagt Magdalena Kraiß (16) von der Akademie für Kommunikation. Sie kritisiert: „Es sitzen Leute in der Politik, die nicht an den Klimawandel glauben, aber über unsere Zukunft entscheiden.“

Marktbeschicker zeigen sich solidarisch

Während der Mahnwache mit Jamsession und offenem Mikrofon auf dem Marktplatz gehen die Marktbeschicker direkt daneben dem normalen Tagesgeschäft nach. „Wir haben uns solidarisiert“, sagt Mathias John vom Auenhof und deutet auf ein Plakat neben seinem Gemüsestand: „Solidarische Grüße vom Bauernmarkt“.

Kreidebotschaften säumen den Weg

Um 12.30 Uhr setzt sich der Demonstrationszug in Richtung Leopoldplatz in Bewegung. Immer wieder scheren Demonstranten aus, um Kreidebotschaften in der Stadt zu hinterlassen. Eine ältere Dame, die zufällig an der Demo vorbeikommt, schimpft: „Unten am Marktplatz liegen Pfandflaschen, das sind 25 Cent. Da können die anfangen.“ Andere Passanten äußern sich positiv: „Ich finde es toll, dass junge Leute sich für die Zukunft der Erde interessieren und sie verbessern wollen“, so Alina Koloskov.

Peter Boch, komm aus deinem Loch

Vor der Unterführung zum Bahnhof stoppt der Zug, Tobias Bacherle, Mitglied des Landesvorstands der Grünen Jugend, hält die Rede zur Kundgebung. „Klimaschutz beginnt ganz unten, auch in der Kommunalpolitik. Wenn wir diese Klimakrise wirklich aufhalten wollen, müssen wir das alle von oben bis unten wollen“, proklamiert er.

Klare Positionierung gefordert

Bevor der Protestzug sich am Marktplatz auflöst, versuchen die Schüler, OB Peter Boch zu einer Stellungnahme zu bewegen: „Peter Boch, komm aus deinem Loch“, skandieren sie. „Er ist der OB von Pforzheim und in der CDU. Das sind zwei Gründe, warum er etwas ändern könnte, kommunal und in seiner Partei“, erklärt Robin mit heiserer Stimme. Boch kommt nicht heraus, äußert sich jedoch auf Nachfrage des Kurier (siehe unten).

Polizei zeigt sich zufrieden

„Es war alles sehr friedlich“, ist Polizeihauptkommissar und Einsatzleiter Georg Klamandt zufrieden. Er schätzt, dass etwa 300 Personen an der Demo teilgenommen haben. Kontrolliert wurde keiner der potenziellen Schwänzer: „Es ist eine genehmigte Veranstaltung, da gilt das Versammlungsrecht.“

 

Oberbürgermeister Peter Boch äußerte sich auf Anfrage des Pforzheimer Kurier zu den Schülerprotesten diplomatisch: „Ich finde es sehr gut, wenn Kinder und Jugendliche Bildung erfahren und es ihnen dabei nebenher noch gelingt, sich mit Herzblut für Themen zu engagieren, die ihnen wichtig sind.“
Die „Omas gegen Rechts“ sind zu zehnt zur Demonstration gekommen. Die Mitorganisatorin Ingrid Vogt erklärt den Grund für das Engagement der „Omas“ am Streiktag: „Wir müssen ja die jungen Leute als Omas unterstützen. Für unsere Enkel wollen wir eine gute Zukunft, auch was das Klima betrifft.“
Die Leitung der Evangelischen Kirche Pforzheim, deren Dekanin Christiane Quincke die Mutter vom Pforzheimer Mitorganisator der „Fridays for Future“, Jan Quincke (17), ist, sicherte dem Engagement der Jugendlichen in einer Pressemitteilung ihre Unterstützung zu und bekundete Respekt vor dem Engagement: „Statt über den Zeitpunkt der Proteste zu diskutieren, ist es an der Zeit, dass wir selbst, als Einzelpersonen wie auch als Kirche, unser Handeln verändern und zu einer nachhaltigen und klimaschonenden Lebensweise finden.“

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