Klimademo am 19. Juli in Pforzheim: Obwohl die Teilnehmerzahl deutlich überschaubarer ist als bei den vergangenen Fridays-For-Future-Demonstrationen, legen die jungen Demonstranten sich bei den Sprechchören ins Zeug. | Foto: Streib

Schülerdemos in Pforzheim

Fridays for Future plant die nächste Demo in Pforzheim – und will Forderungen an die Stadt stellen

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Sie demonstrieren in den Ferien nicht, weil sie keine Schule schwänzen können. Sie fliegen lieber in den Urlaub. Und die junge Klimaschutzbewegung verliert sowieso an Schwung. Es sind drei Sätze über „Fridays for Future“, bei denen Jamila Hatlapatka schmunzeln muss. Die 17-Jährige ist Mitglied im Pforzheimer Organisationsteam und hat naturgemäß eine andere Perspektive.

Tatsächlich gibt es in Pforzheim während der Sommerferien keine Demo. „Dafür ist unsere Ortsgruppe zu klein, es würde sich nicht rentieren“, sagt die Gymnasiastin aus Knittlingen. Tatenlos sei man trotzdem nicht. An diesem Freitag wollen sich einige Mitglieder der Gruppe am Pforzheimer Hauptbahnhof treffen und gemeinsam zur Stuttgarter Klimademo auf dem Schlossplatz fahren. Dort kommen junge Klimaschützer auch während der Sommerferien zusammen.

Organisatoren hoffen am 20. September auf breite Unterstützung

Nebenbei laufen die Vorbereitungen für die nächste Pforzheimer Demo am 20. September. Der Aufruf wurde bereits in den sozialen Medien publiziert. Dann sollen nach dem Willen der Organisatoren nicht nur Schüler kommen, sondern Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen. Die „Omas gegen Rechts“ waren bekanntlich schon früher dabei. Im September sollen auch Arbeitnehmer kommen. Man denke darüber nach, Gewerkschaften direkt anzuschreiben, sagt Hatlapatka.

Nach der Schule weiter demonstrieren

Jan Quincke, ebenfalls aus dem Organisationsteam, erklärt: „Die ursprüngliche Bewegung ging zwar von Schülern aus. Die Jüngsten sind vom Klimawandel ja auch am meisten betroffen. Aber es ist eine Sache, die jeden angeht.“ Der 17-Jährige aus Pforzheim will weiter demonstrieren, auch wenn er inzwischen sein Abi in der Tasche hat. Den Termin am 20. September wird er wohl noch mit seiner FSJ-Stelle klären. Schon beim letzten Mal seien einige ältere Gesichter dabei gewesen, sagt Quincke. Er glaube und hoffe, dass es im September noch mehr werden.

Weniger Teilnehmer: „Wir haben zu wenig Werbung gemacht“

Eine Woche vor den Sommerferien bei der bisher letzten Pforzheimer Demo waren es insgesamt nur rund 100 Teilnehmer – deutlich weniger als zuvor. Das bedeute aber nicht, dass die Bewegung an Schwung verliere. „Wir haben einfach zu wenig Werbung gemacht“, sagt Jamila Hatlapatka. „Eine Woche vorher anfangen reicht nicht.“ Zumal es in Pforzheim etwas schwieriger sei, die Menschen zu mobilisieren. In größeren Städten ist es einfacher. In grüneren vermutlich auch.

Selbstbewusste Klimaaktivisten

Selbstbewusst treten die jungen Klimaaktivisten gleichwohl auf. Nach der Demo am 20. September ist eine Aktionswoche geplant. „Dann wollen wir Forderungen veröffentlichen an den OB, die Stadt und den Gemeinderat. Es geht um Dinge, die man in Pforzheim verbessern könnte.“ Auf offene Ohren stießen die Pforzheimer Fridays-for-Future-Organisatoren kürzlich schon mal bei Katja Mast. Die SPD-Bundestagsabgeordnete lud zum Austausch, auch andere Umweltschützer waren dabei.

„Ich fliege nicht“

Und die Sache mit dem Fliegen? Während die 16-jährige Galionsfigur der Bewegung, Greta Thunberg, irgendwo auf dem Atlantik in Richtung der Vereinigten Staaten segelt, um nicht mit dem Flugzeug zum UN-Klimagipfel zu reisen, betont Hatlapatka: „Ich fliege nicht. Und ich kenne keinen aus der Gruppe, der jetzt in den Urlaub geflogen wäre.“