Ein Überflieger ist Timo di Giorgio in der Futsal-Nationalmannschaft - hier mit Adam Fiedler. Beim EM-Vorqualiturnier in Lettland gelangen ihm zwei Treffer. | Foto: imago/Schwarz

Futsal

Futsal-Nationalspieler di Giorgio: „Bin kein Zweikampfmonster“

Zum ersten Mal trat jüngst eine deutsche Futsal-Nationalmannschaft bei offiziellen Pflichtspielen an. Deutschland landete bei der Vorrunde der EM-Qualifikation nach einem 3:5 gegen Armenien, 3:3 gegen Lettland und 5:4 gegen Estland auf dem dritten Platz. Mittendrin: Timo di Giorgio. Kurier-Redaktionsmitglied Sebastian Kapp sprach mit dem besten Futsaler Süddeutschlands über das Turnier in Lettland und seine weiteren Pläne.

Als die deutsche Hymne gegen Armenien gespielt wurde, war das ein besonderer Moment für den deutschen Futsalsport. Waren Sie wirklich so cool, wie Sie dabei wirkten?

Di Giorgio: Beim Freundschaftsspiel gegen England war ich einen Tick nervöser. Da waren aber auch Freundin, Familie und Freunde dabei. Gegen Armenien waren kaum Zuschauer da, vielleicht lag es daran. Es ist krass, dass man so schnell eine Routine entwickelt.

Gegen Estland riss Ihre Serie von einem Tor pro Spiel. Was war da los beim Rekordtorschützen?

Di Giorgio (lacht): Der bin ich ja nun nicht mehr alleine. Meine Mitspieler haben mich schon ein wenig aufgezogen, dass meine Serie leider gerissen ist. Aber: Immerhin habe ich zwei Assists geliefert. Hauptsache ist doch, dass wir das Spiel gewonnen haben.

Sind Sie trotz Platz drei zufrieden mit dem Turnier?

Di Giorgio: Natürlich war es ein bitterer Turnierverlauf. Wir hatten den Traum, zum Qualifikationsturnier nach Rumänien zu fahren und dort gegen die Stars aus Portugal um Ricardinho zu spielen. Klar sind wir enttäuscht, auch weil man gesehen hat, dass ein Weiterkommen möglich gewesen wäre. Aber durch den Sieg gegen Estland sind wir auch stolz auf uns. Wir müssen einfach realistisch sein: Armenien, Lettland und Estland sind uns in ihrer Entwicklung etwas voraus. Das sind keine Teams, die man einfach wegklatscht.

Gegen jedes dieser Teams war es knapp. Was fehlt der Nationalmannschaft noch?

Di Giorgio: Armenien war uns vor allem in der Erfahrung voraus. Ich bin mir sicher, wenn wir jetzt noch einmal gegen sie spielen würden, dann würden wir gewinnen.

Sie selbst haben das 1:0 gegen Armenien geschossen und den Anschlusstreffer gegen Lettland. Sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung zufrieden?

Di Giorgio: Natürlich kann man immer Dinge verbessern, es gab ja dazu auch Videoanalysen nach den Spielen. Ich denke aber, dass die positiven Aktionen überwogen haben. Das belegen ja auch meine Einsatzzeiten.

Als Fußballer spielen Sie in der Verbandsliga für Friedrichstal, im Futsal sind Sie Nationalspieler. Warum liegt Ihnen Futsal mehr?

Di Giorgio: Meine Trainer bescheinigen mir, dass ich schnell auf den ersten Metern bin, dazu flink, wendig und eine gewisse Spielintelligenz habe. Beim Fußball kann man sich auch mal 90 Minuten lang verstecken. Beim Futsal geht das nicht – oder man ist fehl am Platz. Dafür muss man im Fußball auch mal dreckig spielen. Ich bin kein Zweikampf- oder Kopfballmonster.

Nun geht es zurück in die Regionalliga. Am Samstag, 4. Februar, steht das Derby gegen die FC Villalobos Karlsruhe an. Haben Sie sich mit dem Gegner schon beschäftigt?

Di Giorgio: Um ehrlich zu sein: nein. Ich komme gerade von einer DFB-Tagung mit Fußball-Bundesligisten, da ging es um mögliche Förderungen von Futsal. Da hatte ich andere Dinge im Kopf. Allerdings: Das ist ein besonderes Spiel für mich. Mit einigen Spielern von Villalobos habe ich schon zusammengespielt. Da fühlt sich ein Sieg noch einmal besonders schön an.

Was nehmen Sie aus der Nationalmannschaft mit nach Pforzheim?

Di Giorgio: Ich strotze in der Regionalliga vor Selbstvertrauen, weil ich weiß, was ich kann. Hinzu kommt eine Menge Erfahrung. Die will ich natürlich an meine Mitspieler weitergeben. Hier geht es auch ein Stück weit um Wissensvermittlung.

Wissen, das Ihnen auch Bundestrainer Paul Schomann vermittelt hat?

Di Giorgio: Er strahlt eine sehr große Erfahrung aus. Seine Worte nimmt man als Spieler ernst – die kommen nicht von irgendwem. Ihm ist wichtig, dass wir als Mannschaft eine geschlossene Leistung bringen. Und dass wir den Bundesadler mit Würde tragen, unser Land würdig vertreten.

Welche Ziele haben Sie jetzt, nun da der Traum von der EM geplatzt ist?

Di Giorgio: Die deutsche Meisterschaft zu gewinnen wäre ein Traum. Ich weiß, dass bei uns im Hintergrund kadertechnisch viel passiert. In den nächsten Jahren zumindest ins Viertel- oder Halbfinale zu kommen wäre toll.