Die Verhandlung um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler wurde im Landgericht Karlsruhe eröffnet. Beschuldigt wird der 37-jährige Geschäftspartner (mit Ordner). Rechts sein Verteidiger Marvin Schroth. Foto: Ochs

Prozessauftakt am Landgericht

Geschäftspartner soll Pforzheimer Schmuckhändler aus Habgier ermordet haben

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Er soll einen Schmuckhändler aus Pforzheim beraubt und getötet haben – das wirft das Schwurgericht am Landgericht Karlsruhe dem 37-jährigen Angeklagten vor. Außerdem wurden auf dem Computer des Beschuldigten 1.659 kinderpornografische Bilder und Videos gefunden. Am ersten Verhandlungstag des Prozesses stand am Donnerstag der Werdegang des Beschuldigten im Mittelpunkt. Bis Juli sind weitere 23 Verhandlungstage vorgesehen.

Habgier sei das Motiv, aus dem der Beschuldigte den 57-jährigen Schmuckhändler aus Hohenwart getötet habe, führte Oberstaatsanwalt Harald Lustig in seiner Anklageschrift aus. Vor dem 21. Juni 2019 soll er beschlossen haben, seinen Geschäftspartner zu töten.

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In dessen Geschäftssitz in der Pforzheimer Stolzestraße habe der 37-Jährige dem älteren Mann erst K.o.-Tropfen in das Sushi gemengt und ihn damit betäubt. Dann habe er den Schmuckhändler stranguliert und Armbänder und Ringe im Wert von 66.000 Euro geraubt, so der Oberstaatsanwalt.

Der gestohlene Schmuck wurde eingeschmolzen

Die Leiche soll er in einen Sack gepackt, im Auto verstaut und im deutsch-französischen Grenzbereich abgelegt haben. Den Schmuck habe er einschmelzen lassen – der Goldbarren wurde am 29. Juni sichergestellt, so Lustig. Der Verdächtige wurde bereits Tage nach der Tat festgenommen, und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Angeklagter saß in den USA im Gefängnis

Mit Gefängnisstrafen hat der Angeklagte Erfahrung. 2004 war der gebürtige Pforzheimer in die USA ausgewandert, hat dort BWL studiert und als Unternehmensberater gearbeitet. Bis auf seinem Computer kinderpornografisches Material gefunden wurde, mit dem er in großem Stil gehandelt haben soll. Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

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„Zu unrecht“, wie der 37-Jährige auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Alexander Lautz sagte. Er habe das Material weder besessen noch damit gehandelt. Warum es das FBI auf seinem Computer gefunden hat, könne er nicht sagen: „Ich habe davon nichts gewusst.“

In Pforzheim den Neustart gewagt

Im August 2010 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und kam nach Pforzheim zurück. Hier hat er einen Neustart gewagt: Von seiner Frau in den USA geschieden, stieg er in die Firma seiner Mutter ein und handelte fortan mit Edelsteinen. Der Umsatz schnellte in den folgenden Jahren in die Höhe, erzählte der Angeklagte. 2011 lernte er seine jetzige Frau kennen, zwei Jahre später heirateten die beiden. Das Verhältnis zu seiner Frau sei „sehr gut“ – sie und die drei gemeinsamen Kinder kämen ihn regelmäßig im Gefängnis besuchen – „sie halten zu mir“.

Kinderpornografisches Material auf Rechner gefunden

Auch die finanziellen Verhältnisse seien gut. Er habe nur „geplante Schulden“ gemacht, eine „finanzielle Schieflage“ gebe es nicht.

Wie es dazu kam, dass die Polizei im vergangenen Sommer auf dem Computer des Angeklagten mehr als 1.600 Bilder und Videos mit kinderpornografischen Material gefunden hat, wurde am ersten Verhandlungstag nicht erörtert. Auf die Frage der medizinischen Sachverständigen, ob er pädophil-sexuell orientiert sei, antwortete der Angeklagte mit einem klaren „Nein“.

Die Verhandlung wird am Freitag, 3. April, um 9 Uhr fortgesetzt.