Schuldig im Sinne der Anklage: Der 44-jährige Mann, der im März in Pforzheim verhaftet wurde, räumte am Montag im Amtsgericht Pforzheim ein, die Kinderpornografie-Plattform „The Hidden Door“ im Darknet betrieben zu haben. | Foto: pf

Vier statt fünf Jahre

Geständnis im Pforzheimer Kinderporno-Prozess

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Schuldig im Sinne der Anklage: Der 44-jährige Mann, der im März in Pforzheim verhaftet wurde, räumte am Montag im Amtsgericht Pforzheim ein, die Kinderpornografie-Plattform „The Hidden Door“ im Darknet betrieben zu haben. Das unerwartete Geständnis verdankt sich einer Absprache zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Cybercrime in Mannheim hatte vor dem Landgericht Karlsruhe Anklage gegen den 44-Jährigen aus der Pflügerstraße erhoben. Unter dem Pseudonym „lucky eddy“ hat dieser nicht nur selbst kinderpornografische Dateien eingestellt, sondern in mehr als 80 Fällen auch den Austausch solcher Dateien auf der Plattform „The Hidden Door“ ermöglicht.

Es handelt sich um Bilder und Videos, hauptsächlich von Mädchen im Alter von vier bis 12 Jahren, die sexuell missbraucht werden. Der Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischen Dokumenten wird mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren sanktioniert. Weil der Beschuldigte sich gegenüber allen Vorwürfen für schuldig bekennt, kann er nun mit einer Freiheitsstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren rechnen.

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„Lucky Eddy“ prahlte mit Erfolgen

Die Verhandlung in Pforzheim wurde nach Abschluss der Inaugenscheinnahme des kinderpornografischen Datenmaterials öffentlich fortgesetzt. Trotz der vorausgehenden Absprache um eine mildere Bestrafung wurden fünf weitere Personen vernommen, die an der Ermittlung beteiligt waren. Wie anhand ihrer Schilderungen deutlich wurde, lebte der Mann, der als „lucky eddy“ in virtuellen Verbrecherkreisen mit seinen „Erfolgen“ prahlte, im echten Leben äußerst bescheiden: In der Pforzheimer Südstadt bewohnte er eine spartanisch eingerichtete 20 Quadratmeter große Einzimmerwohnung.

Ebenso überschaubar waren die sozialen Kontakte des Beschuldigten, die sich auf seine Mutter und ihren Lebenspartner beschränkten. Deshalb wurde nicht nur die Wohnung des Angeklagten durchsucht, in der die Ermittler zum Teil versteckte Rechner und ein komplexes Netzwerksystem vorfanden, sondern auch die der Mutter. Diese sei „fassungslos“ angesichts der Vorwürfe gegen ihren Sohn gewesen, wie der Einsatzleiter vor Gericht berichtete. Sein Geständnis legt der 44-jährige Angeklagte allerdings nicht persönlich ab. Für die Beurteilung durch den psychiatrische Sachverständigen muss folglich noch ein weiterer Polizeibeamter gehört werden. Angesichts des Geständnisses wird das Gericht jedoch versuchen, die Anhörung des FBI-Agenten abzusagen, der den deutschen Behörden behilflich war.

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Dass das Darknet ein „Glücksfall“ für Pädo-Kriminelle ist, bestätigt auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig. Mit dem Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, der sich am Montag in Berlin konstituierte, ist laut Rörig ein erster Schritt getan, er fordert darüber hinaus aber auch eine zentrale Institution zur Verfolgung von Pädo-Kriminalität im Internet sowie die Ausweitung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften auf alle Bundesländer. Die Cybercrime-Abteilung in Mannheim konnte den Mehrwert einer solchen Institution nun mit der Verhaftung eines international bekannten Akteurs eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Die Verhandlung wird am 9. Dezember fortgesetzt.