Aderlass im SWP-Management. Gleich drei Prokuristen verlassen die Stadtwerke Pforzheim. | Foto: Ehmann

Ungewöhnliche Aufbruchstimmung

Gleich drei Prokuristen verlassen die Stadtwerke Pforzheim

Unter „Aufbruchstimmung“ hätte sich Roger Heidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim, sicherlich auch etwas Positiveres Vorstellen können. Innerhalb von 72 Stunden wurden die Kündigungen von drei Prokuristen im Unternehmen bekannt. Damit sind schon bald drei von sechs Managersessel am Hauptsitz des Unternehmens am Mühlkanal leer.

Drei Prokuristen nehmen ihren Abschied

Am Freitag hatte Christian Schneider, Chef von Vertrieb und Energieeinkauf, seinen Ausstieg verkündet. Am Samstag wurde ruchbar, dass auch Peter Günther, Leiter der Hauptabteilung Netzbau/Netzbetrieb, seinen Abschied nehme will.

Und am Montag schließlich erreichte den Pforzheimer Kurier die Nachricht, dass Johannes Rager, Leiter der Hauptabteilung Services, den Stadtwerken den Rücken kehrt.

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Mit Christian Schneider, Peter Günther und Johannes Rager verlassen drei von sechs Managern die Stadtwerke Pforzheim

Nur drei Manager bleiben zurück

Zurück bleiben Geschäftsführer Thomas Engelhard, Bernd Hagenbuch, Leiter der Hauptabteilung Kaufmännischer Netzbereich, den Roger Heidt bei seinem Wechsel von der Stadtverwaltung Pforzheim mitgebracht hatte, und Heidt selbst.

Gratulation zum beruflichen Schritt

Aus der verbliebenen Unternehmensspitze wollte sich niemand direkt zu den Kündigungen äußern. Roger Heidt ließ lediglich über die Pressestelle der SWP ausrichten, man gratuliere den Herren zu diesem beruflichen Schritt.

Schneider, Günther und Rager werden die Stadtwerke Pforzheim Mitte des kommenden Jahres verlassen, um bei kommunalen Energieversorgungsunternehmen in Baden-Württemberg jeweils Geschäftsführungsaufgaben zu übernehmen.

SWP will „reibungslosen Übergang gewährleisten“

„Eine Entscheidung über die Nachbesetzung der Stellen wird zeitnah erfolgen, so dass ein reibungsloser Übergang und die damit verbundene Kontinuität für die SWP gewährleistet ist“, verkündet das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

„Keine Gründe im Unternehmen“

Erster Bürgermeister Dirk Büscher bedauerte in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender den dreifachen Abschied der Manager, von denen er den Eindruck gehabt hätte, dass sie „gut miteinander arbeiten“. Gründe im Unternehmen selbst, die zum Absprung der drei Spitzenleute geführt haben könnten, sehe er keine.

„Hätte erwartet, von Büscher und Heidt unterrichtet zu werden“

Bei den Mitgliedern des Aufsichtsrates war die Wucht der Ereignisse gestern noch nicht angekommen. „Ich hätte eigentlich erwartet, eine solche Nachricht von den Herren Büscher und Heidt zu bekommen und nicht vom Pforzheimer Kurier“, sagte Axel Baumbusch, der die Grüne Liste im SWP-Aufsichtsrat vertritt.

Wiedemann hetzt von Sitzung zu Sitzung

„Der Aufsichtsrat sollte es doch eigentlich zeitnah erfahren, wenn sich drei Prokuristen vom Acker machen.“
Von Sitzung zu Besprechung hetzt derweil der Betriebsratsvorsitzende und SPD-Stadtrat Henry Wiedemann. Nur kurz zwischen einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses und einem Treffen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden war der Gewerkschafter kurz zu sprechen.

„Betriebsrat kümmert sich um die verbliebenen Beschäftigten“

Zu den internen Gründen des Ausscheidens der drei wollte er sich nicht äußern. „Die werden alle drei ihre Gründe haben.“ Als Betriebsrat müsse er sich jetzt aber um die verbliebenen knapp 500 Beschäftigten des Unternehmens kümmern.

Aufklärung bei Betriebsversammlung?

Möglicherweise wird sich die Geschäftsleitung ja in zwei Wochen zu den Kündigungen äußern, wenn die Stadtwerke ihre Belegschaft zur Betriebsversammlung einlädt.