Höhen und Tiefen erlebten Gökhan Gökce und der 1. CfR Pforzheim zusammen. Nach dem 0:2 in Freiburg hat die gemeinsame Reise ein vorläufiges Ende. Allerdings will ihn der Verein in anderer Funktion binden. | Foto: Waidelich

Fußball-Oberliga

Gökhan Gökce ist nicht länger Trainer beim 1. CfR Pforzheim

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Der 1. CfR Pforzheim hat sich von seinem Cheftrainer Gökhan Gökce getrennt. Das gab der Verein am Montagabend bekannt. Demnach sah man zu diesem Schritt keine Alternative – nachdem erst ein Spieltag in der Fußball-Oberliga gespielt wurde.

Wie eine Lichtgestalt kam Gökhan Gökce am 22. Oktober 2017 ins Traineramt von Fußball-Oberligist 1. CfR Pforzheim. Sein Vorgänger Adis Herceg hatte den Umbruch des Kaders ausgerufen und war daran gescheitert, der Abstieg drohte.

Mit einer Siegesserie hauchte Gökce den totgesagten Holzhofern neues Leben ein. Schnell wurde aus der Interimslösung mehr. Gökce führte das Team in den DFB-Pokal und zum spektakulärsten Spiel der jungen Pforzheimer Vereinsgeschichte gegen Bundesligist Bayer Leverkusen (0:1) vor ausverkauftem Stadion.

Es sind diese Momente, die Gökces Traineramtszeit beim CfR Glanz verliehen. Weitere Erfolge werden nicht hinzu kommen. Nach dem frühen Pokalaus gegen den VfR Mannheim und den verpatzten Ligaauftakt gegen Aufsteiger Freiburger FC trennt sich der Verein von dem 35-Jährigen.

CfR-Stellungnahme: Vereinswohl steht über persönlichen Interessen

„Um diese negative Entwicklung zu stoppen, ist die Vereinsführung nach intensiven Gesprächen mit Cheftrainer Gökhan Gökce übereingekommen, die Verantwortung für die Mannschaft ab sofort auf Fatih Ceylan zu übertragen“, heißt es in einer Vereinsmitteilung. „Der Vorstand des 1. CfR schätzt die in vielen Jahren geleistete Arbeit von Gökhan Gökce sehr und bedauert deshalb umso mehr diese Entwicklung“, heißt es weiter.

„Das Vereinswohl muss stets über alle persönlichen Interessen gestellt werden, deshalb ist dieser Schritt aus Sicht der Vereinsführung alternativlos. Gleichzeitig wünscht sich das Gremium, dass Gökhan Gökce als „CfR-Urgestein“ dem Verein auch weiterhin erhalten bleibt. In welcher Funktion dies möglich sein könnte, werden Gespräche in den nächsten Tagen zeigen.“

Unter Gökce holte der 1. CfR Pforzheim im Schnitt 1,33 Punkte pro Spiel

Natürlich gab es gerade in der vergangenen Saison auch Kritik an Gökce. In seiner Retter-Saison holte er im Schnitt 1,41 Punkte pro Spiel. Mit neuem, deutlich verbesserten Kader und Leverkusen-Euphorie im Rücken reichte es im Jahr darauf nur zu einem Schnitt von 1,32.

Insgesamt hat Gökce in 57 Ligaspielen 76 Punkte geholt (Schnitt: 1,33). Mehr als Platz 13 in Saison eins und Platz 11 in Saison zwei hatte der ehemalige CfR-Jugendtrainer nicht erreicht.

Auch durch die Kontroverse um den möglichen Ausraster von Ex-Spieler Kushtrim Lushtaku wurde Kritik an Gökce laut. Zuletzt gerieten auch seine öffentlich getätigten Spielanalysen in die Kritik, etwa beim Derby gegen den FC Nöttingen.

CfR-Sportvorstand Heinemann: „Brauchen neue Ansprache“

„Wir wollen, dass es dieses Jahr besser läuft“, sagt Sportvorstand Torsten Heinemann. „Es war ein Saisonstart, den wir uns alle anders gewünscht hatten. Er selbst ja auch.“

Ob man die Entscheidung nicht früher hätte treffen können, etwa in der Sommerpause, um dem neuen Trainergespann Ceylan/Alexander Freygang eine Vorbereitung nach eigenen Vorstellungen zu ermöglichen?

Derartige Kritik weist Heinemann von sich: „Wir schätzen den Gökhan sehr. Man hat es noch einmal probiert, mit einem veränderten Kader einen guten Start hinzubekommen.“ Aber schließlich seien die schlechten Ergebnisse zu viel gewesen. „Wir brauchen eine neue Ansprache“, sagt Heinemann.

CfR-Vorsitzender Geiser: „Wir wissen, was die Mannschaft kann“

Auch der Vereinsvorsitzende Markus Geiser bedauert den Schritt. „Jede Trainerentlassung schmerzt, beim Gökhan noch einmal mehr.“ Letztendlich habe „ein Paket“ von Gründen zur Trennung geführt.

„Wir wissen, was die Mannschaft kann. Und wenn du so einen Abfall hast, dann fragst du dich, warum.“ Er sehe die Schuld nicht bei den Spielern. „Wir sind vom Kader überzeugt“, sagt Geiser. „Aber es ist wie bei Lego: Die Steine müssen perfekt aufeinander passen.“

 

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Nun übernimmt beim CfR Fatih Ceylan, der bislang spielender Co-Trainer unter Gökce war und einst in der ersten türkischen Liga kickte. „Die Chance hat er sich jetzt auch verdient“, sagt Heinemann.

Große Unterschiede werde es nicht geben, glaubt Heinemann. „Die beiden haben ja sehr eng zusammen gearbeitet. Allerdings ist Gökhan etwas ruhiger als Fatih.“ Als Co-Trainer übernimmt Freygang, der ebenfalls seit vielen Jahren im Verein tätig ist.