Ein bisschen Antike in der Neuzeit: Andreas Sarow hat in der Eichbergstraße 7 auf Anfrage eines Privatmanns sein nächstes, temporäres Kunstwerk verwirklicht. | Foto: Roth

Andreas Sarows neues Kunstwerk

Goldener Tempel im Pforzheimer Stadtteil Büchenbronn

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Er hat schon eine ganze Villa im feinsten Viertel Pforzheims geschwärzt, in Grunbach ein Objekt zum „Dollhaus“ gemacht und nun ist der Pforzheimer Galerist und Architekt Andreas Sarow wieder als Künstler großformatig unterwegs. Ein Unternehmerpaar ist auf dem Weg von der Firma in Pforzheim zum Wohnort Kapfenhardt oft am „Dollhaus“ vorbeigefahren. „Ich wurde angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, mit dem Elternhaus etwas zu machen“, erzählt Andreas Sarow, der oft schon Objekte aufgekauft, renoviert und weiter verkauft hat, aber immer mehr auch als Künstler gefragt ist seit seinen spektakulären Aktionen. Auch in diesem Fall ist es eine „temporäre“ Aktion. „Das Haus wird in drei bis sechs Monaten abgerissen“, sagt er und zeigt auf das quaderförmige Haus mit dem Walmdach in der Eichbergstraße 7 in Büchenbronn, das nun in goldener Farbe erstrahlt und sich auch in anderer Hinsicht auffällig verändert hat. In einen Tempel nämlich. „Daran musste ich sofort denken, als ich es gesehen habe.“

So sah das Haus in Büchenbronn vorher aus. | Foto: PK

Andreas Sarow kann gut mit der Vergänglichkeit seiner Kunstobjekte leben – die schwarze Villa ist ja auch inzwischen wieder weiß. Einzige Bedingung: „Dass ich freie Hand bekomme.“ Gewährt. Und so hat er dann „riesige Säulen sich durch das Haus fressen lassen“, wie er es ausdrückt. Das aber geordnet und erst, nachdem die Fenster entfernt worden waren. Zwölf Säulen sind es. „Das Gleichgewicht ist wichtig, wenn eine stärker ist, dann stimmt es nicht mehr.“ Der klassische Tempel hat ein solides, geerdetes Fundament als Basis und mächtige Säulen, die das Dach tragen und gleichzeitig für bestimmte Inhalte und Werte stehen. Neugier, Mut, Respekt, Liebe, Trost und auch Förderung kann man auf den Schildern lesen.

Galerist und Architekt Andreas Sarow im Inneren des umgestalteten Hauses. | Foto: Roth

Die Außenwände des alten Hauses wurden in die Säulen integriert – eine Art Säulen-Wucherung haben sie durchgemacht. Das Ganze nennt Sarow „Das perfekte Elternhaus“. „Das ist ja irgendwie wie ein Tempel“, findet er. Bewusst wurde die Einrichtung der 1970er-Jahre – mit dem Hauch von Spießigkeit auf den Schrankwänden und in den gemusterten Kacheln – belassen und so auch zwei Zeitzonen miteinander in Verbindung gebracht, eigentlich ja sogar drei: Antike, 1970er-Jahre und die Neuzeit.
Fundament als „gesunde Basis“, Werte-Säulen und das Dach ist dann aus Sicht Sarows der Inbegriff der nächsten Generation, die sich aufmacht in die Freiheit. Dort schweben im miefigen Dunst der Dachkammer symbolhaft weiße, Vögel darstellende Luftballons. „Die nach Freiheit strebenden Vögel müssten sich allerdings durch die verschlossenen Dachluken mühsam einen Weg nach draußen erkämpfen, die Eierschale sozusagen durchstoßen.“ Wie im echten Leben, findet Sarow. Mit seinem neuesten Kunstobjekt will er den „Idealfall“ beleuchten, der kaum mit den hohen Ansprüchen, allen Werten gerecht werden zu wollen, funktionieren kann und auch nicht soll. „Das perfekte Elternhaus gibt es ja für 20 Prozent der Kinder gar nicht, bei denen etwa nur ein Elternteil für sie sorgt.“

Susanne Roth

Für die Öffentlichkeit gibt es bei der Vernissage am kommenden Mittwoch, 24. Mai, ab 18 Uhr, die einmalige Gelegenheit, den goldfarbenen Tempel in der Eichbergstraße 7 zu betreten.